Junge Menschen auf Reisen

Erschwingliche Übernachtungspreise in Hostels und Privatwohnungen

Freitag, 31. August 2018

Alex Smaranda betreibt zwei Hostels in Temeswar: das Hostel Costel in der Fabrikstadt und das Hostel Cornel in Domplatznähe. Foto: Raluca Nelepcu

Knapp über 300 Appartements aus Temeswar sind derzeit auf airbnb.com aufgelistet. Vor allem ausländische Stadtbesucher suchen eine Unterkunft in der Bega-Stadt via Airbnb. Foto: Zoltán Pázmány

Der Name klang für Rumänen witzig genug, doch nicht darin bestand das Erfolgsrezept von Temeswars erstem und bekanntestem Hostel, dem Hostel Costel. Eine relativ zentrale  Lage, gastfreundliche und sympathische Gastgeber und eine lockere Atmosphäre, in der sich sogar Alleinreisende wohl gefühlt haben, trugen definitiv dazu bei, dass das Hostel Costel sich im Laufe der Jahre einen guten Ruf  erarbeiten konnte. Seit vergangenem Jahr hat das Hostel Costel in der Petru-Sfetca-Straße Nr. 1 einen kleineren Bruder, der sogar noch zentraler  für sich wirbt: Das Hostel Cornel erwartet seine Gäste in der Oituz-Straße Nr. 5, gleich gegenüber der Kunstfakultät und in unmittelbarer Nähe des Domplatzes. Um die beiden Hostels kümmert sich der aus Hermannstadt/Sibiu stammende Dr.-Ing. Alex Smaranda, der den Ingenieurberuf gegen einen Job in der Immobilien- und Hotelbranche getauscht hat. Ohne es zu bereuen.

„Es tut mir überhaupt nicht leid, diesen Schritt getan zu haben. Der Job an sich macht Spaß. Einen einzigen Nachteil gibt es: Man muss rund um die Uhr erreichbar sein, denn in beiden Einrichtungen wohnen rund um die Uhr Menschen. Hostels sind nicht wie Geschäfte, die genaue Öffnungszeiten haben“, erklärt Alex Smaranda, der sich seit zwei Jahren ausschließlich um die beiden Hostels kümmert. Seit 2011 ist in Temeswar/Timișoara das Hostel Costel in Betrieb –  die Idee, ein Hostel zu eröffnen, hatte Alex Smaranda schon als Studierenden in Temeswar umgetrieben. Als Hermannstadt 2007 Europäische Kulturhauptstadt wurde, gab es dort einen regelrechten Hostel-Boom. In Temeswar setzte sich diese Branche erst wenige Jahre später in Bewegung. Hatte es vor etwa sieben Jahren nur etwa drei Hostels in Temeswar gegeben , so sind heute  in der Stadt an der Bega 13 derartige Einrichtungen in Betrieb. Sie bieten Unterkunft zu erschwinglichen Preisen für Menschen, die keine großen Ansprüche haben und dennoch in zentraler Lage übernachten wollen.

Die Menschen suchen Erfahrungen

Die Unterkunftsbedingungen sind trotzdem sehr gut: Die Hostelzimmer sind sauber, das Personal ist freundlich, man kann sehr leicht mit den anderen Gästen ins Gespräch kommen. Die beiden Hostels, Costel und Cornel, stellen den Gästen nur die Unterkunft zur Verfügung, für das Essen müssen diese selbst aufkommen. Doch das ist kein Problem, denn beide Hostels sind mit Gemeinschaftsküchen ausgestattet. Eine Übernachtung im Hostel kostet zwischen 10 und 12 Euro, dabei teilt man sich ein Zimmer mit anderen Reisenden. Private Zimmer – Einzel- oder Doppelzimmer – kosten 130 bis 150 Lei pro Nacht, verrät Alex Smaranda. Im Schnitt übernachten im Hostel Costel etwa 3000 Touristen pro Jahr – für das Hostel Cornel erwartet der Inhaber rund 10.000 Gäste im Jahr.

Zu den Gästen, die sich für eine Übernachtung im Hostel entscheiden, zählen viele junge Leute, erzählt der Hostel-Inhaber, der einen deutschsprachigen Mechanik-Studiengang an der TU „Politehnica“ in Temeswar abgeschlossen und anschließend seine Master- und Promotionsstudien in Deutschland bestritten hat. „Wer sich für ein Hostel entscheidet, der sucht Erfahrungen und nicht den höchsten Komfort, den es geben kann“, weiß Alex Smaranda. In den beiden Hostels haben sich bisher Menschen von überall her eingefunden. Viele dauerhafte Freundschaften seien hier entstanden, erzählt der Hostelinhaber. „Zwei junge Menschen, die sich im Hostel Costel kennengelernt haben, haben später sogar geheiratet. Es waren ein Holländer und ein Mädchen aus Deutschland – wir wurden sogar zur Hochzeit eingeladen“, sagt Alex Smaranda.

Sehr viele der Hostelgäste kamen, als noch die Billigfluggesellschaft Ryanair am Internationalen Traian-Vuia-Flughafen Temeswar im Betrieb war. Die Anzahl an Gästen und Touristen, oder: Touristen- und Gästezahlen  seien allgemein deutlich zurückgegangen, nachdem Ryanair Temeswar verlassen hat, weiß der Hostelinhaber. „Unterkunftsmöglichkeiten gibt es schon in der Stadt - die Touristen fehlen noch. Und das hat seine Gründe. Der Abgang von Ryanair, die Abschaffung der Zugverbindung Temeswar-Belgrad, usw. An der Infrastruktur mangelt es“, erklärt Alex Smaranda. Momentan habe er selbst keine Erhöhung der Touristenzahlen wahrnehmen können, nachdem Temeswar den Titel „Europäische Kulturhauptstadt 2021“ zugesprochen bekam. „Es kann sein, dass sich der Markt durch die Streichung der Ryanair-Flüge und die Eröffnung neuer Hoteleinrichtungen etwas ausgeglichen hat“, sagt Alex Smaranda. Die beiden Hostels können Touristen auf booking.com und auf hostelworld.com, aber auch auf den betriebseigenen Facebook-Seiten finden.

Mit airbnb-Wohnungen Geld verdienen

Wenn alle Zimmer in beiden Hostels ausgebucht sind,  vermittelt Alex Smaranda seine Gäste an die ebenfalls von ihm selber verwalteten Airbnb-Wohnungen im  Treppenhaus  des Hostel Cornel. „Heutzutage kennt jeder von uns mindestens einen, der seine Wohnung über Airbnb an Touristen vermietet“, sagt er. Das könnte stimmen. Schließlich sind 300 Appartements aus Temeswar derzeit auf airbnb.com aufgelistet. Zwei davon verwaltet auch Octavian Doț.

Bereits seit Anfang des Jahres bietet der Temeswarer Dipl-Ökonom Octavian Doț seine Einzimmerwohnungen durch die Airbnb- und Booking-Plattforms an Touristen zum Mieten an. Eine Unterkunft in einer  dieser Wohnungen kostet 20 bis 23 Euro pro Nacht, je nachdem für wieviele Nächte die Gäste die Wohnung buchen. Die beiden Unterkunftsmöglichkeiten sind fast immer voll ausgebucht, trotzdessen sie nicht ultrazentral  liegen Die eine Wohnung  liegt im Stadtviertel an der Arader Straße, die andere im Odobescu-Viertel . „Die Wohnungen sind meist 20 bis 25 Nächte  pro Monat belegt”, verrät Octavian. „Bei einer normalen Monatsvermietung würde die Wohnung 250 Euro kosten. Nun kann ich die doppelte Summe, also 500 bis 600 Euro monatlich für ein und dieselbe Wohnung verdienen”, setzt Octavian Doț fort.

Rund 50 Touristen haben sich bereits in den Wohnungen von Octavina Doț in den ersten acht Monaten des Jahres eingefunden. Die meisten davon kommen aus dem Ausland: Aus den USA, Australien und Deutschland, oder  Besucher aus dem Nachbarland Serbien, die meistens am Wochenende auf einen Citybreak nach Temeswar kommen. „Rumänen bevorzugen  die Booking-Plattform, wenn sie auf Unterkunftssuche sind”, erzählt Octavian. Gemeinsam mit seiner Frau kümmert sich der Temeswarer Vermieter selber um die Instandhaltung und Reinigung der Wohnungen. „Wir bleiben immer im Kontakt mit unseren Gästen und sorgen dafür, dass  ihnen nichts fehlt. Zum Beispiel ist in der Küche alles Nötige bereits vorhanden. Zufriedene Gäste bringen immer weitere Gäste. Ihre Empfehlung und die guten Bewertungen sind  uns  Richtwert”, setzt der Wohnungsvermieter fort.

Da dies eine gute Geschäftsmöglichkeit ist, stellt sich Octavian Doț vor, bis zum Kulturhauptstadtjahr 2021 noch eine weitere, näher an der Temeswarer Innenstadt gelegene Wohnung zu kaufen und gleichermaßen  als Unterkunftsmöglichkeit für  Stadtbesucher bereitzustellen.

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