Kampagne für gesunde Babytragehilfe

Etwa 600 Temeswarer Kinder werden derzeit richtig getragen

Freitag, 25. April 2014

Alina Bratu plädiert für eine korrekte Babyhaltung in der Tragehilfe.

Alina Bratu ist PR-Koordinatorin bei der Continental AG Rumänien. In ihrer Freizeit plädiert die Presseprecherin für ein korrektes Babytragen unter frischgebackenen Müttern. Seit einigen Jahren gibt es in Temeswar/Timisoara auch einen Laden für gesunde Tragesysteme. Da beratet die junge Mutter und zeigt, was richtig ist und was nicht. Vor Kurzem startete Alina zusammen mit ihrer Kollegin Ioana Vârtosu von der “Scoala Mamei Junior” (verschiedene Programme und Kurse für künftige Mütter) eine Sammelkampagne für nicht geeigenete Tragesysteme: Für jedes ungesunde System wurde ein neues ,richtiges verschenkt. Alle ungesunden Tragesysteme sollen demnächst ins Feuer geraten und verbrannt werden, sodass künftige Haltungsschäden bei Babies vermieden werden. Über die Informationskampagne und das richtige Tragen von Kindern führte BZ-Redakteurin Andreea Oance ein Gespräch mit Alina Bratu.

 

Was löste die Idee einer Kampagne für gesunde Tragesysteme aus?

Die Idee wurde eigentlich im Oktober des vergangenen Jahres geboren. Die Trageschule Dresden, von Ulricke Höwer vertreten, war da. Sechs Teilnehmerinnen, darunter auch ich, wurden in der Welt der Babytrage willkommen geheißen. Zu diesem Anlass hat sie auch die Kinder, mit denen Ioana Vârtosu durch das Programm der Hydrotherapie arbeitet, kennengelernt und sie wollte ihre Hilfe in diesem Programm anbieten. So hat sie durch ein Projekt mit Amzonas hundert Stück neue Mei Tais-Tragehilfen gespendet bekommen und den ganzen Karton nach Rumänien geschickt. Dann sollten wir uns darum kümmern, dass die Mei Tais bei den Kindern aus der Therapie ankommen. In den letzten sechs Monaten haben wir die Kinder, die so ein System benötigen, gesucht. Ioana hat auch auf ihrem Blog geschrieben, dass wir diese Systeme frei vergeben, Hauptsache, das Kind passt rein und sitzt richtig. Für die Kinder in der Hydrotherapie haben wir die Systeme verteilt. Für andere haben wir spezielle Tragehilfen eingerichtet, weil einige nicht mehr Babys sind. Nachdem wir viele Mei Tais verteilt haben, sind trotzdem noch viele übrig geblieben. So kam uns die Idee, vor Ostern etwas Gutes zu tun. Wir dachten, dass wir alte, ungesunde Systeme sammeln könnten. Als Tausch geben wir einen neuen Mei Tai aus und dabei erklären wir auch, wie das System funktioniert. Jeder, der so ein ungesundes System als Tausch mit einem Mei Tai bringt, sollte aber 50 Lei spenden. Das gesammelte Geld wird für das Hydrotherapie-Programm ausgegeben. Unsere Überraschung war, dass innerhalb von einigen Stunden all unsere Systeme weg waren. So sind wir nun froh, dass mehrere Kinder richtig getragen werden und nicht nur in Temeswar, sondern auch in anderen rumänischen Städten. Einige unserer Systeme sind auch in Jassy, Bukarest und Konstanza angekommen.

 

Die Leute sind vom großen Angebot auf dem Markt verwirrt. Es mangelt an Informationen. Viele kennen die Unterschiede zwischen einer gesunden und ungesunden Tragehilfe nicht. Welches sind die Ergebnisse nach eurer Informationskampagne?

Wir haben unser Konzept bei „Scoala Mamei Junior“ im Herbst 2012 gestartet. Die Idee zündete einfach. Wir wollten damals den künftigen Müttern zeigen, was richtig für das Kind ist und was nicht und auch warum es wichtig ist, ein Baby zu tragen und warum eigentlich diese körperliche Nähe wichtig für alle ist. Nachdem wir angefangen haben, die Mütter zu informieren, kam auch gleich die Frage: Wir wissen nun, was wir kaufen sollen, wir haben die Systeme bei euch probiert, doch wieso besteht die Möglichkeit nicht, diese Systeme auch bei euch einzukaufen? So entstand der kleine Laden hier. Er ist Montag und Dienstag geöffnet. Jedes Mal, wenn Ioana eine Gruppe von zukünftigen Müttern hat, dann machen wir auch die Präsentation der Babytrage. In den vergangenen 18 Monaten haben wir schon ungefähr 600 Kinder in Temeswar, die richtig getragen werden und das ist recht viel. Was mich persönlich freut, ist: wenn ich am Wochenende mit meinen eigenen Kindern spazieren gehe, treffe ich immer wieder Kinder, die richtig getragen werden und ihre Eltern wurden meistens von uns beraten. Unsere Facebook-Seite hat dazu auch sehr viel beigetragen, weil da die Information sehr schnell ankommt. Da haben wir auch eine Gruppe gegründet „Babywearing Timisoara“. Die Mütter können da Informationen austauschen und können dadurch die Systeme weiter verkaufen. Die Informationskampagne geht weiter und im Oktober werden wir erneut die Babytragewoche veranstalten. Bis dann werden wir aber unseren Laden mit einem Zusatz für Mamas ausbauen.

 

Zusammen mit Ioana hast du bereits ein Trainig der Trageschule Dresden abgeschlossen. Wieso braucht man denn eine Ausbildung in dieser Richtung?

In diesem Jahr werden wir unser zweites Training der Tragschule Dresden machen. Wenn alles richtig klappt, dann machen wir auch den dritten Schritt. Dann können wir in Rumänien auch andere Leute ausbilden. Denn nach dem dritten Modul bekommt man eine Bescheinigung. In ganz Europa gibt es nur zwei solche Trageschulen. Unser Wunsch ist es, nach erlangter Lizenz landesweit Trainings und Kurse halten zu können und auch andere Babytrageinstruktoren auszubilden. Wir müssen aber sehen, wie sich alles entwickelt. Ich gebe zu, dass es mein Traum ist, so eine Trageschule in Rumänien zu gründen.

 

Was ist besser für eine korrekte Haltung des Kindes – ein Tragetuch oder einen Tragesack?

Man muss die Mutter und das Kind beobachten und sehen, was zu ihnen am besten passt. Was ist für die Mutter bequem? Sitzt das Kind richtig? Die Mutter kann mit bestimmten Systemen auch im Herbst und im Winter das Kind tragen. Mit anderen Systemen geht das aber nicht. Es geht natürlich nicht nur um Mütter, sondern auch um Väter, die ihre Kinder tragen wollen. Wenn zum Bespiel die Mutter Rückenschmerzen hat, dann kann sie bestimmte Systeme nicht nutzen, denn das ganze Gewicht des Kindes würde den Rücken belasten. Ich zeige, wie alle Tragehilfe funktionieren und die Eltern dürfen dann entscheiden, was ihnen am besten passt. Die Preise der Systeme sind manchmal auch entscheidend – man kann zum Beispiel zwischen 100 und 500 Lei richtige gesunde Tragesysteme kaufen. Je nachdem, was sich die Eltern wünschen, gibt es Systeme, die nur für Babies gedacht sind, aber es gibt auch welche, die für das Tragen von Kindern von bis zu drei-vier Jahren geeignet sind. Ich bin da ein Extremfall: Meine Kinder sind vier und fast zwei Jahre alt und die wollen immer noch getragen werden – manchmal auch gleichzeitig. Diese Tragehilfe heißen Soft Structured Carrier (SSC) und kann meistens auch für vier unterschiedliche Kindergenerationen benutzt werden. Die Investion ist es wert, weil das Materiall stark ist und das System nach und nach benutzt werden kann.

 

Sind Ihnen Kinder mit Gesundheitsproblemen wegen des ungesunden Tragens begegnet? Wie kann man eigentlich Haltungsschäden vermeiden?

Ja, wir sind solchen Babies begegnet. Ein ungesundes System kann eine Hüftdysplasie verursachen. Auch die Wirbelsäule kann beschädigt werden. Wenn die Babies nicht in der C-Form sitzen, sondern gerade, dann entstehen in einigen Jahren Rückenschmerzen. Die Wirbelsäule hat vier verschiedene Entwicklungsstufen. Die letzte Etappe ist, wenn das Kind schon auf eigenen Beinen stehen und die ersten Schritte machen kann. Danach ist die Entwicklung zu Ende und das Kind kann in allerlei Systemen getragen werden. Bis dahin ist die Froschposition die richtige. Das Baby muss mit mehr als 90 Grad angehockten und gespreizten Beinchen in der Tragehilfe sitzen. Das Kind kann dabei auch den Herzschlag der Mutter hören, den Geruch der Mutter erkennen und die Bewegung, die es vom Bauch kennt, ist ihm auch bekannt. Vor allem in den ersten Wochen, wo der Übergang vom Bauch in die Außenwelt passiert, gibst du dem Baby etwas, was es kennt, zurück. Es ist in Ordnung, wenn wir ein Kind verwöhnen und ihm Sicherheit verleihen. Die spätere Unabhängigkeit des Kindes kommt auch von der Sicherheit her.

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