Kannibalismus

Mittwoch, 23. Juli 2014

Unser Player-Präsident agiert immer hektischer. Er wird dabei schlampig, in seinem Drang, als unfehlbarer Mittelpunkt und Richtunggeber der öffentlichen Aufmerksamkeit dazustehen. Die Fehler, die er macht, helfen seinem Ex-Weggefährten Vasile Blaga auf die Beine. Die beiden Petre Roman entflohenen Zöglinge, den sie gemeinsam gestürzt haben, und der FSN, die sie mit spalteten (´s ist nicht schad´ drum!), liefern sich einen kalten bis lauwarmen Krieg, aus dem Blaga als künftiger Premierminister hervorgehen könnte – wenn sein neuester Weggefährte, Klaus Johannis, Ende November Präsident werden sollte. Anders kann die Aussage Vasile Blagas kaum gedeutet werden, denn als Ambition auf den Exekutivposten, als er sagte, wenn die PNL den Präsidenten stelle, habe der Fusionspartner PDL den Anspruch auf den Posten des Regierungschefs. Und da in der PDL gegenwärtig keiner so sichtbar ist wie Blaga, liegt es auf der Hand, wer das sein könnte.

Doch bis da hin ist ein langer Weg. Blaga hat noch viele Grabenkämpfe mit dem Player-Präsidenten Basescu auszustehen. Und jene „vereinigte Rechte“ zu schmieden, von der alle träumen, zu deren Entstehen aber kaum jemand zu unvermeidlichen Kompromissen bereit ist. So heißt in Rumänien „politische Rechte“ immer noch bloß gegenseitige Mordversuche unerheblicher Ein-bis-Sechs-Prozent-Parteien und deren politischer Kannibalismus, statt Schaffung einer Einheitsfront gegen die übermächtige Staatspartei PSD.

Die Verschwörungstheorie mancher politischer Kommentatoren, die behaupten, dass der Nichtsangriffspakt Basescu - V.V.Ponta nichts anderes ist als die Grundlage zu Koordinierung der Aktionen von Staats- und Regierungschef zur Zerreibung des rechten Parteienspektrums, mit dem Etappenziel, V.V.Ponta Präsident und Basescu Chef der stärksten Oppositionspartei zu machen, mit dem Fernziel, seinen Traumposten als Regierungschef zu besetzen – diese Verschwörungstheorie klingt ausreichend absurd, um in Rumänien verwirklichbar zu sein.

Hierhin passt auch das gegenseitige öffentliche Piesacken zwischen Basescu und Blaga, wobei die „Bulldoge“ (=Spitzname von Blaga) oft überraschend feine Ironie zeigt, während der Seebär nach wie vor rüpelhaft poltert und rumpelt und Porzellan zerdeppert. Basescu beurteilt alles ausschließlich aus egozentrischem Blickwinkel. Er verfolgt schon lange eine Anti-Blaga-Linie. Man weiß ja, dass der Player-Präsident sich nie und niemand gegenüber je erkenntlich gezeigt hat und fatal dazu tendiert, sich mit ihm intellektuell (oder an Bauernschläue) unterlegenen Mitarbeitern zu umgeben (alle gescheiten Berater, die er in seinen zehn Amtsjahren hatte, hat er rausgeekelt). Aber Blaga an die Spitze der „Verschwörung“ von 2012 zu setzen, wo doch dieser die Losung ausgab, das Anti-Basescu-Referendum („Staatsstreich“??) zu boykottieren, das geht über die Hutschnur.

Es dürfte noch spannand werden, wenn der einzige chancenreiche Ponta-Herausforderer, Klaus Johannis, im Herbst Präsident werden sollte. Noch sind keine Würfel gefallen.


 

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