Kapellmeister Heinrich Weidt im Banat

Die Temeswarer Oper zur Zeit Heinrich Weidts (II)

Mittwoch, 30. Dezember 2015

Das Temeswarer städtische Theater (Ende 19. Jahrhundert)

Heinrich Weidt: Festmarsch, komponiert als Temeswarer Theaterkapellmeister

Mitte September 1858 begannen die Vorstellungen in dem gründlich renovierten und verbesserten alten Theater, das einen Saal mit roten Tapeten, blendend weißer Decke und einem Tageshelle ausstrahlenden Lüster hatte. Der Kronleuchter verfügte über 24 helle Gasflammen. Die Wände, besonders der erste Balkon, wiesen prächtige Goldverzierungen auf. Die Logen waren mit dunkelrotem Samt ausgeschlagen. Die Sperrsitze im Parterre hatten bequeme, elegante, mit rotem Leder überzogene Sessel. Auch Bühnenausstattung und Vorhang waren aufgefrischt worden. Nach nur kurzer Zeit übernahm Strampfer beim Jahreswechsel 1859/60 wieder die Leitung der Temeswarer Bühne. Ihm standen ein Chor aus 19 Mitgliedern und ein verstärktes Orchester zur Verfügung.

Strampfer schloss 1861/62 einen neuen Vertrag mit der Schauspielerin und Sängerin Josefine (Pepi) Gallmeyer ab, die bereits einige Jahre davor in Temeswar aufgetreten war. Maria Pechtold schreibt darüber: „Der Gallmeyer ging es in Temeswar so schlecht, dass sie oft nach der Vorstellung ihr Stoffkleid auswusch, um es am nächsten Abend wieder auf der Bühne tragen zu können. Sie wohnte in einer elenden Hütte, deren Tür bei heftigem Schneefall so weit eingeschneit war, dass sie beim Fenster aus- und eingehen musste. Trotz der ärmlichen Verhältnisse, die sich durch die Geburt eines außerehelichen Kindes noch verschlechterten, konnte sich ihr Talent auf der Temeswarer Bühne entfalten und zur Blüte kommen.“

Für die Zeitspanne 1860-1867 übernimmt Ludwig Kleer die Stelle des Kapellmeisters am deutschen Theater in Temeswar. Dieser gründete 1862 den Männergesangverein und eröffnete ein Musik- und Gesanginstitut. Im Jahre 1863 zählte der Verein bereits 70 aktive und 600 unterstützende Mitglieder.

Kapellmeister Ludwig Kleer spielte eine wichtige Rolle in der Etablierung der Banater Metropole als eine Theater- und Opernstadt. So setzte er sich 1866 für die Einstudierung und Aufführung von Wagners Oper „Tannhäuser“ ein. Dafür wurde der Opernchor mit Mitgliedern des Männergesangvereins verstärkt und im Orchester spielten auch Amateurmusiker mit.

Ab der Spielzeit 1862/63 übernahm Eduard Reimann (1833-1898) die Leitung des Temeswarer Operntheaters. Dessen Vorgänger Strampfer übernahm 1862 das Theater an der Wien auf sechs Jahre in Pacht und verließ nun Temeswar für immer. Reimann war zuvor Schauspieler und Regisseur in Lemberg, Sankt Petersburg, Riga, Weimar, Frankfurt am Main und in Hamburg sowie Mitdirektor am Troppauer städtischen Theater und brachte somit Erfahrung und Routine mit. In den Sommermonaten gab er mit seiner Gesellschaft Gastspiele in Hermannstadt, Betschkerek und Szegedin.

In seinen Memoiren nennt Kapellmeister Otto Kitzler (1834 Dresden – 1915 Graz) – ein Lehrer Anton Bruckners – das Jahr 1863 für den Aufenthalt in Temeswar und Hermannstadt und bietet uns darin einen kurzen Einblick in die Kulturszene dieser beiden Städte zu jener Zeit: „Im September 1863 verließ ich Linz und nahm ein Engagement in Temesvar an. Das Theater hatte einen guten Ruf. Künstler wie Sonnenthal, die Gallmeyer hatten dort ihre Laufbahn begonnen. Die Stadt hatte dazumal eine überwiegend deutsche, intelligente Bevölkerung. Die Spielzeit war ganzjährig, weil man im Sommer in Hermannstadt Vorstellungen gab. Die Reise dahin erforderte freilich damals eine ununterbrochene 36-stündige Postfahrt unter teilweiser Begleitung von einem Piket beschützender Gendarmen. (…) Mein Nachfolger in Temesvar, sowie 3 ½ Jahre später in Brünn, wurde der nachmalige Hofkapellmeister J. R. Fuchs (...)“

Am 26. September 1871 wurde der Grundstein des neuen Temeswarer Theaters gelegt, das von den beiden Wiener Architekten Helmer und Fellner im italienischen Renaissancestil errichtet wurde. Als Kaiser und König Franz Josef I. im Jahre 1872 Temeswar besuchte, erteilte er der Theater-Redoute-und-Hotel AG die Bewilligung, das Theater nach seinem Namen zu nennen. Die dazu gehörende Redoute, in welcher viele Konzert- und Opernvorstellungen stattfinden werden, wird später nach dem Kronprinzen Rudolf benannt. Die Eröffnung des Temeswarer Franz-Josef-Theaters fand am 25. September 1875 statt. Damals wurde ein Festmarsch gespielt – dabei könnte es sich um den „Fest-Marsch“, op. 110, Heinrich Weidts handeln, den er noch als Kapellmeister der Temeswarer Oper und als Dirigent des Philharmonischen Vereins geschrieben hat. Anschließend wurde die Oper „Robert der Teufel“ von Meyerbeer aufgeführt.

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