Kapellmeister Heinrich Weidt im Banat (IV)

Große Erfolge als Operetten- und Opernkomponist in Temeswar

Samstag, 16. Januar 2016

Ankündigung der Premiere der Operette Weidts „Die Verlobung im Weinkeller“ am deutschen Theater in Pest (Budapest)

Ankündigung der Aufführung von Weidts Oper „Adelma“ (Troppau 1874)

Heinrich Weidt arbeitete in seiner Temeswarer Zeit an der neuen Operette „Herzog von Entraques“ (1869), an einer neuen Fassung der Operette „Verlobung im Weinkeller“ (1871) sowie an der Oper „Adelma“ nach einem französischen Libretto (1873). Zur Eröffnung der Theatersaison 1871-72 schrieb er eine Festouvertüre, die einen großen Erfolg erleben durfte. Die Premiere der Oper „Adelma“ vom 2. Januar 1873 wurde auch in der „Temesvarer Zeitung“ Ende 1872 angekündigt: „Herr Weidt hat eine Unzahl von Liedern und einige Operetten geschrieben, die auch im Ausland verdiente Anerkennung gefunden haben. Die erste größere Oper des verdienstvollen Kompositeurs ist aber unseres Wissens die Adelma, welche Donnerstag Abends im städtischen Theater zum Benefice des Kompositeurs, zum ersten Male zur Aufführung kam.“

Auch das Leipziger Blatt „Signale für die musikalische Welt“ brachte 1871 die Nachricht, dass Heinrich Weidt bald eine eigene Oper auf der Temeswarer Bühne dirigieren wird: „Herr Heinrich Weidt ist aufs neue als Operncapellmeister in der königlichen Freistadt Temesvár angestellt und beabsichtigt nun im October seine romantische Oper ‘Adelma’ zur Aufführung zu bringen.“ Im selben Blatt wurden auch Weidts „Sechs Lieder für eine tiefe Stimme mit Pianofortebegleitung“, op. 79, präsentiert. Auch die „Neue Zeitschrift für Musik“, Leipzig, stellte Weidts neue Lieder op. 57 und 59 im Jahre 1861 ihren Lesern vor.

Nach der Premiere brachte am 4. Januar 1873 das gleiche Blatt einen umfangreichen Bericht: „Man muß es der Stadt Temesvar zum Ruhme nachsagen, daß in derselben, trotz ihrer verhältnissmäßig räumlichen Unbedeutendheit, ein weit regeres geistiges Leben vorherrscht, als in vielen anderen Städten von größerer Ausdehnung und weit zahlreicherer Bevölkerung. Als Beleg für diese Behauptung brauchen wir blos die Thatsache anzuführen, daß hier in einer Stadt von nicht über 32.000 Einwohner drei Tageblätter edirt werden, neben welche sich noch einige Wochenschriften erhalten. (…)

Die erste größere Oper des verdienstvollen Kompositeurs ist aber unseres Wissens die Adelma, welche Donnerstag Abends im städtischen Theater zum Benefice des Kompositeurs, zum ersten Male zur Aufführung kam. (…) Das Libretto ist nicht besser und nicht schlechter als es die meisten Operntexte sind, die bekanntlich das Privilegium haben, daß an dieselben kein strenger kritischer Maßstab gelegt werden darf, doch hat der Dichter desselben auch manches Verdienst um wirkungsvolle Situationen und sind es namentlich die Aktschlüsse, welche dem Kompositeur Gelegenheit gaben, wahrhaft glänzende Finales anzubringen.“

Am 13. Januar 1873 wurde diese große romantische Oper nochmals im Temeswarer Stadttheater aufgeführt. In Pest hat man 1863, also zehn Jahre davor, seine beiden Operetten „Was ist Liebe“ (Libretto von Morländer) und 1865 „Die Empörung im Harem“ (Libretto L. Schnitzler) aufgeführt.

Heinrich Weidts Kompositionen waren bereits in der Zeit als Temeswarer Kapellmeister weit verbreitet. Selbst in Prag führte man seine Lenau-Vertonung „Postillon“ im Rahmen eines Konzertes auf, wie die „Deutsche Zeitung“ in Wien berichtet hat.

Nach Reimann bewarb sich Karl Stelzer (1870/71-1873/74) um die freigewordene Direktorenstelle der deutschen Bühne in Temeswar. Stelzer, vormals Regisseur am Temeswarer Theater, ließ das Gebäude mit einem Kostenaufwand von 2500 Gulden renovieren und eröffnete am 15. September 1870 seine Vorstellungen in einem frisch tapezierten und prachtvoll ausgestatteten Saal.

Auch nach dem Weggang Weidts aus Temeswar wurden seine Kompositionen weiterhin aufgeführt. Laut dem „Jahresbericht des Philharmonischen Vereines in Temesvár über dessen Wirken im Jahre 1875“ wurde am 17. Juni 1875 bei der Sommerliedertafel in der bürgerliche Schießstätte der Temeswarer Josefstadt neben Chören von Thern und Engelsberg auch der Männerchor mit Posthornsolo „Der Postillon“ von Heinrich Weidt aufgeführt. Weidt wird mit seiner ganzen Familie nach Troppau / Opava umziehen, wo er als städtischer Kapellmeister einige Jahre tätig sein wird. Doch ins Banat wird er bald wieder zurückkehren…

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