Kapital an Vertrauen und Hoffnung soll auch in Zukunft erhalten bleiben

ADZ-Gespräch mit Klaus Sifft, Geschäftsführer der Saxonia-Stiftung

Mittwoch, 21. Juni 2017

Klaus-Harald Sifft in seinem Büro der Saxonia-Stiftung
Foto: Hans Butmaloiu

Anfang Mai feierte die Saxonia-Stiftung in Rosenau/Râşnov, die seit Anfang der 90er Jahre Tausende bedürftige Siebenbürger Sachsen unterstützt und Kleinunternehmen durch Kredite hilft, ihr 25-jähriges Jubiläum. Soziale Fürsorge, stabile Wirtschaft und sichere Zukunft – das sind die Ziele der Stiftung, die mit Engagement und Enthusiasmus seit einem Vierteljahrhundert verfolgt werden. Der Erfolg der „Saxonia“ ist auch der Geschäftsführung zu verdanken. Klaus-Harald Sifft, der seit 2014 die Stiftung leitet, hat zum Anlass des Jubiläums mit der ADZ-Redakteurin Elise Wilk ein Gespräch über die Herausforderungen seines Amtes, die neuen und alten Projekte und die Zukunftspläne der Saxonia geführt.

Herr Sifft, seit über drei Jahren sind Sie Geschäftsführer der Saxonia-Stiftung. Welches war die bisher größte Herausforderung Ihres Amtes?

Die größte Herausforderung meines Amtes war, die Tätigkeit der Stiftungen so weiterzuführen, dass der Geschäftsführerwechsel darauf keine negative Einwirkung hat. Von Anfang an war mir klar, dass die Erwartungen mir gegenüber groß waren. Deshalb habe ich mein Bestes gegeben, um alle drei Institutionen – die Saxonia-Stiftung, die Saxonia-Transilvania Stiftung und die Faber Consult Saxonia GmbH – zu erhalten und weiterzuführen.

Welche Projekte laufen im Moment bei der Stiftung?

Zurzeit ist die Hauptbeschäftigung der Saxonia-Stiftung die Betreuung der Bedürftigen, die unserer Minderheit angehören. Dies schaffen wir nur durch die enge Zusammenarbeit mit dem Sozialwerk der Siebenbürger Sachsen aus München e.V., dem Bundesministerium des Innern in Deutschland sowie den privaten Spendern, die uns unermüdlich zur Seite stehen. Ein weiteres Projekt ist das der Lehrerförderung. Hier sind wir nun im dritten Jahr der Abwicklung dieser Förderung von Seiten der Bundesregierung. Die Auswirkungen haben ein positives Echo aus den Reihen der Lehrer und Erzieher gebracht. Wir haben auch hier viele Dankesbriefe erhalten, die wir an unsere Förderer weiterleiten.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag bei der Stiftung aus?

Das hängt natürlich davon ab, was man unter „normal“ versteht. Ein gesetzlicher normaler Arbeitstag dauert 8 Stunden. Ich komme aus dem privaten Bereich, und da ist ein Arbeitstag zu Ende, wenn man das vorgesetzte Ziel für den Tag erreicht hat. Diese Arbeitsweise habe ich auch in den Stiftungen und der GmbH angewendet. Man arbeitet im gesetzlichen Rahmen und die Überstunden – manchmal nicht wenige – werden mit freien Tagen kompensiert. Das Programm beginnt um 7 Uhr. Das habe ich noch von meinem Vorgänger geerbt und nach einer Absprache mit den Angestellten wurde diese Uhrzeit beibehalten. Programmschluss ist um 15 Uhr. Es passiert aber sehr oft, fast täglich, dass der letzte Angestellte gegen 18 Uhr die Stiftung verlässt. Dies ist möglich, da ich nicht Wert darauf lege, dass sämtliche Angestellten um 7 Uhr antreten. Jeder weiß genau, was er zu tun hat, wann er anfangen und wann er aufhören muss. Ich mag keine Angestellten, denen man dauernd sagen muss, was zu tun ist. Die letzte Person geht eigentlich um 21 Uhr. Dies ist die Angestellte der Pension, die die Rezeption betreut. Sie beginnt ihre Arbeitszeit um 17 Uhr.

Bei der 25-jährigen Jubiläumsfeier der Saxonia am 6. Mai in Rosenau meinten Sie: „Wenn man unter Berücksichtigung der vielen Ereignisse in den letzten Jahren Bilanz zieht, dann ist die Stiftung, auch wenn nicht alle Ziele erreicht und nicht jedes Projekt erfolgreich war, unter dem Strich zweifellos eine Erfolgsgeschichte”. Können Sie ein Ziel nennen, das nicht erreicht wurde? Weshalb geschah das?

Hier habe ich an Projekte der Wirtschaftshilfe gedacht. Leider sind nicht alle Kreditnehmer erfolgreich. Auch aus der Vergangenheit hörte ich, dass es solche Projekte gegeben hat. Dies ist aber völlig normal. Die dauernd wechselnde Gesetzgebung macht es einem kleinen Unternehmern kaum möglich, für die Zukunft zu planen. Seitdem ich das Amt des Geschäftsführers übernommen habe, gab es zwei Fälle, in denen die Kleinunternehmer ihren Kredit nicht zurückzahlen konnten. Ich werde aber hier keine Namen nennen.

Welches in den letzten Jahren geförderte Projekt war besonders erfolgreich?

Die Wirtschaftsprojekte der Familie Klingeis aus Freck haben mich am meisten beeindruckt. In dieser Großfamilie ziehen alle Mitglieder am gleichen Strang. Jeder hat seine eigene Firma, alle mit verschiedenem Tätigkeitsbereich. Ich konnte hier erleben, wie eine Firma aus dem Nichts – einer grünen Wiese – entstand. Was mich noch an ihnen beeindruckt hat war, dass sie aus Deutschland heimgekehrt sind und von ihrem Erfolg hier felsenfest überzeugt waren. Meiner Meinung nach haben sie es auch geschafft. Es geht ihnen hier sichtlich besser als in Deutschland und wie Herr Klingeis Senior immer sagt: „Wir sind in der Heimat.“

Inzwischen hat die „Saxonia“ nicht mehr ausschließlich karitative Aufgaben. Trotzdem pflegt sie diese Tradition weiter und betreut Bedürftige aus den Reihen der deutschen Minderheit. Wie vielen Bedürftigen hilft die Stiftung im Jahr 2017?

Laut den eingegangenen Bedürftigenlisten werden in diesem Jahr etwas weniger Bedürftige sein als im Vorjahr. Die genauen Zahlen kann ich Ihnen noch nicht nennen, da noch nicht alle Listen bei uns eingegangen sind. Im vorigen Jahr hatten wir 1661 Personen auf den Listen, davon wurden 783 Personen vom BMI betreut und der Rest vom Sozialwerk der Siebenbürger Sachsen aus München e.V., über welches auch Lebensmittelpakete vermittelt werden. Solche werden uns auch vom Lions Club in Ansbach jährlich zur Verfügung gestellt. Der Lions Club Hamburg spendet jährlich Geldmittel für Bedürftige und Medikamente.

Unsere langjährige Spenderin Frau Margret Däuwel hat leider beschlossen, das Patenschaften-Programm nach dem Tod ihres Mannes abzuschließen. Dennoch hat sie uns Geldmittel für eine Weiterführung der Patenschaften bis 2020 überwiesen. Dieses Geld wurde auf Wunsch des Verstorbenen an Stelle von Blumen von den Trauernden gewünscht. Dieses selbstlose Handeln verpflichtet uns, der Familie Däuwel jedes Mal unseren Dank und unsere Anerkennung auszusprechen. Von der Kirchenstiftung St. Englmar erhalten wir mehrmals jährlich Sachmittelspenden wie Kleider, Schuhe, Krankenhausbetten, Fahrräder usw.
Die „Neue Kronstädter Zeitung“ schickt uns auch jedes Jahr Geldhilfen, die wir an die bedürftigen Kronstädter zu Ostern und Weihnachten verteilen.
Das Sozialwerk der Siebenbürger Sachsen aus Salzburg spendet uns jährlich Gartengeräte für unsere Altenheime und Kirchengemeinden.

Welche Bedingungen muss ein Kleinunternehmer erfüllen, um von der Saxonia unterstützt zu werden? Mit welchen Summen werden die Projekte gefördert?

In erster Linie muss er eine rumänische Rechtsperson sein mit rumänischem Stammkapital. Er kann Einzelunternehmer oder eine GmbH sein. Dann kann er einen Antrag für eine Förderung bei der Stiftung einreichen. Die Fördersummen sind zwischen 5000 Euro und 35.000 Euro. Der Projekthöchstbetrag darf 80.000 Euro nicht überschreiten. Die Rückzahlung erfolgt in fünf Jahren, monatlich oder pro Trimester, in gleichen Raten ohne Zinsen. Die Bearbeitungsgebühr beträgt 5 Prozent der Fördersumme. Der Kredit muss mit einer Immobilie, die im Besitz einer Privatperson ist, garantiert werden, und diese muss den Kreditwert um 20 Prozent überschreiten. Eine Abzahlung der Förderung im Voraus ist möglich.

Durch das Projekt der Saxonia-Stiftung „Förderung von Lehrkräften im deutschsprachigen Schulwesen Rumäniens“ können Lehrkräfte finanziell gefördert werden, die an einer staatlichen deutschsprachigen Schule oder an einem staatlichen Kindergarten aus Rumänien in deutscher Sprache unterrichten. Wie viele Lehrer konnten im letzten Jahr gefördert werden?

Im letzten Jahr wurden im ersten Semester 676 Lehrer und 212 Erzieher gefördert. Im zweiten Semester waren es 681 Lehrer und 220 Erzieher.

Neben dem sozialen und wirtschaftlichen Einsatz wirkt die „Saxonia“ mit der Pension in Rosenau auch auf touristischer Ebene. Wie läuft dieses Projekt?

Die Pension läuft zurzeit kostendeckend. Dies ist für jeden Pensionsbetreiber der wichtigste Punkt, welcher existenzentscheidend ist. Die Pension der Saxonia wurde für die Siebenbürger Sachsen gebaut, die entweder auf Besuch in der Heimat sind oder Rosenau und die Umgebung von Kronstadt besuchen. Die gleiche Entfernung zu den wichtigsten Bergmassiven wie Königstein, Butschetsch oder Schuler, den Einkaufsmöglichkeiten und Freizeitanlagen von Kronstadt, den umliegenden Kirchenburgen, machen die Pension der Stiftung zu einem begehrten Ziel vieler Touristen aus dem In- und Ausland. Die niedrigen Preise und der hauseigene Parkplatz im Hof wirken auch entscheidend auf die Auswahl der Touristen ein. Dennoch muss ich sagen, dass der Hauptteil unserer Gäste aus der Hauptstadt kommen.

Was wünschen Sie der Saxonia für die Zukunft?

Ich wünsche der Saxonia-Stiftung, dass dieses Kapital an Vertrauen und Hoffnung auch in Zukunft erhalten bleibt, sodass wir mit allen Partnern in Siebenbürgen wie auch in Deutschland unseren durch die Satzungen der Stiftungen vorgegebenen Aufgaben gerecht werden können.

Herr Sifft, wir danken Ihnen für das Gespräch!

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