Karansebesch: Keine Zellulosefabrik mehr

Mittwoch, 04. Februar 2015

Reschitza – Seit einer der reichsten rumänischen Politiker, der Ex-Wirtschaftsminister und ehemalige Oberbürgermeister von Bukarest, Adriean Videanu (PDL), in der causa der ehemaligen Chefin der Polizeidienststelle zur Terrorismusbekämpfung und zur Bekämpfung des Organisierten Verbrechens DIICOT, Alina Bica, in Untersuchungshaft sitzt, mehren sich im Banater Bergland die Medienspekulationen bezüglich reeller oder angedachter Investitionen des smarten Unternehmers Videanu in Karasch-Severin.

Einerseits ist Adriean Videanu seit Beginn der 1990er Jahre einer der Mehrheitseigner der Firma Titan Mar SA, die den Marmorsteinbruch von Ruskitza/Ruschiţa ausbeutet und die Marmorblöcke in Simeria verarbeitet, neben den Steinbrüchen im Măcin-Gebirge in der Dobrudscha, das größte und profitabelste Werk für Zierstein Rumäniens. Impliziert in den „Fall Bica“ hat sich Videanu, als er versucht hat, die oberste DIICOT-Chefin zu überzeugen, die Beschlagnahmung seiner wertvollen 80 Aktien an Titan Mar SA durch DIICOT rückgängig zu machen, was ihm die Anschuldigung der Antikorruptionsstaatsanwaltschaft DNA einbrachte, Komplize der Übertretung der Dienstbefugnisse der DIICOT-Chefin geworden zu sein.

Dadurch, dass Videanu nun in U-Haft geraten ist, sieht man im Banater Bergland das weitere Funktionieren des Marmorsteinbruchs von Ruskitza gefährdet – wofür es aber keine konkreten wirtschaftlichen Anhaltspunkte gibt. Viel unwahrscheinlicher wird allerdings, aus dem selben Grund der Inhaftierung Videanus, die Realisierung eines Projekts, dass der PDL-Bonze damals noch mit seinem Duzfreund, dem zwischendurch zur PNL übergetretenen Sorin Frunzăverde, in dessen Eigenschaft als Kreisratsvorsitzender von Karasch-Severin, besprochen hatte: der Bau der „größten Zellulose- und Papierfabrik Südosteuropas“ in Karansebesch.

Die ziemlich bombastische Einschätzung wurde Ende 2013 in Umlauf gesetzt, als die damalige delegierte Ministerin für Gewässer, Forste und Fischzucht im Banater Bergland weilte. Diese sprach von 300 direkten „und mehreren tausend Arbeitsplätzen auf der Horizontalen“, die durch Videanus Investition am Rande von Karansebesch, in der Gegend Şesul Roşu, der ehemaligen Hutweide der Stadt, entstehen sollten, wo in den 1990er Jahren noch eine Militäreinheit stand, die mit dem Nato-Beitritt Rumäniens aufgelöst wurde.

Videanu hatte die einführenden Verhandlungen mit Frunzăverde geführt, weil das Gelände dem Kreisrat gehört, dem es vom Verteidigungsministerium übereignet wurde. Inzwischen ist dort außer jeder Menge Unkraut und den Ruinen der Kasernen nichts.  Adrien Videanu gilt als einer der reichsten Politiker Rumäniens, mit einem geschätzten Vermögen von 60 Millionen Euro, die er, dank seines Amtes als Direktor des Marmorverarbeitungswerks in Simeria, seit 1990 angehäuft hat. Die Ämter des Wirtschaftsministers in der Regierung Emil Boc und des Oberbürgermeisters von Bukarest waren die höchsten, die er als PDL-Politiker erreichte. Er galt als eine von mehreren grauen Eminenzen der PDL und Leutnant des Vertrauens des späteren Präsidenten Traian Băsescu.

Kommentare zu diesem Artikel

Sraffa, 04.02 2015, 16:14
Zu glauben daß Videanu sich sein Vermögen "dank seines Amtes als Direktor des Marmorverarbeitungswerks in Simeria" erworben hat ist doch etwas sehr naiv; realitätsnah wäre die Aussage "im Rahmen seiner politischen Aktivitäten" gewesen. Kein anderer Politiker der letzten Jahre in Rumänien war stärker vernetzt in diverse Firmengeflechte mit hohem Auftragsvolumen vom Rumänischen Staat. Da wird noch einiges berichtet werden. Die Marmorverarbeitung im Banater Bergland wird dennoch weitergehen.

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