Karansebesch: NGO soll Krankenhaus retten

Ziel des Bürgermeisters: finanzielle Sanierung des Städtischen Krankenhauses

Samstag, 31. März 2018

Nachdem die Haushaltsinitiative des ehemaligen Bürgermeisters von Karansebesch und heutigen PNL-Senators Ion Marcel Vela gescheitert ist, für das Städtische Krankenhaus Karansebesch zu dessen finanzieller Sanierung im Haushaltsgesetz 2018 einen eigenen Posten unterzubringen, versucht sein Nachfolger, Felix Borcean (ebenfalls PNL), eine Kommunalpartnerschaft mit den Rathäusern des Versorgungsgebiets des Krankenhauses zu schmieden, damit eine solidarische Finanzierung zustande gebracht wird.
Bislang erweist sich aber seine Initiative als wirkungslos.

Sein Argument: Zwei Drittel der Patienten des Krankenhauses für Notfälle Karansebesch kommen aus einem Umfeld der Stadt von rund 50 km, finanziert wird das Krankenhaus aber ausschließlich von Karansebesch. Die logische Forderung: Auch die Gemeinden des Einzugsgebiets des Krankenhauses mögen zu seiner Finanzierung beitragen, „und wenn es auch nur eine symbolische Summe ist”. In seiner Initiative wird er vom Karansebescher Bischof Lucian Mic unterstützt, der all seine Priester im Betreuungsgebiet des Krankenhauses dazu mobilisiert hat.

Bürgermeister und Priester kamen auf Aufforderung von Felix Borcean tatsächlich im Festsaal des Karansebescher Rathauses zusammen. Nur: Herausgekommen ist nicht viel. Zusammengefasst gibt es dazu zwei Gründe. Der eine: Die Haushalte der Gemeinden im Umfeld von Karansebesch sind extrem ärmlich (ausgenommen der einer einzigen Gemeinde: Buchin), vor allem im laufenden, von den Bürgermeistern einvernehmlich als „Krisenjahr” bezeichneten 2018. Die Maßnahmen der PSD/ALDE-Regierung hätten die Gemeindesäckel leergefegt und man könne kaum das Lohngeld für die Rathausangestellten zusammenkratzen. Der andere: Von rechtlichem Standpunkt gäbe es keinerlei legale Möglichkeit, als Gemeinde eine Institution zu unterstützen, die nicht der Gemeinde gehört oder sich wenigstens auf deren Gebiet befindet. Das zumindest haben einige der Bürgermeister vorsorglich herausgefunden und sich bestätigen lassen.

Bürgermeister Borcean wandte sich mit stichhaltigen Argumenten an die anwesenden Bürgermeister und Pfarrer: Die einzige Möglichkeit, das städtische Krankenhaus Karansebesch funktionsfähig zu erhalten, bestehe in einem Zusammenschluss aller Nutznießer desselben und einer solidarischen Finanzierung aufgrund einer über Jahre ausgerechneten durchschnittlichen Auslastung des Krankenhauses per Gemeinde des Einzugsgebiets. Das Krankenhaus habe 7,7 Millionen Lei Schulden und werde demnächst funktionsunfähig, weil es niemand mehr auf Pump versorgen will.

Felix Borcean: „Ich schlage Ihnen vor, eine NGO zu gründen, an der wir alle beteiligt sind. Diese NGO wird von jeder Gemeinde anteilig finanziert, während die NGO das so gesammelte Geld ausschließlich ans Krankenhaus überweist. Vor drei Jahren, als diese Idee aufkam, nannte man das Projekt URGENT LIFE. Jedes Rathaus hat da einen Vertreter sitzen. Meiner Meinung nach geht es nicht ums wie, sondern OB jedes Rathaus sich implizieren möchte. Wege finden sich dann dazu.”
Auf die Frage, wieso er, wenn alles so klar sei, dann nicht gleich mit einem fertigen Projekt gekommen sei, das zu diskutieren es sich gelohnt hätte, blieb Borcean die Antwort schuldig. Auch auf die Frage nach einer strengen juristischen Überprüfung des Projekts und dem Einholen der Meinung des Rechnungshofs kam keine Antwort.

Die anwesenden 30 orthodoxen Gemeinde- und Dorfpfarrer, mit dem Bischofsvertreter Gabriel Gozman an der Spitze (er verantwortet im Bistum Karansebesch für Sozialarbeit) drückten ihre Überzeugung aus, dass sich Mittel und Wege finden lassen, das Krankenhaus finanziell zu retten. Als Beispiel für gute Verwaltung gaben die Pfarrer Gheorghe Coilă, den Bürgermeister von Buchin an. Der wieder machte ihnen einen ziemlich brutalen Strich durch die Rechnung: „Auch Buchin kann nicht mit dem Geld spielen, über das es verfügt. Aber ich kann gern das der Kirche zugedachte Geld zurückziehen und fürs Krankenhaus bereitstellen! Das Mittel für die wundersame Mehrung des Geldes kenne auch ich leider nicht.“

Mihaela Popovici, die frisch der PNL beigetretene Krankenhausmanagerin, lobte die Initiative, und kam mit ein paar zusätzlichen Erklärungen: Momentan werden 80 Prozent des Krankenhausbudgets für Löhne gebraucht. Daraus folgt: Der Schuldenberg steigt weiter an. Borcean verkündete, er werde allen Rathäusern des Einzugsgebiets des Krankenhauses einen offiziellen Brief zuschicken mit der Aufforderung zur Partnerschaft fürs Krankenhaus und „zur Gründung der rettenden NGO”. Laut Augenzeugenberichten verließ allerdings keiner der Bürgermeister das Rathaus Karansebesch mit einem besonders optimistischen Gesichtsausdruck...

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