Karansebescher Kaserne wird Papierfabrik

Aber alles steht noch unterm Fragezeichen

Mittwoch, 08. Mai 2013

Karansebesch - Die Kaserne des mit NATO-Beitritt Rumäniens vor zehn Jahren aufgegebenen motorisierten Infanterieregiments von Karansebesch soll zur größten Papierfabrik des Balkans umgebaut werden. Investor soll der Ex-Industrie- und Wirtschaftsminister und Ex-Oberbürgermeister von Bukarest sein, Adriean Videanu, einer der Spitzenleute der PDL und bislang als Unternehmer im Bereich der Marmor- und Natursteinbearbeitung bekannt geworden.

Dies kam auf der jüngsten Tagung des Kreisrats Karasch-Severin zutage, als das aus Karansebesch kommende Kreisratsmitglied Gheorghe Roşeţi Kreisratspräses Sorin Frunzăverde fragte, warum nicht dem zunehmenden Verfall der Bauten auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne entgegengewirkt wird, die vom Verteidigungsministerium im Augenblick der Auflösung des Regiments durch Regierungsbeschluss dem Kreisrat überantwortet wurde.
Frunzăverde täuschte erst Verwirrung vor, um dann aber mit dem herauszurücken, was er weiß: „Ich warte schon seit Längerem, dass sich Videanu entscheidet“, sagte er über seinen ehemaligen Parteigenossen, „der vorhatte, dort die größte Zellulose- und Papierfabrik des Balkans aufzubauen. Was Videanu letztendlich tun wird, weiß ich noch nicht, ich habe jetzt wirklich noch keine Antwort auf diese Frage. Aber: die Zellulose- und Papierfabrik wäre schon eine Investition von großer Tragweite, die genau das nutzen könnte, was dieser Verwaltungskreis im Überfluss hat: Holzabfall und Marmorstaub.“

Das 25 Hektar große Gelände im Flurteil „Şesul Roşu“, rechts von der Ausfahrt aus Karansebesch in Richtung Temeswar zwischen der E 70/DN 6 und dem linken Ufer der Temesch/Timiş gelegen, beherbergte bis in die 1990er Jahre über 2500 Militärs und war zuletzt im Dezember 1989 unrühmlich bekannt geworden, weil die Militäreinheit mit Panzern, Kampfwagen und Hubschraubern sowie ihrer gesamten Infanterie auf Temeswar zumarschierte, um den Aufstand vom 16. Dezember 1989 blutig niederzuschlagen, wie es Ceauşescu in seiner Eigenschaft als Oberkommendierender der Armee befohlen hatte.  Nach der Auflösung der Kaserne hatte die rumänisch-orthodoxe Kirche unter dem damaligen Karansebescher Bischof Dr. Laurenţiu Streza (derselbe, der heute in Hermannstadt/Sibiu als Metropolit Siebenbürgens residiert) mehrere der Kasernen in Form einer Übereignung angefordert, „um hier Alten- und Kinderheime“ einzurichten. Da das formell nicht ging (und die Kirche auf die seinerzeitige Medienfrage, mit welchem Geld sie dieses Mammutprojekt betreiben wolle, antwortete: „Mit dem Geld des rumänischen Staates!“) und da der Kreisrat der Forderung nur in Form einer kostenfreien Miete stattgeben konnte, verzichtete die orthodoxe Kirche schließlich auf die Erfüllung dieses Wunsches.

Seither ist die ehemalige Kaserne, die in den 1950er Jahren als Kaserne der Roten Besatzungsarmee gebaut wurde und als Gesamtbanater Stützpunkt im Kampf gegen die im Banater Bergland und in den Ausläufern der Südkarpaten operierenden antikommunistischen Partisanen, dem Verfall preisgegeben. Niemand weiß so recht, was er damit anfangen soll.

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