Karger Boden, Tourismus und Aussiedlung

Rückwanderung der Tschechischen Minderheit

Mittwoch, 27. August 2014

Im April fangen die ersten Touristen an, aus Tschechien nach Eibenthal zu reisen. Machen manche die Tour durch die tschechischen Dörfer sogar zu Fuß, mit dem Rucksack auf dem Rücken. Sie übernachten bei den Einwohnern.

Die UDSCR fördert das „Festival Banát“ und finanziert den Transport, Unterkunft und Verpflegung für alle Tschechen aus den Nachbardörfern, die am Tag der Traditionen (den 23. August) am Festival teilnehmen.

Eibenthal ist eine von sechs Gemeinden im südlichen Banat, die von ethnischen Tschechen bewohnt ist: Gârnic/ Weizenried, Eibenthal, Sankthelena/ Sfânta Elena, Schnellersruhe/ Bigar, Ravensca und Sumita. Davon hat Eibenthal heute die größte Einwohnerzahl: ungefähr 300 Bewohner. Seit fast 190 Jahren lebt diese Gemeinschaft in Rumänien, tief im Bergland an der Donau. „Es gibt noch einige Rumänen, die mit Tschechen verheiratet sind, aber diese haben auch letztendlich die tschechische Kultur angenommen“, erzählt Anna Caftan. Ihre ältere Tochter arbeitet in Tschechien. Sie und ihr Mann sind hier geblieben, um für eine betagte Verwandte zu sorgen.

Neuer Arbeitgeber: Reifenfabrik in Prag

„Die jungen Leute haben nichts, was sie zum Zurückkehren veranlassen könnte“, erzählt uns der Pfarrer von Eibenthal. Früher hat er auch in Weizenried, seinem Geburtsort, gepredigt und auch in Neumoldowa/ Moldova Noua, aber 1999 zog er nach Eibenthal, wo alle seine Sprache verstehen. Nach der täglichen Predigt um 20:00 Uhr, erzählt er uns im Garten der Katholischen Kirche die Geschichte der tschechischen Gemeinden aus dem Banat. 1826 wurden aus Tschechien, in zwei Etappen, Menschen ins Banat gebracht, um hier Waldarbeit zu verrichten. Der damalige Besitzer der Wälder an der Donau hat Arbeitskraft beantragt, denn die Gegend war vorher unbewohnt. Die Tschechen haben das Angebot angenommen, weil ihnen dadurch Vorteile zugesagt wurden: Fünf Hektar Land pro Person, Steuerfreiheit und keinen Militärdienst, sowie fünf Österreichisch-ungarische Gulden pro Monat für jede Familie. Nur das Geld haben sie davon erhalten, „alles andere waren nur Versprechen“, sagt der Pfarrer. Zurück konnten sie aber nicht mehr. Also sind sie hier geblieben. Fast 190 Jahre, bis heute.

Jetzt siedeln sie jedoch nach und nach zurück. Jetzt ist es einfacher. Nach der Wende fingen sie an, ein besseres Leben in Tschechien zu suchen. Die meisten, die weggezogen sind, arbeiten in Tschechien in einer Reifenfabrik namens Mitas, in Prag. So können sie sich und ihre Familien, die in Rumänien geblieben sind, versorgen. Denn Arbeit gibt es in Eibenthal kaum. Seit das Kohlebergwerk geschlossen wurde, haben die Menschen hier kaum noch Erwerbsmöglichkeiten. Der Boden ist für Landwirtschaft kaum geeignet, da es eine Bergwerk-Gegend ist. Die jungen Männer, die das karge Land eventuell hätten bearbeiten können, sind ohnehin alle weg nach Tschechien. Die wenigen Gemeindebewohner, die geblieben sind, leben vorwiegend vom Tourismus.

Erst monoindustriell, dann gar nichts

2006 folgte man auch hier den allgemeinen Trend und schloss das Bergwerk. Ganz frisch in Erinnerung war den Bewohnern damals eine Explosion in der Mine, die den Tod von zwei Personen verursacht hatte. Der Ortsvorsitzende der Demokratischen Union der Slowaken und Tschechen in Rumänien (UDSCR) und gleichzeitig Vizebürgermeister von Eibenthal, Emil Flašca, erinnert sich genau an den Tag: „Es war der 7. August, 17:45 Uhr, als die Explosion stattfand und danach, am 31. Dezember, wurde hier der Bergbau beendet; gleich nachdem meine Schicht zu Ende war“. Die Gemeinde, deren Existenz auf dem Bergbau beruhte, blieb danach ohne Arbeitsplätze. „Wir haben versucht, Investoren für die Mine zu finden, aber das Gesetz erlaubte keine neue Lizenz“, erklärt Flašca. Die Menschen haben es also vorgezogen, die damals für Entlassene vergebenen Abfindungen zu kassieren.

Unklare Zukunft trotz Tourismus-Initiative

Zwei Jahre nach der Schließung des Bergbaus trafen sich drei junge Männer in Eibenthal: Tiberiu Iosif Pospíšil, Štepán Slaný und Jan Duben. Sie fingen an, Pläne für die Zukunft zu schmieden. Seitdem haben sie nicht nur eine Tourismus-Initiative, die Tschechen nach Rumänien bringt, sondern auch eine Gaststätte, das U Medveda und seit 2011 sogar ein Musik-Festival, das „Festival Banát“. Dieses bringt jährlich ungefähr eintausend Menschen, die meisten Tschechen, nach Eibenthal.

Die meisten Bewohner sind Rentner und die jungen Leute ziehen weg. Daran ändert sich kaum etwas, wenn man bedenkt, dass in den Klassen 1 - 8 in der allgemeinbildenden Schule in Eibenthal nur noch 30 Kinder eingeschrieben sind. Tschechisch als Muttersprache wird hier eine Stunde pro Tag gelehrt, die restlichen Fächer werden auf Rumänisch vorgetragen. Ana Caftan findet das gut so, denn „in anderen Dörfern, wo alle Fächer auf Tschechisch gelehrt werden, können die meisten Kinder fast gar kein Rumänisch“. Die Lehrerin wird vom tschechischen Staat bezahlt und bleibt hier für drei Jahre. Danach übernimmt ein anderer Pädagoge diese Stelle. Der tschechische Staat unterstützt nicht nur die Bildung, sondern auch die Infrastruktur: Hauptstraße und Telefon-Leitung wurden ebenfalls aus Tschechien finanziert. Trotz Tourismus-Initiativen und Unterstützung aus dem Ausland, sprühen Pfarrer und Vizebürgermeister kaum vor Optimismus. Wenn gefragt, wie sie die Zukunft der Gemeinde sehen, zucken sie mit den Schultern und haben keine Antwort.

 

Kommentare zu diesem Artikel

František, 22.01 2015, 20:20
Warum schreiben Sie denn nicht vom stärksten "deutschen Bezug" Eibenthals? 1943 stellte Eibenthal im Zuge der großen Mobilmachung 45 SS-Freiwillige. Alles "lupenreine Tschechen", die erst in der Adolf Hitler Kaserne in Prag soviel Deutsch erlernten, dass sie die deutschen Befehle ihrer militärischen Vorgesetzten überhaupt verstanden haben. Dieses Anwerbekunststück brachte ein beiderer Deutschlehrer aus Glogowatz im Arader Land zustande, Ein gewisser Herr Vormittag, der eine junge Tschechin aus Eibenthal ehelichte und mit ihr eine Tochter zeugte. Diese Tochter lebt auch heute noch in Orschowa. Von "Rassismus" zeugt so ein Verhalten ja gerade nicht. Und das auf keiner Seite ...

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*