Karriere: Mit Mutti auf Jobsuche

Absolventen wollen in einen Großkonzern

Mittwoch, 19. Juli 2017

Auch über das Kindesalter hinaus, sind Mütter an der Seite ihrer Kinder.

Im multinationalen versprechen sich Jugendliche Sicherheit und Karriereaufstieg.
Symbolfotos: Zoltán Pázmány

Das Elternhaus bestimmt oft den beruflichen Werdegang des Jugendlichen in Rumänien und ein Job in einem multinationalen Unternehmen ziehen die meisten Bürger Rumäniens bis zum Alter von 21 Jahren vor. Dies geht aus einer Studie der Rumänienniederlassung des internationalen Finanz-Beraters, Ernst & Young hervor. Bei der Wahl ihres ersten Arbeitsplatzes vertrauen Jugendliche vor allem Empfehlungen von anderen Arbeitsnehmern einer gewissen Firma. Knapp dahinter dann der Ratschlag der Mutter, gefolgt vom Karriereberater und dem HR-Fachmann des Unternehmens, heißt es laut Mediafax in der Studie.

Weiterbildungschancen und die Perspektive zum beruflichen Aufstieg waren bei 94 Prozent der Befragten das Hauptargument, um die eine oder andere Firma als ersten Arbeitsgeber zu wählen. Ganze 94 Prozent der sogenannten Generation Z – Jugendliche unter 21 Jahren - waren dieser Meinung. Stabilität im Unternehmen war für 80 Prozent ein Argument, sich langfristig an ein Unternehmen zu binden. Ebenfalls 80 Prozent waren auch der Meinung, dass ein guter Ausgleich zwischen Beruf und Privatleben wichtig sei, genauso wie eine offene und transparente Kommunikation - dies weitere Angaben aus dem Fragebogen. Dazu: Lehrkräfte befinden sich in Rumänien erst auf Platz sieben, was das Vertrauen in diese als Berufsberater betrifft. Im weltweiten Vergleich liegen die Lehrer durchschnittlich auf dem dritten Platz. „Um Vertrauen zu erwerben, muss eine besondere Beziehung zwischen Schülern/Studenten und Professoren vorhanden sein, d.h. Professoren sollten nicht nur Lerninhalte liefern, sondern die Schüler/Studenten in ihrem Werdegang betreuen. Leider reicht nicht immer die Zeit dafür“, vermutet die deutschsprachige Lektorin an der Temeswarer Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der West-Universität, Cristina Circa. „Es ist ein gesamter Komplex an Faktoren, die den Status des Lehrers eingeschränkt haben. Die Autorität des Lehrers hat einen Knacks erhalten und deshalb ist seine Position als Mentor verloren gegangen", sagt seinerseits der Temeswarer Wirtschaftsanalytiker Nicolae Țăran.

Die Studie von Ernst & Young Rumänien zeigt auch, dass das Fehlen einer starken Führungsperson im Unternehmen dazu führen kann, dass das Vertrauen in den rumänischen Arbeitgeber verloren geht. Dies gilt in Rumänien als einer der entscheidenden Faktoren. Auf internationaler Ebene hingegen ist eine korrekte Leistungsvergütung das entscheidendere Element. Ein gesunkenes Vertrauen in das Unternehmen würde die Wahrscheinlichkeit heben, dass der Arbeitnehmer bei erster Gelegenheit seinen Arbeitsplatz wechselt. Diese radikale Maßnahme ist mit 75 Prozent die weitaus größte Auswirklung auf ein gesunkenes Vertrauen im Unternehmen – noch vor einer Beschränkung des Arbeitsaufwandes auf ein Minimal zulässiges Niveau. So weiter Daten der EY-Studie.

Die Studie ergibt auch noch, dass vier von zehn Bürgern Rumäniens bis zum 21. Lebensjahr es vorziehen, in einem multinationalen Unternehmen einen Arbeitsplatz zu erhalten. Dass viele ihren beruflichen Werdegang in einem multinationalen Unternehmen suchen ist auch damit verbunden, dass sie so den vielseitigen Risiken entgehen, die als Selbständige auf sie zukommen, so Nicolae Țăran. Ebenfalls laut Fragebogen wollen nahezu zwei Drittel in einem privaten Unternehmen tätig sein, während einer von fünf sich für ein privates Unterfangen entscheidet. Nur zwölf Prozent haben einen Arbeitsplatz im öffentlichen Dienst im Visier. Dieser Prozentsatz käme daher, dass viele Jugendliche an den beruflichen Aufstieg im Unternehmen glauben und Führungsqualitäten unter Beweis stellen sowie Verantwortung übernehmen möchten. „Nur das eine Fünftel gilt jedoch meines Erachtens nach zu den wirklichen Teamleadern. Wer ein eigenes Unternehmen aufbaut, zeigt so richtig Unternehmergeist“, sagt eine Frau, die selbständig ein kleines Büro führt, doch aus beruflichen Gründen nicht genannt werden kann. Die Hochschullehrerin Cristina Circa meint: “Ich glaube nicht, dass den Rumänen eine starke Hand fehlt, es sind eher die Modelle, die fehlen”.

"Die Tatsache, dass die Meinung der Mutter stark zählt ist die natürliche Folge der Tatsache, dass die meisten Jugendlichen unter 21 immer noch mit den Eltern zusammenleben, oder wenigstens von den Eltern finanziell abhängig sind. Der Mangel an Selbständigkeit in diesem Alter ist eine Frage der Kultur/Tradition in Rumänien", glaubt Lektorin Cristina Circa.


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