Katalysator diakonischer Arbeit

Fogarascher Gemeindeverband fördert Zusammenhalt der Kirchenglieder

Montag, 02. Mai 2016

Die ehemalige deutsche Schule in Bekokten, gelegen neben der Kirchenburg, wurde nach deren Rückgabe renoviert und kann als Vorzeigestück dienen.

Evangelische Kirche und Pfarrhaus (links) von Fogarasch befinden sich im unmittelbaren Stadtzentrum.

Pfarrer Dr. Johannes Klein legt überall Hand an, wenn es um die Lösung der täglichen Probleme geht. Dafür benötigt es auch die lockere Kleidung und nicht den Taler der Gottesdienste oder Anzug wie bei den Vorlesungen an der Hochschule.
Foto: Dieter Drotleff

Bald sind es 20 Jahre, seitdem Pfarrer Dr. Johannes Klein die Kirchengemeinde Fogarasch und Diasporagemeinden aus dem Umfeld  seelsorgerisch betreut. In der Zwischenzeit ist deren Zahl auf neun gestiegen. Nur die Stadt Fogarasch ist als eigenständige Kirchengemeinde  mit 288 Seelen eingestuft. Die anderen acht Diasporagemeinden umfassen gegenwärtig nur noch sehr wenige Kirchenglieder: Schirkanyen 22, Bekokten 12, Scharosch 9, Seligstadt 5, Rohrbach 11, Leblang 25, Seiburg 52 und Felmern 11. Insgesamt sind es 435 Personen, die in der Evidenz des Kronstädter Evangelischen Bezirkskonsistoriums A.B. am Jahresende erfasst wurden. Zu der Feier der jeden Sonntag stattfindenden  Gottesdienste in Fogarasch werden immer auch Kirchenglieder aus den Diasporagemeinden gebracht. In diesen hält Pfarrer Johannes Klein nur gelegentlich Gottesdienste, zu denen Kirchenglieder aus dem jeweiligen Umfeld angefahren werden.

Aber außer den Gottesdiensten fallen die anderen Kasualien an,  die Probleme des baulichen Zustandes der Gottes- und Pfarrhäuser und der Rückgabe des ehemaligen Eigentums, die Zeit und Einsatzbereitschaft in Anspruch nehmen. Der vor Jahren auf Initiative von Pfarrer Johannes Klein gegründete   Gemeindeverband, der sich erweitert hat und dem sich nun auch die anderen drei Diasporagemeinden anschließen, die in letzter Zeit in seinen Zuständigkeitsbereich kamen, führte dazu, dass gemeinsame Verantwortung für alle Bereiche in den jeweiligen Kirchengemeinden getragen wird. Diesbezüglich betonte Bischof Reinhart Guib in einem uns Anfang dieses Jahres gewährten Interview (KR Nr. 8/25. Februar 2016) „Um diese (Diasporagemeinden A.d.R.) besser und näher an der Basis zu betreuen und die Bezirkskonsistorien zu entlasten, haben wir die Gemeinden zur Gründung  von Gemeindeverbänden angeregt, die sich regional zusammenschließen und wie eine eigenständige  Gemeinde agieren. Inzwischen gibt es fünf solcher Gemeindeverbände, zu denen jeweils  eine eigenständige größere Gemeinde und 4 – 10 kleine Diasporagemeinden hinzugehören“. Dr. Johannes Klein  bezeichnet den Fogarascher Gemeindeverband als Katalysator diakonischer Arbeit, da dieser sich auch für ambulatorische Altenpflege, Essen auf Rädern, Nachmittagsprogramm  für das Lösen der Hausaufgaben von Schülern und  Mutter-Kind-Gruppen einsetzt.

Der Gemeindeverband ist eine offene Institution, wobei die Verwaltung durch das Presbyterium der Fogarascher Kirchengemeinde vorgenommen wird. Die Diasporagemeinden  haben jeweils Ansprechpersonen oder einen Gemeinderat. Einmal jährlich setzen sich die Vertreter aller zum Gemeindeverband dazugehörenden Gemeinden zusammen,  wobei die Beschlüsse gefasst werden. Jede Gemeinde besitzt das Vetorecht, und falls sie mit einem der Beschlüsse nicht einverstanden ist, kann dieser nicht angenommen werden. Kommt man zu keiner Einigung, wendet man sich an das Bezirkskonsistorium, um das Problem zu schlichten. In den Jahressitzungen  wird über Haushalt, Ziele, Verkauf von Eigentum, wirtschaftliche Tätigkeiten, Eigentum  beraten und werden Beschlüsse angenommen.

Jede Gemeinde verfügt über die eigene Übersicht sämtlicher Probleme. Der Gemeindeverband ist wie ein Topf  mit mehreren Untergliederungen. Gewinne erzielt die jeweilige Gemeinde  beispielswei-se in der Stadt durch das Vermieten von Häusern, in den Dörfern durch Verpachten von eigenem Boden oder Vermieten von Pfarrhäusern wie in Schirkanyen oder Scharosch. Die vorgenommenen Ausgaben beziehen sich vor allem auf juristische Beratungen für die Rückgabe ehemaligen Eigentums oder für soziale Aktivitäten. Kann eine Kirchengemeinde die Kosten nicht alleine tragen, wird laut Genehmigung aus dem gemeinsamen Topf geschöpft. Deshalb sind Eigeneinnahmen von großer Bedeutung.

Bezüglich dem baulichen Zustand von Kirchen und Pfarrhäusern stehen die Dinge unterschiedlich von Ort zu Ort. In Bekokten und Seligstadt sind die Dinge einigermaßen in Ordnung, wie Pfarrer Johannes Klein betont. In Seligstadt und Rohrbach wird auf EU-Projekte gehofft. In Seligstadt und Bekokten wurden die zurückerstatteten Schulgebäude renoviert und sind Vorzeigebauten.  In Rohrbach  sind hingegen Schule und Pfarrhaus Ruinen. Ebenfalls auch die Schule in Felmern. Ebenfalls in Felmern  ist die Kirche gefährdet, doch wurde sie von der Landeskirche in ein eigenes Projekt  aufgenommen. Seit 1953 gibt es einen Sprung an dem Turm. Das Pfarrhaus  wurde dem Verein Renascendis vermietet, der von Radu Bârlă und  Alina Pătru geleitet wird. Diese machen hier interessante Forschungen, führen am Haus auch kleinere Reparaturen auf eigene Kosten durch. Dabei entdeckten sie beispielsweise  mehrere alte Zeitungen und eine kupferne Schale, die sie restaurieren ließen. Die Kirchen von Seligstadt und Rohrbach wurden in das Projekt der 19.  Kirchenrestaurierungen aufgenommen. „Man kommt manchmal an den Rand der Kräfte“ betont Pfarrer Johannes Klein, doch macht er alles gerne und beklagt sich nicht. Unterstützung findet er bei den freiwilligen Helfern in den Gemeinden.

In Fogarasch baut er auf eine sehr gute Mannschaft. Jeden Sonntag trifft er sich nach dem Gottesdienst mit Kurator Friedrich Brandstetter und den Mitgliedern des Presbyteriums, um bei einem Schnaps oder Kaffee die aktuellen Probleme zu besprechen.  Auch wurde die Zahl der Angestellten aufgestockt, so dass jeder Bereich gut abgesteckt ist. Für Installationen und Instandhaltung der Autos ist Wilhelm Montsch verantwortlich,  Iulia Nedelcu ist die Managerin für den Jugend- und Kinderbereich, Doris Flueraş als Sekretärin im Pfarramt nimmt viele Aufgaben ab, Marinela Bârghişan  hilft als Altenpflegerin, Johann Kessler setzt sich als Fahrer ein, dann sind es die Mitarbeiter im Jugendbegegnungszentrum von Seligstadt und der Kinderakademie in Bekokten, mehrere Sozialassistentinnen, die in dem zurück erstatteten Kindergartengebäude  Mutter-Kind-Hilfe bieten. Die Kinder bekommen Hilfe beim Lösen der Hausaufgaben und erhalten auch eine Mahlzeit. Nicht zu vergessen die seit Jahren entsendeten ifa-Kulturmanager  aus Deutschland oder die unermüdliche Musikerin Christiane Neuberth, die längst in ganz Siebenbürgen bekannt ist. Heuer wird das jährlich stattfindende Gemeindefest für die Fogarascher Diaspora am 13. und 14. August stattfinden, und wird von der Heimatortsgemeinschaft Bekokten in Deutschland in der Heimatgemeinde ausgerichtet.

Auch will man nicht abseits bei den bevorstehenden Lokalwahlen in der Stadt stehen. Die Zusammenarbeit zwischen Kirche und Forum läuft gut und wird von Pfarrer Klein als Neuaufbruch  bezeichnet. Auf gemeinsamen Beschluss hin stellt man sich mit eigener Liste für die Wahl für den Stadtrat. Auf der Liste führt der Vorsitzende des Ortsforums Norbert Stengel an. Die weiteren Kandidaten  sind Bruno Ercău, Christiane Neuberth, Johannes Klein, Iulia Nedelcu, Johann Kessler, Ramona Konnerth, Friedrich Brandstetter, Nicoleta Hedea u.a. Die endgültige Auflistung stand noch  im Gespräch. Doch ist der Beschluss gefasst worden, als Bürgermeister den unabhängigen Kandidaten Gheorghe Sucaciu zu unterstützen, der sich als bisheriger Bürgermeister der Gemeinde Drăguş landesweit einen guten Namen erworben hat. Man hofft, im zukünftigen Stadtrat mindestens einen Vertreter des Ortsforums zu haben. Die hiesige deutsche Gemeinschaft erfreut sich eines guten Rufes in Fogarasch, auch durch die Unterstützung, die immer wieder mittels der Kirche und ausländischer Spender dem städtischen Krankenhaus geboten wird.

Trotz  der zahlreichen geistlichen, sozialen und wirtschaftlichen Probleme, um die sich Pfarrer Dr. Johannes Klein in der Fogarascher Diaspora einsetzen muss, findet er noch die Zeit, gemeinsam mit seiner Gattin Dr. Renate Klein an zwei Wochentagen an der „Lucian Blaga“ Universität von Hermannstadt Theologie zu unterrichten. Als Privatdozent an der Universität Bern muss er einmal jährlich an dieser präsent sein. Dabei lernt er selbst noch sehr viel, wie er betont, da er die Theologie für seine Vorlesungen erneut durchkauen muss. Der Fogarascher Gemeindeverband hat Schule unter seinesgleichen gemacht. Er bietet Hoffnung und Vertrauen für dessen Mitglieder, die darin eine Stütze in allen Problemen, auch in  Notsituationen finden.

Kommentare zu diesem Artikel

Anne, 03.05 2016, 15:40
Die ADZ wird vom Demokratischen Forum der Deutschen in Rumänien herausgegeben (sprich: finanziert). Die HZ, glaube ich, auch. So sehen unabhängige Medien nicht aus. Der Staat müsste diese Lücke schliessen, damit die Minderheiten auch Zugang zu objektiver und kritischer Berichterstattung haben. Wer kann denn seinen 'Arbeitgeber' kritisieren?
Reinhardt, 02.05 2016, 21:59
Die ADZ schreit das, was der Kontrolleur (DFDR-EKR-Koalition) zuläßt. Ich traue Herrn Klein auch mehr zu.
Anne, 02.05 2016, 19:04
Herr Klein hat wahrlich einen besser geschriebenen Artikel verdient. Es ist teilweise schwer zu verstehen, was Herr Drotleff kommunizieren möchte. Ist das die Abschrift eines Protokolls? Der beste Lacher: 'der Taler der Gottesdienste'. (= Talar :-))
Gerhard, 02.05 2016, 16:00
Schöner Bericht mit einigen sprachlichen Unebenheiten und Holprigkeiten. Pfr Klein ist zu seiner Tätigkeit zu gratulieren. Die ADZ sollte besseres Deutsch schreiben.
mfG
Gerh. Fleischer, Winterthur

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