Kein Geld für Marila

Gewerkschaftschef: „Es fehlt der politische Wille zur Rettung“

Freitag, 06. September 2013

Auf der jüngsten Tagung der Kommission für Sozialen Dialog der Präfektur Karasch-Severin kam neuerlich die Frage der Sanierung des TBC-Sanatoriums Marila bei Orawitza ins Gespräch. Das Thema schlug der Direktor für Öffentliche Gesundheit, DSP Karasch-Severin, Dr. Dragoş Luca, an. Er verkündete gleich zu Beginn das Ergebnis seiner Nachfragen in Bukarest beim Gesundheitsministerium: Die Behörden haben kein Geld für die Generalreparatur dieses Großkrankenhauses; eine Rettung verspricht man sich bloß von einer nationalen Kraftanstrengung – oder von internationalen Geldern. In erster Linie hielt Dr. Luca aber einen Kurzvortrag über die Tuberkulose heute. Diese gelte in der medizinischen Welt längst nicht mehr als „Krankheit der Not, der Armut und der Arbeiterschaft“. Heute werde London – wahrlich keine notleidende und arme Stadt – als Zentrum der TBC betrachtet, während in einschlägigen Kreisen in Rumänien die Europäische Kulturhauptstadt 2007, Hermannstadt/Sibiu, als eines der Tuberkulosezentren gilt. Heute gelten die städtischen Ballungszentren als TBC-Brutstätten und, so gesehen, weise das Banater Bergland einen gewissen Vorteil auf. Trotzdem war die in der Zwischenkriegszeit gefallene Entscheidung des Baus des Lungensanatoriums Marila in den Aninaer Bergen die richtige Entscheidung – damals auch mit der Doppelrolle eines, bei Bedarf, Kriegsversehrtenspitals.

Orawitza – zu klein für ein Großkrankenhaus

Nur: „Das Gesundheitsministerium hat für 2013 eine Million Lei genehmigt. Damit sind drei Abteilungen des Krankenhauses renoviert worden, jene für chronisch Kranke und die beiden für TBC. Das heißt leider noch lange nicht, dass das Problem dieses Spitals damit gelöst ist. Wie man weiß, sind die Krankenhäuser dezentralisiert, praktisch den Kommunen unterstellt worden. Damit haben wir, als Bukarester Gesundheitsministerium und Gesundheitsdirektion DSP des Verwaltungskreises, praktisch keine Möglichkeit mehr, direkt einzugreifen – es sei denn, irgendwann wird die Entscheidung getroffen, das strategische Krankenhaus Marila dem Gesundheitsministerium direkt unterzuordnen. Nur dann wird das Gesundheitsministerium auf direktem Weg Gelder investieren können, denn wir hätten es mit einem Krankenhaus von regionalem oder nationalem Interesse zu tun. Der indirekte Weg, über die Gesundheitsdirektion oder das kleine Krankenhaus in Orawitza, ist kaum begehbar.“

Marila als Regionalkrankenhaus

Im Moment, wo das Lungensanatorium Marila dem Krankenhaus Orawitza, also dem Kommunalrat Orawitza unterstellt ist, gibt es keinerlei realistische Chancen auf eine – absolut notwendige –  Generalüberholung. Dessen muss man sich bewusst sein, wenn die gegenwärtige Struktur und Sendung des Krankenhauses beibehalten werden soll – wie es eigentlich auch das Ministerium wünscht. Dr. Luca: „Aber dort in Marila sind wirklich großzügige Räumlichkeiten vorhanden, vor allem, wenn wir überlegen, dass gegenwärtig TBC in Rumänien im Abwärtstrend liegt. Nur: So etwas kann in zwei Jahren schon wieder ganz anders sein, wie die Langzeitbeobachtung der Entwicklung dieser Krankheit uns warnt. Aber nach dem gegenwärtigen Stand zu urteilen, könnten die großzügigen Räumlichkeiten für die verschiednesten öffentlich-privaten Nutzungen zur Verfügung gestellt werden, sofern der Kommunalrat Orawitza oder das Gesundheitsministerium dies wirklich wünschen.

Allerdings, und damit sich niemand Illusionen macht: Im Moment gibt es von keiner Seite irgendwelche Anfragen in dieser Richtung. Die Idee bleibt jedoch eine großzügige, zumal der Ort, wo das Krankenhaus steht, mit großem Bedacht ausgewählt wurde, weil es einer der Orte Rumäniens ist mit der größten Aufladung an negativen Ionen, grundsätzlich schon etwas sehr Seltenes. Marila und Herkulesbad sind im ganzen Banat und in Siebenbürgen bis hinauf in die Marmarosch/Maramureş die beiden Orte mit der höchsten gesundheitsfördernden Aufladung mit negativen Ionen. Deshalb wäre es in meinen Augen bereits ein großer Sieg, wenn es gelingen würde, einmal den Kommunalrat Orawitza, die Präfektur, DSP, den Kreisrat und das Gesundheitsministerium – und, warum nicht, auch andere Ministerien, etwa das Arbeitsministerium – mit offenen und beschlussfähigen Menschen an einen Tisch zu bringen. Das Gebäude und seine Umgebung würden es hinreichend verdienen, ihrer Bestimmung gemäß genutzt zu werden!“

Aus Marila wieder Marila machen

Der Chef des Gewerkschaftsbunds BNS Karasch-Severin, Nicolae Drăgan, der immer sehr aktiv, manchmal allerdings zu laut, an den Tagungen der Kommission für Sozialen Dialog teilnimmt, verwies auf die große Rolle der Krankenhäuser als „einige der größten Arbeitgeber dieses Raums“. Die Krankenhäuser Orawitza, Neumoldowa, Ferdinandsberg hätten jeweils um die 230 Arbeitnehmer. „Wenn Marila saniert wäre, könnten hier 300-360 Arbeitnehmer tätig sein, gegenüber einem einzigen Arzt und einem Dutzend Pfleger, wie es heute der Fall ist“, sagte Drăgan. „Auch mit einem guten Krankenhaus kann eine 10.000-Einwohner-Stadt wie Orawitza auferstehen. Ich glaube aber immer fester daran, dass auf den höheren Entscheidungsebenen der politische und administrative Wille zu so etwas fehlt. Die wollen es ganz einfach nicht anders, als hier bloß zwei Abteilungen am Leben zu lassen, TBC und chronisch Kranke, um die Gelder in andere Richtungen, an andere Krankenhäuser, zu lenken. Aus Marila wieder das Marila von einst zu machen, das will eigentlich in Bukarest keiner. Davon bin ich immer fester überzeugt, nachdem wir hier jedes Jahr dasselbe mit denselben Resultaten diskutieren.“

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