Keine Aussöhnung mit Frunzăverde

Băsescu denkt nicht daran, die Zerstörung „seiner“ PDL zu verzeihen

Samstag, 12. März 2016

Bokschan – Einen weiteren Blitzbesuch (allem Anschein nach auf Staatskosten) wird Ex-Präsident Traian Băsescu in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der „Volksbewegung“ MP am 2. April Reschitza abstatten. Er gab dies in Bokschan am „Tag der 40 orthodoxen Märtyrer“ bekannt, zu deren Ehren er bei der Ankunft ein großes Glas Schnaps in einem Zug leerte, „wie es sich gehört“. In Bokschan/Bocşa nahm er öffentlich Bürgermeister Eugen Cismăneanţu („mein lieber Eugen“) und sechs Ratsherren der Stadt in die MP auf, die mit ihrem Bürgermeister ihre bisherige Partei PNL verrieten („und ich habe auf meiner MP-Aufnahmeliste noch hunderte ehemals der PDL angehörende Bürgermeister“, behauptete er). Auf der zwischen Empfang mit Brot, Salz und Schnaps im Rathaus und Bad in der 300-Personen-Menge im Kulturhaus gehaltenen Pressekonferenz erklärte er, kein Interesse zu haben, auch seine Stütze zu PDL-Zeiten, Sorin Frunz²verde, in der MP zu haben.

B²sescu wurde schon immer nachgesagt, äußerst rachsüchtig zu sein und nie „persönliche Beleidigungen“ zu verzeihen, mehr noch: wenn er Personen erwischt, die er für Verräter an seiner Person hält, sie umgehend fertigzumachen. Auch jetzt war kein Abweichen davon zu bemerken: er erklärte, persönlich keine politischen Ziele mehr zu verfolgen, „Ausnahme eines: die MP so stark zu machen, wie es bis zum Verrat von Frunzăverde die PDL war!“  Und er fügte hinzu: „Ich glaube kaum, dass der sich wünscht, in die „Volksbewegung“ zu kommen. Der soll ruhig neben dem Ghiţă Falcă (Gheorghe Falcă ist amtierender Bürgermeister von Arad und eine andere ehemalige Pupille von Băsescu – Anm. wk) bleiben, einem der Verfechter der Fusion (von PDL und PNL – Anm. wk)“. Wie viel Vergnügen und Genugtuung ihm gegenwärtig das Taumeln und Rumtasten, die Unentschlossenheiten und das Fettnapfplantschen der aktuellen PNL bereiten, verbarg Băsescu, von Kopf bis Fuß ein Egomane, Manipulator und Demagoge, kein bisschen: „So geht´s, wenn einschneidende Maßnahmen ohne die Konsultation der Mitglieder beschlossen werden! Mit mir wäre so etwas nie passiert.“

Damit verschweigt er, was ein ganzes Land wusste: dass die PDL zu Zeiten flötenging, als er deren Schattenvorsitzender war, der ihren offiziellen Vorsitzenden, Premierminister Emil Boc, wie ein Marionettenspieler manipulierte. Damals tat die PDL keinen Muckser, ohne dass vorher die Zustimmung Băsescus dazu eingeholt wurde. Dass Frunzăverde von Băsescus Favoritenliste gestrichen und auf seine Abschussliste versetzt wurde, das weiß man seit Februar 2012, als Frunzăverde mit seinem Übertritt zur PNL und dem Verrat an der PDL deren Rückzug aus der Regierung und die ersten Zeichen ihres Auseinanderdriftens auslöste, was bald zur Fusion der Restbestände mit der PNL führen sollte. Frunzăverde, der nach dem jüngsten Beschluss des Verfassungsgerichts und der Entscheidung, dass von Geheimdienstoffizieren des SRI Abgehörtes nicht mehr als Belastungsmaterial vor Gericht gelten darf, beste Chancen auf eine Revision seines Urteils und, mit geschickten Advokaten, gar auf Freispruch im „Präsidentschaftsprozess“ hat, verweigerte jedwede Äußerung zu Băsescus Besuch im Banater Bergland. Auch auf die Frage, ob er sich bei dessen Reschitzabesuch Anfang April mit dem Ex-Präsidenten und seinem ehemaligen PDL-Chef treffen werde, antwortete er nicht.

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