„Keine geflickte Stadt“

Bürgermeister warnt vor unkoordinierten Grabungsarbeiten in Reschitza

Donnerstag, 27. März 2014

Man muss die Kirche im Dorf lassen: Bürgermeister Mihai Stepanescu hat sich stets bemüht, die Schäden an Bürgersteigen und Fahrwegen nach Tiefbaueingriffen möglichst gering zu halten und immer alle an Reparaturen und Neuanlagen Interessierten und/oder dabei Implizierten – und damit gutes Geld Verdienenden – zum Dialog eingeladen, um nicht unnötig frisch gegossenen Asphalt aufreißen und dann neu gießen zu müssen – was er, gar nicht zu unrecht, als „Flickarbeit“ bezeichnet.
Und er hat auch mit unermüdlicher Sturheit das Beispiel Herbst 2012 parat, als er mindestens dreimal alle irgendwie Interessierten/Implizierten zu Gesprächen ins Rathaus einlud, um ihre nächsten Absichten zu erfahren und ihnen Gelegenheit zur gegenseitigen Koordinierung ihrer Arbeiten mittels direktem Dialog zu geben, bevor er den Startschuss gibt, die Libertăţii-Straße zwischen dem ehemaligen Gebäude der Post und dem Alten Universalkaufhaus zu asphaltieren. Das sollte der Abschluss des umfangreichen ersten Reschitzaer Siedlungswasserprojekts sein, allgemein als „ISPA 1“ bezeichnet.
Erst als niemand mehr einwandte, dass er in diesem Straßenabschnitt noch was an Aushub- oder Aufreißarbeiten vorhabe, hatte er Grünlicht zum Asphaltieren gegeben. Drei Wochen später ließ E-on Gas die Straße aufreißen und asphaltierte sie anschließend auf eigene Kosten. Die Folge: Man sieht es (und spürt es auch beim Drüberfahren). Und Stepanescu hat seine „geflickte Stadt“ auch im neu asphaltierten Abschnitt.

Da in diesem Jahr die Siedlungswasserarbeiten in den Vororten von Reschitza beginnen („ISPA 2“), hat der Bürgermeister neuerlich alle irgendwie Betroffenen an einen Runden Tisch geladen, um sich auszutauschen und untereinander Termine abzustimmen, damit nicht zum Zwecke des Vergrabens von Rohren und Leitungen im selben Abschnitt einer Straße mehrmals nacheinander alles aufgerissen und anschließend wieder halbwegs bürgerfreundlich zugeschüttet und geglättet werden muss. Oder, in der Ausdrucksweise des zu solchen Gästen des Rathauses (wie Bauunternehmer) nicht immer diplomatischen Reschitzaer Bürgermeisters: „Ich will keine geflickte Stadt mehr haben!“.
Da jetzt bereits feststeht, dass wahrscheinlich Abschnitte des Muncii-Boulevards, der Republicii- und A.I.Cuza-Boulevards, der „Făgăraşului- und Progresului-Straße, die alle in den vergangenen zwei Jahren neu asphaltiert wurden, wieder aufgerissen werden müssen, um Trinkwasserleitungen zu vergraben, gibt Stepanescu ein Alarmsignal. Ein erster versöhnlicher Ton kam daraufhin von Aquacaraş, als Betreiber der Siedlungswasserwirtschaft auch der Hauptnutznießer und der Koordinator der Siedlungswasserarbeiten. Man habe die Ausbaupläne bereits umarbeiten lassen, sagte der Aquacaraş-Vertreter, sodass nur noch ein Minimum an Straßenunterquerungen und fast keine längsspurigen Aufreißarbeiten an Straßen und Bürgersteigen durchzuführen sein werden, weil „höchstens Gehsteige, vor allem aber Grünflächen aufgegraben werden“.

Stepanescu konterte daraufhin prompt: „Auf meinem Arbeitstisch liegen aber auffallend viele Gesuche zum Aufreißen von Straßen, die in jüngster Zeit erst asphaltiert wurden, weil dort jetzt erst die Zufuhr- und Abflussleitungen der Siedlungswasserwirtschaft ausgewechselt werden oder welche gelegt werden sollen. Dem habe ich mich widersetzt, nicht ohne aber unzählige Mal Argumente für die Aufreißwut zu fordern. Und ich fordere, bei der Durchführung von ISPA 2 jetzt keine Schlampereien mehr zu dulden, sondern methodisch und umsichtig vorzugehen, um wiederholte Erdaushubarbeiten in den selben Abschnitten zu vermeiden. Und immer zu argumentieren, warum Zerstörungen von durchgeführten Arbeiten unbedingt nötig sind. Nicht zuletzt will ich schriftliche Garantien, dass einmal Aufgerissenes und dann Geflicktes nicht kurzfristig wieder zerstört werden muss.“
Stepanescu hat im Stadtrat, als Reaktion und Ergebnis der Erfahrungen mit ISPA 1, „Regeln der Erdaushubarbeiten auf dem Stadtgebiet von Reschitza“ absegnen lassen, die u. a. heftige finanzielle Sanktionen für Zuwiderhandelnde vorsehen. Das bringt vorläufig der Stadt zwar eher Prozesse als Geld (weil es zum Nationalsport geworden ist, Strafzahlungsverpflichtungen gerichtlich zu beanstanden – auch in Reschitza oft mit Erfolg). Deshalb bot Stepanescu Aquacaraş, als Auftraggeber von ISPA 2, sowie dem Gewinnerunternehmen der Ausschreibung an, sich als „Stimme der Bürger“ zu implizieren und mit darüber zu wachen, dass die Arbeiten umsichtig und in vielseitiger Abstimmung sowie qualitativ tadellos durchgeführt werden: „Das Schlimmste, was uns erfahrungsgemäß passiert, sind schlampig ausgeführte Arbeiten, wo wegen notdürftig kaschierter Fehler – auf die uns in der Regel die Bürger und Anwohner aufmerksam machen – wieder alles aufgerissen und neu gemacht werden muss, wie das bei den Verträgen mit Drittfirmen oft geschieht. Und wir haben bei ISPA 2 viele solche Verträge...“. Ihn interessiere Qualität und die Einhaltung der Termine, betonte Stepanescu, er und die Stadt möchten dabei behilflich sein, das durchzusetzen.

Nach wie vor beschäftigt Stepanescu der fehlende Kooperationswille der Betroffenen: „Als wir das Straßennetz 2012-2013 erneuert haben, hat die Stadt im Vorfeld alle möglichen Interessenten schriftlich gefragt, ob sie mittelfristig im Bereich jener Straßen etwas zu unternehmen vorhaben. Und wenn ja, haben wir sie gebeten, die geplanten Arbeiten vorzuziehen und das vor dem Asphaltieren zu tun. Es kam keine einzige Rückmeldung, auch auf meine persönlichen telefonischen Nachfragen nicht. Deshalb sind wir davon ausgegangen, dass wir eine gründliche und dauerhafte Arbeit durchführen können – um gleich anschließend, aber auch heute immer wieder, allerlei Überraschungen zu erleben. Es ist ja ein Glück, dass es gelungen ist, zusätzliche europäische Gelder auch für die Vororte an Land zu ziehen, das steht außer Frage. Aber bitte: Arbeitet diesmal mit mehr Vor-, Rück- und Umsicht! Auch – ja sogar weil – es nicht rückzahlpflichtige EU-Finanzierungen sind, sollte das Geld nicht nonchalant zum Fenster hinausgeschmissen werden.“

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