Keiner will das Nachfolgerisiko

Wer wird das Erbe Sorin Frunzăverdes antreten?

Mittwoch, 20. Januar 2016

Reschitza - Das am vergangenen Freitag gegen Sorin Frunzăverde ausgesprochene Urteil des Kreisgerichts Karasch-Severin in Reschitza hat die PNL in ein tiefes Dilemma gestürzt. Neben einer zweijährigen Freiheitsstrafe auf Bewährung und einer vierjährigen Bewährungsfrist ist dem langjährigen Spitzenpolitiker des Banater Berglands – er war mehrmals Minister und Abgeordneter, zudem Europaparlamentarier und Vizepräsident der PDL und PNL, aber auch lange Jahre Präsident des Kreisrats Karasch-Severin – auch verboten worden, fünf Jahre lang (ernannt oder gewählt) Staatsämter zu bekleiden.

Damit dürfte Frunzăverde wohl endgültig aus dem Politikgeschehen entfernt worden sein. Viele meinen, das wäre der Hauptgrund des Prozesses gegen ihn gewesen, zumal die Anklage in vieler Hinsicht an den Haaren herbeigezogen schien. Fakt bleibt, dass die noch amtierende Doppelspitze der neuen PNL im Banater Bergland, der Karansebescher Bürgermeister und PNL-Vizepräsident der Landesorganisation, Ion Marcel Vela, sowie die Abgeordnete und Vizepräsidentin des Rechtsausschusses der Abgeordnetenkammer, Valeria Schelean, vor ein Dilemma gestellt sind, aus dem sie – ohne es bisher zuzugeben – anscheinend noch keinen Ausweg wissen: wer wird anstatt des bisherigen sicheren Postens und Zugpferds Frunzăverde für die Spitze des Kreisrats Karasch-Severin antreten (müssen)?

In ihrer Partei herrscht die Meinung vor, dass dies einer der beiden tun müsste, was keinem von ihnen in den Kram zu passen scheint, denn beide sind sich, als Kandidaten für das Rathaus Karansebesch bzw. fürs Abgeordnetenhaus, ihrer Wahl sicher, nicht aber einer Wahl im Kreisrat, wo die Seilschaften Frunz²verdes wohl schwerlich in so kurzer Zeit wie die fünf-sechs Monate bis zu den Kommunalwahlen auf einen der beiden Notkandidaten umgepolt werden können. Andrerseits wird das Dilemma der beiden verstärkt durch die Tatsache, dass im Falle eines Verzichts auf die Kandidatur für einen ihrer als sicher gehandelten Posten diese gar nicht mehr so sicher bei der PNL bleiben würden.

In Karansebesch hat beispielsweise bereits der seit 2004 in der größten Gemeinde des Banater Berglands, Teregova, als Bürgermeister amtierende Romulus Damian (PSD) seine Kandidatur angemeldet und auch verkündet, in einer ersten Umfrage liege er „nur“ 16 Prozent hinter Langzeitbürgermeister Ion Marcel Vela (PNL). Einstweilen haben alle Seiten das Urteil Frunz²verdes vor dem Berufungsgericht in Temeswar angegriffen: der DNA-Staatsanwalt, weil er auf eine Gefängnisstrafe besteht, der Anwalt Frunzăverdes, weil er auf Freispruch pocht. Dieser Tage kommt wohl das endgültige Urteil aus Temeswar.  Darauf hat die PNL nicht gewartet. Sie erklärte auf einer Pressekonferenz in Reschitza durch die Abgeordnete Valeria Schelean, nach einigem Zögern, dass Frunzăverde durch das Urteil von Reschitza auch von der PNL suspendiert sei, weil die PNL-Satzungen das so vorschreiben. Frunz²verde selber aber meinte halb in Ernst, halb ironisch: „Grundsätzlich spricht nach dem Urteil auf Bewährung nichts dagegen, dass ich meinen Posten als Präsident des Kreisrats, zu dem ich durch demokratische Wahl gelangt bin, wieder einnehme...“ Das wird aber wohl in erster Linie seine Krebsbehandlung nicht zulassen. Nur: er ist deswegen immer noch im Krankenurlaub und kann als Kreisratspräsident aus diesem Grund nicht abgesetzt werden.

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