Keiner will das Stahlwerk

Kommende Woche wird „Mechel Steel“ zum letzten Mal versteigert

Donnerstag, 07. Januar 2016

Ferdinandsberg - Der Verkauf des Stahl- und Walzwerks „Mechel“ aus Ferdinandsberg/Oţelu Roşu an den serbischen staatlichen Stahlkonzern „Zelezara“ aus Semendria/Smederevo (die „Banater Zeitung“ berichtete von den Verhandlungen) ist geplatzt. Die Serben nutzten eine Vertragsklausel zum Zurückziehen der Anzahlung und gaben bekannt, dass sie wegen Preis und Umweltauflagen kein Interesse mehr am Werk im Bistra-Tal haben. Die RVA Insolvency Specialists, die im Auftrag der russischen Besitzer von Invest Nikarom den Verkauf abwickeln soll, hat angekündigt, dass sie einen letzten Versteigerungsversuch am 12. Januar startet. Dass sie nicht nur einen Käufer, sondern regelrecht einen Finanzier sucht, klingt mit im Kommuniqué der RVA Incolvency Specialists, in dem von der Suche nach einem „Investor“ die Rede ist. Die Invest Nikarom, die nach Rückzug des „Mechel“-Konzerns aus Rumänien eher durch Zufall und weil die Hauptgesellschafter Russen sind, in den Besitz des Stahl- und Walzwerks im Bistra-Tal gelangt sind, haben bloß den Verkauf, nie ein Betreiben der Werke anvisiert.

Und den Investor braucht, wer das Stahl- und Walzwerk unter den Bedingungen der Respektierung der Umweltauflagen wieder in Betrieb setzen möchte. Alt ist die Dreckschleuder eigentlich nicht, doch die Italiener von Ductil Steel, die in den 1990er Jahren dessen letzte Neuausstattung finanziert haben, bevor sie weiterverkauft haben an die Russen von „Mechel“, haben in alles Mögliche investiert, nur in den Umweltschutz nicht. So kommt es, dass das „Mechel“-Stahlwerk von Ferdinandsberg immer noch bei der Agentur für Umweltschutz in Reschitza/Reşiţa als größter Umweltverschmutzer des Banater Berglands geführt wird. Aber auch, dass der Staat, im Rahmen seines eingeschränkten Mitspracherechts bei Großverkäufen, auf die Pflicht der Einhaltung der Umweltschutzbestimmungen pocht. Was schließlich eine Respektierung der Verpflichtungen beim EU-Beitritt Rumäniens ist. Der Preis des Stahl- und Walzwerks im Bistra-Tal ist Anfang Dezember, bei der letzten Versteigerung, auf 25 Millionen Euro (mehrwertsteuerbereinigt) festgeschrieben worden. Darunter, so sowohl RVA Insolvency Specialists als auch Invest Nikarom Rumänien, bestehe kein Spielraum mehr zum Feilschen. Am 12. Januar 2016, kommenden Dienstag, ist dies der Startpreis für die Versteigerung.

Man geht allerdings bereits davon aus, dass sich auch in der kommenden Woche kein Käufer einstellen wird, der ernsthaft an diesem Stahl- und Walzwerk interessiert ist. Deshalb hat die von Invest Nikarom beauftragte Firma bereits durchblicken lassen, dass sie sich im Namen des Versteigerungsausschusses an die Gläubigerversammlung wenden wird, um dieser eine neue Verkaufsstrategie vorzuschlagen. Man will künftig eher auf die ausgedehnten Grundstücke setzen, die Mechel Steel gehören, und auf die drei (Klein-) Wasserkraftwerke (Ferdinands-berg, Glimboca und Măru), die Förderungen einbringen könnten. Fakt ist, dass 2016, im 220. Jahr seit der Gründung der Eisenwerke von Ferdinandsberg, kaum Aussichten auf eine Wiederaufnahme der eisen- und stahlverarbeitenden Tätigkeiten am Mittellauf der Bistra bestehen.

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