„Kenntnisse gefragter denn je“

7. Schauwerkstatt der Wandergesellen bietet bis zum 30 August Einblicke in traditionelles Handwerk

Dienstag, 23. Juli 2013

Organisatoren und Unterstützer freuen sich auf sechs Wochen Handwerk zum Anfassen (v. l. Kilian Dörr, Ioana Urdea, Judith Urban, Anda Ghazawi, Tischlerin Kirsten, Zimmerer Fiete, Steinmetzin Kyrilla, Andreas Apelt).

Compagnons und Wandergesellen arbeiten gemeinsam unter dem Zimmermannsturm. Fotos: Holger Wermke

Hermannstadt - Entlang der historischen Stadtmauer in der Harteneckgasse/Str. Cetăţii wird seit Ende vergangener Woche wieder gehämmert, gesägt und gehobelt. Zum siebten Mal wurde hier am Freitagabend eine Schauwerkstatt reisender Handwerksgesellen eröffnet. Im Beisein von Unterstützern, Freunden und neugierigen Passanten luden die Gesellen alle Interessierten ein, „sich ein Stück in unsere Welt entführen lassen“, wie es Tischlerin Kirsten formulierte.

Bis zum 30. August werden die jungen Handwerker aus Frankreich, Belgien, Österreich, der Schweiz und Deutschland in Hermannstadt/Sibiu bleiben. Ihre Wohnstätte ist die im Jahr 2002 wiederbelebte Gesellenherberge im Sagturm am Huetplatz/Piaţa Huet. Betreut wird diese vom „Verein zum Erhalt der Gesellenherberge in Hermannstadt und zur Förderung europäischer Handwerkstraditionen“. Dessen Vorsitzender Edmund Chmarsky rechnet damit, dass in den kommenden Wochen wie in den Vorjahren insgesamt zwischen 30 und 40 Gesellen am Projekt teilnehmen werden. Bislang seien 19 Compagnons und Wandergesellen angekommen, berichtete Chmarsky. Darunter sind Schmiede, Zimmerer, Steinmetze, Tischler und eine Buchbinderin.

Diese sind in der Regel täglich von Montag bis Freitag zwischen 10 und 17 Uhr und Samstag von 10 bis 15 Uhr in der Schauwerkstatt anzutreffen. Seite an Seite mit den Gesellen arbeiten in diesem Jahr erstmals Studenten der in Hermannstadt/Sibiu ansässigen Zweigstelle der Architekturfakultät der Bukarester „Ion Mincu“-Universität. Diese werden laut Kirsten zwei Wochen in verschiedene Handwerksberufe „reinschnuppern“. Wer sich als Besucher näher mit der Tradition der Walz bzw. der Compagnonnage beschäftigen möchte, kann dies bei einem Besuch der Fotoausstellung im Wehrgang zwischen Zimmermanns- und Töpferturm tun. Außerdem finden wieder jeden Donnerstag ab 20 Uhr Informationsabende mit Vorträgen und Filmen vor der Gesellenherberge statt.

Die Gesellenherberge ist in diesem Jahr ein Schwerpunkt der Arbeiten. Dort wolle man einen Ofen errichten, Fenster erneuern sowie das Büro renovieren. Außerdem sind der Bau eines „siebenbürgischen“ Hoftores und eines Treppengeländer für die im vergangenen Jahr errichtete Steintreppe im Hof des evangelischen Stadtpfarramtes geplant sowie die Reparatur zweier Kirchturmuhren in Hammersdorf/Gu{teri]a und der Bau von „zwei, drei neuen Attraktionen für das diesjährige Mittelalterfest“. 

Zu den langjährigen Förderern der Schauwerkstatt gehören die Deutsche Gesellschaft e. V. mit Sitz in Berlin, das deutsche Generalkonsulat und das evangelische Stadtpfarramt. Für Dr. Andreas Apelt von der Deutschen Gesellschaft gehört die Schauwerkstatt zu den liebsten Projekten, deren ursprüngliches Ziel, etwas vom in Siebenbürgen verlorengegangenen, handwerklichen Wissen zurückzubringen im Rückblick erreicht wurde. Vizekonsulin Judith Urban bescheinigte den Gesellen, keine romantische Projektion zu sein, „sondern sie haben gerade in der heutigen Zeit ihre Existenzberechtigung“ und ihre Kenntnisse seien gefragter denn je.

Einen ähnlichen Tenor schlug der evangelische Stadtpfarrer Kilian Dörr an: „Ihr (die Gesellen, d. R.) könnt uns lehren, wie wir mit den alten Gemäuern, den alten Steinen und dem alten Holz umsichtig umgehen“. Über die diesjährige Kooperation mit Hermannstädter Studenten freute sich die Chefarchitektin der Stadt, Ioana Urdea. Sie hoffe, dass die Gesellen Hermannstadt mit guten Erinnerungen verlassen werden.

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