Kikeriki!

Dienstag, 13. Februar 2018

Ein Hoch auf unseren Zwerghahn! Morgens, kurz nach sechs – keine Ahnung, ob der kleine Kerl meint, die Sonne sei aufgegangen, weil ich im Haus das Licht anknipse – durchdringt sein kraftvolles Kikerikiii die kühle Morgenluft. Dringt durch Wände an mein Ohr, in mein Gehirn, legt dort den Schalter um: Nacht AUS – Tag EIN. Ein Energieschub, gerade stark genug, um Kaffee zu kochen. Und schon läuft das Zahnradgetriebe meines Körperfahrzeugs ratternd und stotternd an. Seither möchte ich es am Morgen nicht mehr missen: dieses unbändige, energiegeladene, freudige Krähen. Faszinierend, wie ein so zierliches Wesen den Urschrei der erwachenden Natur produziert.

Ganz anders die Perlhühner. Sie denken gar nicht daran, freudig den Tag anzukündigen. Stattdessen wird bei jeder sich andeutenden Gefahr anfallsartig und lautstark gehupt. Anders kann man das Geräusch nicht beschreiben. Allerdings hupen nur die Hähne. Die Hennen schreien wie aufgeregte Nonnen: „Pacat! Pacat! Pacat!“ - „Sünde!“ auf Rumänisch. Wie rufen eigentlich deutsche Perlhühner? Erschrecken können sie über alles: dass der Wind meine Kleidung aufbläht, dass die Blätter rascheln oder der träge Beethoven außen am Zaun entlang trottet, wie er es zehnmal am Tag tut, und an allen vorherigen Tagen. Der gutmütige Bernhardiner des Nachbarn würde keiner Fliege ein Haar krümmen, und dass man Perlhühner jagen und essen kann... Nun, dieses Wissen würde dem hüftluxationsgeplagten Riesenviech ohnehin nicht viel nützen. Gefahr ist auch von Hündin Layla, dünnbeinig, schiefzähnig und selbst kaum perlhuhngroß, nicht wirklich zu erwarten. Hupend wird sie trotzdem prophylaktisch von der ganzen Meute verscheucht und macht seither lieber einen Umweg um diese seltsamen Mitbewohner. Gefahrlos kann man Perlhühner mit Hunden und Katzen halten. Dem dauergestressten Federvieh weicht jedes andere Tier genervt aus. Die Psychologie eines Perlhuhns ist mit einem Wort zu beschreiben: Panik! Alaaaarm!

Die Katze hingegen ist der erlesene Gourmet in unserer tierisch-menschlichen Wohngemeinschaft. Riecht es in der Küche nach Fisch oder Fleisch, sitzt sie Sekunden später erwartungsvoll unterm Ofen. Dann steigert sich das anfangs dezent fragende „Mau?“ mit zunehmender Garzeit zum fordernden „Mi-aauu!“ Gibt es mal nur Trockenfutter, frisst sie betont gelangweilt, nicht ohne hoffnungsvoll-kokette Blicke über die Schulter zu werfen. „Heute wirklich nichts Gutes zu erwarten? Nur dieser Gefängnisfraß?“ Unterstrichen von einem beleidigten „Mau“. Mit ungläubigem Gesicht ob der herzlosen Grausamkeit des fleischverweigernden Herrchens wendet sie sich sichtlich angewidert wieder den Brekkies zu. In den Augen der Diva ist Todesverachtung zu lesen. Nachtragend ist sie allerdings nicht. Denn wenn Soraya eine Maus gefangen hat, legt sie sie manchmal als Geschenk für uns auf die Fußmatte. Den Beitrag zur familiären Fleischversorgung überlassen wir der edlen Spenderin großzügig.

Hunde hingegen vermitteln Lebensfreude pur: Freudig stolpert Welpe Sara auf die Katze zu, drückt ihr ein feuchtes Bussi auf die Schnauze und weicht geschickt der folgenden Ohrfeige aus. Zwängt sich arglos zu den alten Hündinnen in die Hütte, angestammte Lageplatzrechte missachtend. Die dicke Labradorin Daria zwingt Sara zum Spielen, indem sie sie anfällt und kräftig in den Hintern beißt oder an ihrem Schwanz hängt und nach Leibeskräften schüttelt. Bald sind alle drei Hunde in wildes Balgen verwickelt. Film ab – Lachen garantiert!

So hat jedes Tier seinen natürlichen Zweck: Der Hahn fungiert als Wecker und Motivationstrainer, nur dass man ihn am Wochenende statt auf Viertelnachsechs ganz gerne mal auf halb Neun stellen würde. Die Perlhühner ersetzen Klingel und Alarmanlage und vertreiben ungewollten, aber auch lieben Besuch. Die Katze eignet sich als Vorkoster und Testesser, vor ihrem Übereifer muss man nur den sommerlichen Picknicktisch verteidigen. Die Hunde sind Hofnarren und Kinderersatz, Ehestreitschlichter und Psychiater, am liebsten wären sie auch noch Bettgenossen, dies rund um die Uhr.

Manchmal frage ich mich, was wir wohl den Tieren bedeuten? Ich glaube, darin sind sich alle einig: der täglich pünktlich zuverlässig funktionierende Futterautomat.

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