„Kinder aus ländlichen Gegenden schneiden nicht schlechter ab!“

Interview mit Prof. Dr. Angela Podariu über Zahnprophylaxe im Kreis Temesch

Mittwoch, 04. Juli 2018

Prof. Dr. Angela Podariu Foto: Zoltán Pázmány

Die „Banater Tage der Stomatologie“, der Kongress, der vor Kurzem in Temeswar stattgefunden hat, hat viele Erkenntnisse gebracht, auch im Bereich der Prophylaxe. Mit Prof. Dr. Angela Podariu hat diesbezüglich die Redakteurin Ștefana Ciortea-Neamțiu ein Interview geführt.

 

Kürzlich hat der Kongress der Stomatologen in Temeswar stattgefunden. Welches waren die wichtigsten Ergebnisse?

Ende Mai hat die 23. Auflage der „Banater Tage der Stomatologie“, eines nationalen Zahnmedizin-Kongresses mit Teilnehmern aus dem Ausland, stattgefunden. Die Problematik war Prävention, Notfallmedizin und Kieferorthopädie. Wir hatten bedeutende Redner aus dem In- und Ausland und die Teilnehmer haben viele neue Kenntnisse erworben.

Was die Prophylaxe betrifft, welches waren die wichtigsten Schlussfolgerungen.

Sehr wichtig sind die Information und die Kommunikation. Bei uns spielt die Erziehung eine sehr wichtige Rolle. Wie wissen die Eltern sich zu informieren, zu kommunizieren und die Information weiterzugeben? Wie wissen sie, den Kindern beizubringen, was Mundhygiene und der Körperhygiene im Allgemeinen bedeutet?

Weil die Eltern eine so große Rolle in der Erziehung ihrer Kinder spielen, wie sind die Eltern aufgeklärt?

Es gibt Eltern, die minimale Kenntnisse über Mundhygiene haben und dann, wenn das Kind Schmerzen hat, sagen sie auch einfach: Geh zum Arzt! Aber ein Kind kann nicht allein zum Arzt gehen. Egal, welchen Arzt es aufsucht, wird ihm dort auch ein Blatt mit seinen Daten erstellt, da muss ein Elternteil oder der rechtliche Betreuer einwilligen. Wir haben auch da ein Problem in unserem Kreis, da es viele Kinder gibt, deren Eltern im Ausland arbeiten. Die Personen, die sich um die Kinder kümmern, zeigen noch weniger Interesse an die Zahnprobleme der Kinder.

Bezieht sich das auf die ländlichen Gegenden oder auch auf die Städte?

Auf beides. Es ist überall gleich. Die Kinder aus den ländlichen Gegenden schneiden nicht schlechter ab als die Kinder aus der Stadt, weil sie sich dort gesund ernähren, während die Kinder aus den Städten sich mit Junk-Food und Limos ernähren, während die Kinder auf dem Dorf noch die reine Milch trinken, essen Früchte und Gemüse, beißen hinein, was für die Zähne sehr wichtig ist. Somit kompensier die Ernährung.

Welches sind die landesweiten Zahlen, was die Prophylaxe betrifft?

Da es in Rumänien kein nationales Programm für die Mund-Zahn-Prävention und -prophylaxe gibt, wird die Prophylaxe lokal durchgeführt. Es gibt Pilotprojekte, die von den Prophylaxe-Fachbereichen aus den Universitätszentren organisiert werden. Diese Pilotprojekte beziehen sich auf die Kinder und Erwachsenen, die in einer gewissen Region leben, um das Universitätszentrum herum. Ich kann Ihnen keine landesweiten Zahlen nennen, weil es diese Statistiken nicht gibt.

Können Sie uns aber die Zahlen in und um temeswar nennen_

Im Kreis Temesch sind wir dank der beherzten Studenten, die im zweiten Jahr Mund-Zahn-Prävention studieren und da wir Assistenz in der Zahnprophylaxe als Spezialisierung an der Fakultät für Zahnmedizin hatten und da im Lehrplan Hygiene enthalten ist, waren wir in der Lage, Schulen und Kindergärten zu besuchen, sowohl in Temeswar als auch im Kreis. Wir haben mit der Basis der Prophylaxe angefangen, der Mundhygiene.

Wie viele Schulen und Kindergärten wurden besucht?

Es wurden insgesamt 12 Schulen und sechs Kindergärten besucht. Eine große Leistung ist auch die Tatsache, dass wir auch den Eltern erklären konnten: Da wir auch die Zustimmung der Eltern brauchten, haben wir mit Hilfe der Schulleitungen und der Lehrer oder Klassenlehrer Elternsitzungen organisiert, um den Eltern zu erklären, was wir vorhaben, und dadurch haben wir auch mit den Eltern über die Mundhygiene gesprochen.

Welches Alter hatten die Kinder?

Wir haben uns vorwiegend die Klassen 1-4 vorgenommen, weil sie auch sehr rezeptiv sind. Die Lehrerin spielt für sie eine große Rolle. Sie steht im Mittelpunkt.

Welches Feedback hatten Ihre Studenten? Waren die Kinder bereits aufgeklärt?

Sie hatten minimale Kenntnisse über das Zähneputzen, aber nicht die richtigen Techniken, wussten nichts über Versiegelungen und Fluorisieren und wir haben ihnen erklärt, worum es sich handelt. Sicherlich, da wir auch den Eltern erklärt haben, haben diese die Kinder in die Zahnartpraxen geschickt, die sie gewöhnlich besuchen, um dort Prophylaxe-Behandlungen zu verlangen.

Können Sie uns Prozente nennen, wie viele Kinder in Temeswar sich an die Zahnärzte für solche Behandlungen wenden?

Es sind leider sehr wenig Kinder, die nur für Prophylaxe kommen. Gewöhnlich kommt das Kind dann in die Zahnarztpraxis, wenn es wehtut. Das ist ein Problem. Wenn wir in die Schulen gehen, versuchen wir die Kinder alle sechs Monate in den Praxen an die Uni zu bringen, unabhängig davon, ob sie Verletzungen haben oder nicht und dann werden diese Prophylaxe-Maßnahmen durchgeführt. Prozente kenne ich nicht.

Welches sind die häufigsten Zahnprobleme, die die Kinder aufweisen, die eine Zahnarztpraxis aufsuchen.

Es handelt sich vorwiegend um Karies, die nicht behandelt worden sind, die zu Komplikationen führen und weh tun. Oder sie können auf einer Seite nicht kauen. Die Kinder kommen gewöhnlich in Begleitung. Sehr selten kommt es vor, dass 15-16-jährigen allein in die Praxis kommen und dann aus einem anderen Grund heraus, weil sie Mundgeruch aufweisen.

Die meisten kommen also wegen der Karies oder der komplizierteren Karies, wenigere kommen wegen der Zahnanomalien, sie beißen falsch, sie schauen in den Spiegel, merken, dass die Zähne Engstand haben, dass sie den Mund nicht richtig zukriegen und sobald sie dessen bewusst sind, in einem gewissen Alter, mit 13-15 Jahren, wollen sie auch wie die anderen sein. Oft sind auch die Mitschüler ein böswillig zu ihnen gewesen, haben ihnen Namen gegeben wie Bugs Bunny oder so.

Haben Sie auch den Eindruck, dass ab ein gewisses Alter auch die Mode mitspielt, wenn Jugendliche in die Zahnarztpraxis kommen, um genauso schön zu sein wie ein Star oder ein anderer?

Ja. Die Jugendlichen wollen alle weiße Zähne wie die Kinostars und sie wollen festsitzende kieferorthopädische Apparaturen (Zahnspangen), weil sie dies in Filmen sehen und weil diese in Mode sind.

Was würden Sie den Kindern und Jugendlichen aus dem Kreis Temesch bezüglich der Zahnprophylaxe raten?

Dass sie sich je mehr informieren. Es gibt Informationen auch im Internet, aber auch am Arbeitsplatz und in den Schulen. Was sie an Informationen aufnehmen, sollen sie dann auch anwenden. Sie putzen die Zähne, aber viel zu schnell, in nur zwei Minuten sind sie damit fertig, was nicht richtig ist. Sie sollten ihre Kenntnisse auch anderen weitergeben, den Freunden und Kollegen und sogar sich auch in der Familie damit austauschen. Das Wichtigste ist, dass die Information weitergereicht wird.

Zwei Minuten steht auch auf der Packung der elektrischen Zahnbürsten. Ist die Zeitangabe ungenau?

Mir scheint es sehr, sehr wenig. Man sollte sich vier bis fünf Minuten nehmen, wenn man sich alle Zähnchen vornimmt. Das gilt auch für die elektrische Zahnbürste.

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