Kinder aus Warjasch lernen banatschwäbische Tänze

Teilnehmer an Kirchweihfest werden authentische Trachten tragen

Mittwoch, 09. April 2014

Noch tragen sie ihre normalen T-Shirts und Hosen: Die Kinder aus Warjasch schlüpfen im September erstmalig in echte Warjascher Trachten. Foto: Zoltán Pázmány

Angenehmes Aprilwetter herrscht an dem Freitag Nachmittag, an dem Edith Singer, Andreea Gabor und Hansi Müller nach Warjasch/Varias fahren. Die 5700-Seelen-Gemeinde ungefähr 40 Kilometer von Temeswar/Timisoara entfernt schlummert in der Abendsonne. Mit neuen Pflastersteinen wurden die Gehwege in der Gemeinde belegt und auch sonst sieht Warjasch aus, als ob es sich im Aufbruch befände. Auf den Straßen ist kaum jemand, nur hie und da sitzen einige älteren Dorfbewohner auf den Bänken vor ihren Häusern. 

Regung gibt es allerdings im Kulturhaus: Hier warten ungefähr 20 Kinder darauf, dass die drei aus Temeswar ankommen und die Tanzstunde beginnt. Edith Singer, die Leiterin des Jugendtrachtenvereins „Banater Rosmarein“, Andreea Gabor, langjähriges Mitglied der Tanzgruppe, und Tanzlehrer Hansi Müller befinden sich heute in Warjasch, um den Kindern banatschwäbische Tänze beizubringen. Die Idee, eine Tanzgruppe in Warjasch zu gründen, kam von Kulturreferentin Monica Lazea, die in der Ortsbibliothek tätig ist und sich im vergangenen Jahr dafür stark machte, dass in Warjasch – nach einer 27-jährigen Pause – erneut auch ein traditionelles, banatschwäbisches Kirchweihfest gefeiert wird. Acht Warjascher Tanzpaare wurden 2013 quasi ad-hoc zusammengestellt, dazu kamen acht Trachtenpaare vom Trachtenverein „Banater Rosmarein“ aus Temeswar, die gemeinsam mit den Warjaschern das Kirchweihfest begingen. „Ich hatte mir das schon immer gewünscht. Letztes Jahr hatte ich die Gelegenheit, das wirklich wahr werden zu lassen“, sagt Monica Lazea, die in der Bibliothek eine Bastelgruppe betreut. Von dieser Bastelgruppe kamen dann die Kinder, die im vergangenen Jahr bei der Kirchweih tanzten und sich nun weiterhin an den Tanzstunden beteiligen. In diesem Jahr soll das Warjascher Kirchweihfest am 13. September über die Bühne gehen. „Drei Personen aus Deutschland haben bereits angekündigt, dass sie in Tracht mit dabei sein werden. Ich hoffe aber, dass sich bis September noch mehr melden“, sagt Kulturreferentin Monica Lazea, die selbst bei der Kirchweih auftreten wird.

Im Festsaal des Kulturhauses warten die Kinder schon ungeduldig darauf, dass die Tanzstunde beginnt. Andreea Gabor, die bisher den Unterricht geleitet hat, übergibt die Zügel offiziell an Tanzlehrer Hansi Müller, der ab sofort in Absprache mit Andreea ebenfalls die Tanzstunde leiten wird. Die CD wird in den Player gesteckt und schon erklingt in den Lautsprechern ein Walzer, zu dem die Kinder das Tanzbein schwingen müssen. Der Unterricht läuft auf Rumänisch, zwischendurch fallen jedoch auch einige deutsche Wörter – denn Hansi Müller ist ein waschechter Banater Schwabe. Es ist eine heitere Atmopshäre, die im Festsaal aus Warjasch herrscht – die Kinder lachen, während sie versuchen, die von Hansi Müller vorgeführten Schritte nachzumachen. Natürlich kommen auch kleine Pannen vor, man stößt aufeinander oder man stolpert übereinander, doch dann wird gelacht und einfach weitergemacht, denn eines wissen alle Kinder: Aller Anfang ist schwer. Aber es lohnt sich, denn es macht Spaß.

 

Kinder freuen sich auf Kirchweihfest im September

 

„Bei der Kirchweih war es sehr schön, mir hat eigentlich alles gefallen. Ich werde auch in diesem Jahr dabei sein“, sagt die elfjährige Karina, Monica Lazeas Tochter. Sie und ihr 14-jähriger Kollege Alexander Dohinca sind die einzigen aus der Gruppe, die von zu Hause aus Deutsch sprechen – alle anderen lernen es jedoch in der Schule, als Fremdsprache. Deutsche gibt es in Warjasch nur noch wenige: Es sollen noch an die fünf-sechs Personen sein, glaubt Monica Lazea zu wissen. „Während der Tanzstunde lernen wir hauptsächlich Walzer und Polka. Mir persönlich gefällt Walzer besser, weil er auch leichter zu tanzen ist als Polka“, gesteht Alexander Dohinca, der ebenfalls bei der Kirchweih im September dabei sein wird.

Andreea Gabor kennt die Gruppe aus Warjasch nur zu gut. Allein schon das Treffen der Kinder mit Andreea zeigt, dass sie inzwischen eine enge Freundschaftsbeziehung zueinander aufgebaut haben. Beim Treffen kommen die Mädchen auf Andreea zu, umarmen sie und erzählen, wie es ihnen geht. Bereits seit Oktober fährt die junge Frau aus Temeswar regelmäßig nach Warjasch, um den Kindern das Tanzen beizubringen. Sie selbst tanzt in der  Tanzgruppe Banater Rosmarein seit dem Jahr 2000 mit. „Für Banater Rosmarein war die Beteiligung an der Kirchweih in Warjasch ein einmaliges Erlebnis, vor allem, da wir sehr viele neue Mitglieder haben und diese noch nie eine Kirchweih in einem Dorf mitgemacht haben“, sagt Andreea Gabor. „Die Bewohner aus Warjasch haben uns sehr gut aufgenommen“, fügt sie hinzu.

 

Trachten werden authentisch nachgenäht

 

Im vergangenen Jahr bekamen die Kinder aus Warjasch Trachten von den Rosmareinern geliehen. In diesem Jahr sollen sie ihre eigenen Trachten haben. Mit finanzieller Unterstützung des Bürgermeisteramtes werden nun echte Warjascher Trachten genäht, sagt Edith Singer. Eine diesbezügliche Dokumentation besitzt Monica Lazea. „Wir sind mit Fotos in die Geschäfte gegangen und haben die notwendigen Stoffe eingekauft. Auch eine Schneiderin haben wir gefunden. Nach Ostern beginnen wir, die Trachten zu nähen“, sagt Edith Singer, die auch hofft, dass im September Gäste aus Deutschland, ausgewanderte Warjascher, extra für das Event in ihr Heimatdorf zurückkehren. „Die schauen dann schon darauf, dass die Trachten authentisch sind. Deswegen müssen wir die Trachten realitätsgetreu nachnähen“, fügt sie hinzu.

Zurück in den Festsaal des Kulturhauses: Hier gibt Hansi Müller Anleitungen, wie die Walzerschritte richtig durchgeführt werden. Einige der Kinder haben schon geschwitzt, denn das, was auf dem ersten Blick leicht zu sein scheint, erfordert dann doch einiges an Konzentration. Tanzlehrer Hansi Müller wurde in Temeswar geboren und verbrachte seine Kindheit in Neuarad. Nach seiner Auswanderung tanzte er 30 Jahre lang bei den Banater Schwaben in München. Inzwischen sind es mehr als hundert Tänze aus der ganzen Welt, die der Banater Schwabe tanzen und anderen beibringen kann. Mit den Kindern aus Warjasch übt er Banater Tänze ein, denn diese sollen sie im September makellos vorführen können. „Es sind traditionelle Tänze, die man früher im Banat getanzt hat. Wir haben mit Walzer und Polka angefangen und werden später auch Choreografien erlernen, wie Siebenschritt oder Bakowaer Tanzfolge“, sagt Hansi Müller, der aus geschäftlichen Gründen ins Banat zurückgekehrt ist. In seiner Freizeit widmet er sich weiterhin dem Tanzen. Es war also eine große Freude für Hansi Müller, als Edith Singer ihm anbot, sich der neu gegründeten Warjascher Tanzgruppe anzunehmen. „Die Kinder sind sehr aufgeschlossen und lernen sehr schnell“, sagt Hansi Müller.

Was die Warjascher Kinder in den kommenden Monaten von Andreea Gabor und Hansi Müller lernen werden, das werden die Anwesenden bei dem Warjascher Kirchweihfest am 13. September beobachten können. Auf ein besonderes Fest können sich Dorfbewohner und Gäste jetzt schon freuen: Denn auch in diesem Jahr soll es zum Abschluss der Feier einen Ball im Kulturhaus geben, bei dem nicht nur deutsche, sondern auch serbische, ungarische und rumänische Tänze getanzt werden. Genau so, wie man es im Banat eben gewohnt ist.

 

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