Kirchenburgenlandschaft Siebenbürgens weiter dokumentiert

27 Ortschaften des Repser und Fogarascher Landes im kürzlich erschienenen Bildband von Georg Gerster und Martin Rill vorgestellt

Samstag, 27. September 2014

Georg Gerster, Martin Rill „Das Repser und das Fogarascher Land“, Verlag Wort+Welt+Bild 2014. Herausgeber Martin Rill.

Die bisher erschienenen drei Bände von Georg Gerster und Martin Rill „Siebenbürgen im Flug“ (1997), „Das Burzenland“ (1999) und „Hermannstadt und das Alte Land“ (2002) wurden nun durch einen vierten Band des Projektes „Dokumentation siebenbürgisch-sächsischer Kulturgüter“ ergänzt, der ebenfalls im Wort+Welt+Bild Verlag erschienen ist. Dieser wurde, wie bereits berichtet, Ende August in der Kirchenburg von Deutsch-Weißkirch, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, in Beisein des Herausgebers Martin Rill, mehrerer Ehrengäste, Pfarrer und Kuratoren, vorgestellt.

In dem 2014 erschienenen Band „Das Repser und das Fogarascher Land“ werden 27 Ortschaften aus diesen Gebieten dokumentiert. Somit konnte das ganze Gebiet des Kronstädter Kreises erschlossen werden. „Dieser Band ist ein weiteres Zeugnis dafür, dass die Kirchenburgenlandschaft  Siebenbürgens einzigartig ist und zum schützenswerten europäischen Kulturgut und sogar Weltkulturgut gehört... Mit großer Hoffnung sehe ich in die Zukunft der Kirchenburgenlandschaft Siebenbürgens. Wie dieser Bildband treffend zeigt, verdient sie unsere Aufmerksamkeit und will uns anregen, ihre geistige, kulturelle, und baugeschichtliche Dimension kennenzulernen, zu ihrem Erhalt beizutragen und neu zu beleben“, unterstreicht in seinem Vorwort Reinhart Guib, Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien.

Innerhalb des 325 Seiten umfassenden Bandes werden durch Kunstfotos und geschichtlichen Begleittexte, Innen- und Außenansichten von Kirchen, Kirchenburgen, Festungen, Wehranlagen und -türmen, sowie Altäre, Orgeln, Taufbecken, Glocken, Kelche, Pokale aus den Kirchen, Pfarr- und Rathäuser, Schulgebäude, Friedhöfe aus den Ortschaften dieser beiden Gebiete vorgestellt: Bekokten, Bodendorf, Deutsch-Kreuz, Deutsch-Tekes, Deutsch-Weißkirch, Draas, Felmern, Fogarasch, Galt, Großschenk, Hamruden, Katzendorf, Kleinschenk, Leblang, Meeburg, Meschendorf, Radeln, Reps, Rohrbach, Scharosch, Schirkanyen, Schweischer, Seiburg, Seligstadt, Stein, Streitfort, und Tarteln.

Die erläuternden Texte verfasste Martin Rill, der auch einen Teil des Fotomaterials  lieferte. Auch Illustrationen weiterer Mitarbeiter wurden in den Band aufgenommen. Die Luftaufnahmen stammen von Georg Gerster, der weltweit als bester Fotograf von Flugbildern gilt und bei Zürich lebt. Ebenfalls enthält der Bildband Ansichten der Kirchen anderer Konfessionen aus diesen Ortschaften, sowie Karten jeweiliger Ortschaften, die von Mara Atomei von der Technischen Hochschule Stuttgart, eine gebürtige Repserin und Absolventin der Honterusschule, entworfen worden sind. In diesem Sinn richtet der Herausgeber Martin Rill seinen Dank an alle Mitarbeiter, die ihm bei der Dokumentation und Erscheinen des Bandes behilflich waren. Vor allem geht dieser Dank aber an die Kuratoren, Burghüter, Kirchenräte, an die Vorsitzenden der jeweiligen Heimatortsgemeinschaften in der Bundesrepublik Deutschland, an die Leitung des Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien, an die Pfarrer Siegmar Schmidt, Johannes Klein, Michael Reger, Bruno Fröhlich, Uwe Seidner.

Einen zusammenfassenden, eingehenden Überblick bietet Martin Rill abschließend zu der geschichtlichen Entwicklung Siebenbürgens, mit besonderem Akzent auf diese beiden Gebiete. Dabei geht er auf die ersten Funde bezüglich der hier entdeckten Siedlungen ein, bis hin zu dem Sieg des Kaisers Trajan über die Daker, dann die ungarische Landnahme, die Ansiedlung der deutschen Kolonisten  im Repser und Fogarascher Land Mitte des 12. Jahrhunderts, deren Beitrag zur Sicherung der von ihnen bewohnten Gebiete, der Einführung der Reformation, der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung bis hin zu den Folgen des Ersten und Zweiten Weltkrieges für diese, und schließlich die nach der Wende erfolgte massive Aussiedlung.
Die Begleittexte zu den Illustrationen bieten Aufschluss auch über den baulichen Zustand jeweiligen Denkmals, bisher erfolgte Restaurierungen an diesen oder den Orgeln. Die Dokumentation zu jeder einzelnen Ortschaft wird mit einem geschichtlichen Rückblick eingeleitet, der bis zu der heutigen Lage bezüglich Einwohner- oder kirchliche Seelenzahl führt. Überlieferte Legenden sind auch nachzulesen, wie auch Einblick in Heimat- oder Ethnografiemuseen, die aus privater Initiative oder von der jeweiligen kirchlichen Gemeinschaft eingerichtet wurden, oder durch Kulturinstitutionen. Hervorzuheben ist auch die Aktualität des Bandes in den die kürzlich restaurierte Burg von Reps, oder die noch in Bau befindliche orthodoxe Kathedrale von Fogarasch u. a.  aufgenommen worden sind.

Der aufliegende Band, der innerhalb von zwei Jahren vom Herausgeber ausgearbeitet worden ist, unterstreicht die kontinuierliche Präsenz der hiesigen deutschen Siedler, die ein bleibendes Kulturerbe geschaffen haben, das zum Teil aber auch bedroht ist. Daher ist diese Dokumentation sehr wichtig, auch um Prioritäten zu setzen für deren Restaurierung in der  Zukunft.
Besonders hervorzuheben ist die grafische Gestaltung des Bandes wie auch die hohe Druckqualität, von der Süddeutschen Verlagsgesellschaft Ulm gesichert, die diesem Werk weitere Bedeutung verleihen.

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