Kirchturm-Fahrstuhl betriebsbereit

Sanierung der Bistritzer Stadtpfarrkirche geht dank finanzieller Unterstützung der Stadt voran

Freitag, 27. April 2012

Deutliche Fortschritte: Langsam wird das Gerüst am Bistritzer Kirchturm herunter gebaut.
Foto: Holger Wermke

Bistritz - Die evangelische Stadtpfarrkirche in Bistritz/Bistriţa ist die einzige Kirche in Rumänien, deren Turm mit einem modernen Aufzug ausgestattet ist. Stadtpfarrer Johann Dieter Krauss rechnet damit, dass sich „seine“ Kirche zu der touristischen Attraktion der Stadt entwickeln wird. Wann Besucher den Aufzug nutzen können, ist jedoch noch nicht klar.

Voraussetzung für die Inbetriebnahme ist der Abschluss einer Vereinbarung zwischen der evangelischen Gemeinde Bistritz und der Stadtverwaltung. Letztere solle künftig für die touristische Nutzung der Kirche verantwortlich zeichnen, erklärt Krauss. Der entsprechende Vertrag sei vorbereitet und werde derzeit vom Landeskonsistorium der evangelischen Kirche A.B. in Rumänien geprüft.

An diese Nutzungsvereinbarung ist die Freigabe von weiteren Geldern aus dem Stadthaushalt gebunden, informiert Krauss. Rund eine halbe Million Lei könnten im Ergänzungshaushaltsvoranschlag für die Restaurierungsarbeiten eingestellt werden. Im Februar genehmigte der Stadtrat für dieses Jahr rund 1,5 Millionen Lei. Schon 2011 stellte die Stadt etwa 2 Millionen Lei für die Arbeiten an der 2008 bei einem Brand schwer beschädigten Kirche bereit. Mit den städtischen Mitteln konnte laut Krauss ein Großteil der bisherigen Arbeiten finanziert werden.

Die Phase der Notarbeiten ist mittlerweile so gut wie abgeschlossen. Die Arbeiten im Inneren des Turms sind weitgehend abgeschlossen. Dabei wurde eine moderne Brandschutzanlage installiert, zu der unter anderem eine Steigleitung für die Feuerwehr gehört. Außerdem wurde die gesamte Elektrik erneuert. Im Außenbereich haben Arbeiter die Renaissance-Galerie wieder hergestellt. Die Verputzarbeiten im oberen Bereich des Turms sind ebenfalls abgeschlossen. Restauriert wurde im vergangenen Jahr auch die Sakristei.

In diesem Jahr steht zunächst die Fertigstellung des Restaurierungsprojektes an, also der Planung  inklusive Ausführungsdetails für die Sanierungsarbeiten im Inneren der Kirche. Besonders dringend ist die Konsolidierung der Gewölbe, die durch das Löschwasser in Mitleidenschaft gezogen wurden. Dazu muss die gesamte Kirche ausgeräumt und ein Gerüst aufgebaut werden. Geplant ist ebenfalls, die denkmalpflegerischen Studien der Wände abzuschließen, an denen kurz vor dem Brand mittelalterliche Fresken entdeckt wurden.

Wünschenswert, aber in naher Zukunft kaum zu realisieren, wäre die Sanierung des Gestühls der Stadtpfarrkirche, meinte Krauss. Ende März wurde ein erstes restauriertes Gestühl aus dem Jahr 1508 vorgestellt, dass mit Hilfe von Spendern, die insgesamt rund 26.000 Lei aufbrachten, gereinigt und saniert wurde. Angesichts der zahlreichen weiteren Gestühle – laut Krauss gibt es in der Bistritzer Stadtpfarrkirche die größte Gestühlsammlung Rumäniens mit Stücken aus der Zeit der Gotik bis ins 19. Jahrhundert – wartet hier noch eine Herkulesaufgabe. 

Insgesamt bleibt die Sanierung der Kirche eine Erfolgsgeschichte. Der Bistritzer Stadtrat hat sich ihre Wiederherstellung arteiübergreifend zu seiner Aufgabe gemacht. „Die Bistritzer betrachten die Kirche als Wahrzeichen der Stadt“, sagt Krauss, „in weiten Teilen der Bevölkerung ist das Projekt akzeptiert“. Erklärtes Ziel aller Beteiligten bleibt die weitgehende Wiederherstellung der Kirche bis zum 450. Jubiläum seit der Wiedereröffnung nach dem letzten großen Umbau im Jahre 1563. Dieses soll am 24. August 2013 gefeiert werden.

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