Kirchweihfeste im Banat

230 Jahre Darowa / 142. Kirchweih in Busiasch

Mittwoch, 31. August 2016

Einige ehemalige Darowaer reisten anlässlich der 230. Jubiläumsfeier in ihr Heimatdorf. Mit Tanzgruppe, Kirchenchor und Blaskapelle wird die Darowaer Tradition auch in Deutschland weitergeführt.

Die Vortänzerin liest in Darowa den Kirchweihspruch vor.

Das Vortänzerpaar während der Kirchweihmesse.

Nach dem Empfang im Rathaus führen Bürgermeister und DFDB-Vorsitzender traditionsgemäß den Kirchweihzug an.

Schon mit zweieinhalb Jahren gehen Busiascher Kinder im wahrsten Sinne des Wortes mit der schwäbischen Tracht auf Tuchfühlung. Zumindest personell ist für langfristige Kontinuität gesorgt.
Fotos: die Verfasser

230 Jahre Darowa/ Banatschwäbische Kirchweih im Jubiläumsjahr

 

„Liebe Kerweigäste von nah und fern, nach altem Brauch und alter Sitte/ begrüße ich euch heute in eurer Mitte,/ meine Landsleute und alle Gäste, heute zu unserem Kerweifeste./ Schon lange haben wir erwartet/ dieses Fest, zu dem gekommen sind recht viele Gäst. Die schwäbische Tracht mit geschmücktem Hut/ steht uns Mädchen und Buben recht gut. Mit Rosmarein, mit Hut, mit Kerweimusik und Kerweizug,/ das Kirchweifest für Groß und Klein – alle wollen wir recht lustig sein. So möge es noch viele, viele Jahre bleiben/ die Darowaer Kerwei sie lebe hoch, hoch, hoch!“, rief die Vortänzerin den Kirchweihspruch. Auf einem Holzfass stand sie neben dem aufgestellten Kirchweihbaum im traditionellen hellblauen Rock und hieß die Kirchweihgäste mit fester Stimme willkommen.

Seit vielen Jahren hat man in Darowa keine „Kerweisprüche“ mehr gehört und auch nicht das kirchweihspezifische „Buwe, was han mehr heit?“. Dieses Jahr ist aber ein besonderes: 230 Jahre, seitdem die ehemalige deutsche Ortschaft gegründet wurde, werden begangen. Zahlreiche ausgewanderte Deutsche nahmen heuer die Gelegenheit wahr, zu diesem Anlass ihren Geburtsort wieder zu besuchen.

Insgesamt 30 Trachtenpaare in traditioneller Darowaer Kirchweihtracht kamen am Wochenende zusammen und zogen durch die Gassen von Darowa, als die  Heimatortsgemeinschaft Darowa und die Kommunalverwaltung die Kirchweihfeier veranstalteten: mit Festgottesdienst in der Kirche, Friedhofsbesuch mit Kranzniederlegung, Aufmarsch der Trachtenpaare, Volkstänzen begleitet von der Blaskappelle „Original Banater Echo“, Enthüllung und Segnung einer Gedenktafel am Kulturheim der Gemeinde und einem Kirchweihball mit Tanz und Unterhaltung für alle. 

Am Wochenende wurde in der ehemaligen banatschwäbischen Gemeinde wieder Kirchweih gefeiert. Viele ausgewanderte Darowaer reisten zu diesem Anlass aus Deutschland an und brachten Tanzgruppe, Kirchenchor und Blaskappelle in ihre alte Heimat mit.

Der Tag begann mit einem Festgottesdienst in der Ortskirche, danach ging es zum Friedhof und am Nachmittag wurde die Gedenktafel „230 Jahre Darowa“ an der Wand des Kulturheims enthüllt. Auf dem Vorplatz des Kulturheims versammelten sich die Kirchweihpaare, verlosten Hut und Weinflasche und marschierten durch die Gemeinde bis zum Haus des Vortänzerpaares. Volkstänze der Darowaer Tanzgruppe aus Spaichingen und der Enzian-Tanzgruppe aus Reschitza ergänzten das Kulturprogramm am Nachmittag auf dem Vorplatz des Darowaer Kulturheims.

Die Feier war besonders, vor allem, da in der Gemeinde heutzutage keine Deutschen mehr leben. Die römisch-katholische Ortskirche wurde in den letzten Jahren von der griechisch-katholischen Kirche genutzt und ein traditionelles Kirchweihfest wird hier seit vielen Jahren nicht mehr gefeiert. Trotzdem werden die deutsche Tradition und das schwäbische Erbgut, das der Gemeinde hinterlassen wurde, nachdem die Familien eine nach der anderen nach Deutschland ausgewandert sind, am Leben erhalten. Zwar wird in der Temescher Gemeinde seit vielen Jahren kein deutsches Kirchweihfest mehr begangen, doch jeden Herbst, wenn in Darowa das rumänisch-orthodoxe Kirchweihfest gefeiert wird, wird auch ein banatschwäbisches Kulturprogramm angeboten.

Die Darowaer Tradition wurde von den ehemaligen Dorfbewohnern mit nach Deutschland genommen. So wird in Spaichingen alljährlich die „Darowaer Kerwei“ organisiert, ließ der Vorsitzende der Heimatsortsgemeinschaft Darowa, Johann Winze, wissen.  

Speziell für die Gemeindefeier und die „Kerwei“ besuchte auch der Bürgermeister der deutschen Stadt Spaichingen das Banat. Um die 15 Prozent der Bewohner der deutschen Stadt im Süden Baden-Württembergs sind Banater Schwaben. Davon sind etwa 90 Prozent Darowaer. Spaichingen wurde zur zweiten Heimat für die ausgewanderten Banater Schwaben aus der Temescher Gemeinde. „Ich leben schon seit langer Zeit mit den Banater Schwaben zusammen. Schön ist, dass sie ihre ursprüngliche Heimatkultur mit nach Spaichingen genommen haben. Nun, zum Anlass der Feier ´230 Jahre Darowa´, will ich das Ganze auch mit Bildern und Eindrücken fühlen und deswegen bin ich heute hierher gekommen“, sagte Hans Georg Schmuhmacher, der Bürgermeister der Stadt Spaichingen, bei der Jubiläumsfeier am Wochenende. Das Fest klang am Abend mit einem traditionellen Kirchweihball aus.  (AO)

 

Zum 142. Mal Kirchweihbaum in Busiasch/ Fest und Gedenken der Ahnen/ Viele Jugendliche dabei

 

Josef Kanton gehört zur Busiascher Kirchweih genau so wie diese Kirchweih Teil langjähriger Tradition schwäbischen Brauchtums in der Kleinstadt ist. 40 der insgesamt 142 Feste zur Kirchenweihe hat der Forumsvorsitzende und Stadtrat Kanton in seinem Heimatort mitgemacht: als Teilnehmer, als Geldherr und seit 1990 als Organisator und Faktotum. „Wir pflegen in diesen Tagen die Tradition, geben weiter, was wir als Jugendliche gelernt haben und gedenken derer, die nicht mehr unter uns weilen, aber eben uns diesen Brauchtum gelehrt haben“, sagt Josef Kanton. In vielen Ortschaften des Banats fußen heute Kirchweihfeste auf ein Zusammensein verschiedener Tanz- und Kulturgruppen - die Busiascher veranstalten ihr Fest nach wie vor im Alleingang. Groß und Klein zieht hier den Kirchweihrock an: über 70 Paare marschierten auch diesmal durch die Straßen von Busiasch.

Mădălina Curilă und Robert Lacsan führten den Kirchweihzug an. Vor elf Jahren stand der Name von Mădălina zum ersten Mal in der Banater Zeitung. Damals war sie als Kindergartenkind schon mit ihrer schwäbischen Tracht vertraut gemacht. „Ihrer“ ist an dieser Stelle eigentlich gar nicht der richtige Begriff, denn als ihre Familie Mitte der 1980er Jahre aus Bac²u ins Banat kam, hatte diese mit deutschem Brauchtum rein gar nichts zu tun. Bei Familie Curilă ist jedoch die Annahme schwäbischer Traditionen nichts Neues. Mădălinas Mutter Simona leitet seit vielen Jahren die Tanzgruppe in Busiasch. Sie würde gerne ins Ausland auf Arbeit gehen, doch immer wieder verschiebt sie diesen Schritt. „Wer soll die Kinder, die Tänze anlernen?“, fragen die Eltern der vielen Kinder, die sich in Busiasch auch ohne deutschen Kindergarten oder deutsche Schule für schwäbisches Brauchtum entscheiden. Es sei, wohl „einmalig, so viele Kinder und Jugendliche, meist aus Mischehen und anderen Ethnien stammend, für schwäbisches Brauchtum gewinnen zu können“, sagt der DFDB-Vorsitzende Johann Fernbach.

Viele Blicke im Ort richten sich begeistert auf die Jugendlichen, die im Vorfeld der Kirchweih putzen, kehren und streichen - alles für ihr Fest. Auch Lidia Lozer, Direktorin des Busiascher Lyzeums, zeigt sich begeistert vom emsigen Treiben ihrer Schüler und der Teamarbeit in den Ferien und hätte es gerne „wenn sich diese Einsatzfreude über das Lernen hinaus auch auf den sonstigen Schulalltag übertragen würde“.

Fast eine Stunde lang dauert das Gespräch des neuen Bürgermeisters von Busiasch, Sorin Munteanu, mit dem DFDB-Vorsitzenden Johann Fernbach und dem Direktor der AMG-Sozialeinrichtungen Helmuth Weinschrott. „Wir erhalten so eine alte Tradition aufrecht. Wir haben in diesem Jahr die Summe ein wenig aufgestockt“, sagt Munteanu. Er versichert, dass es eine Mitfinanzierung der Kirchweih aus dem Rathaus auch unter neuer Leitung geben wird. Ein anderer Teil der Gelder kommt vom Departement für Interethnische Beziehungen aus Bukarest. Die katholische Kirchweih, aber auch sonstige kulturelle Veranstaltungen wie das Paprikasch- oder das Eichhörnchenfest sollen weiterhin die Runde und die Kurstadt attraktiv machen. „Eine touristische Entwicklung von Busiasch würde sich positiv auf die gesamte Region ausüben“, sagt Gabriel Koller, im fünften Mandat Bürgermeister im benachbarten Türkischsakosch.

Über weite Strecken marode Fronten öffentlicher Gebäude, schlechte Straßen und einen sanierungsbedürftigen Park hat Bürgermeister Munteanu zunächst zu verwalten, denn bekommt er dies nicht in den Griff, wird es schwer, Busiasch als Kurstadt zu fördern. Nur so würde es letztendlich Sinn machen, das Kurunternehmen – wie beabsichtigt - vom derzeitigen Investmentfonds Transilvania zu kaufen. Streunende Hunde, nie angewandte Gesetze in Sachen Müllentsorgung, das tourismusfeindlich gestaltete Areal im Bereich der Hotels sind nur einige der Probleme, die auf die neue Verwaltung zukommen. „Das ehemalige Krankenhaus muss erneut funktionstüchtig werden und ein Ganztagskindergarten steht ebenfalls ganz oben auf unserer Prioritätenliste“, sagt Stadtrat Kanton, dessen Initiativen über die Belange der deutschen Gemeinschaft hinausgehen. Informationen nach soll er bei den Kommunalwahlen nur knapp das Amt des Vizebürgermeisters verpasst haben.

All die Gespräche hatten als musikalische Hintergrund-Begleitung die Klänge der Rekascher Blaskapelle. Jedes Jahr begleitet sie zum Sommerausklang das Busiascher Kerwei-Wochenende, das – wie Bürgermeister Munteanu betonte – ein religiöses und zugleich kulturell-künstlerisches Ereignis für die Stadt ist. (ST)

 

 

 

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