Klausenburg wird mehrsprachig

Gericht verpflichtet Bürgermeister zu zweisprachigen Ortsschildern

Freitag, 24. Februar 2017

Klausenburg – Das Gericht der Stadt Klausenburg/Cluj-Napoca hat am Dienstag einer Klage der Asociaţia Minority Rights stattgegeben und den Bürgermeister Emil Boc (PNL) dazu aufgefordert, zweisprachige Ortsschilder anbringen zu lassen. Neben „Cluj-Napoca“ soll demnächst auch „Kolozsvár“ an den Stadtein- und ausfahrten zu lesen sein. Die Initiative „Musai/Muszáj“, welche den Prozess angestrengt hat und sich in den vergangenen zwei Jahren für eine interkulturelle und zweisprachige Stadt engagiert hat, befürwortet darüber hinaus auch Ortsschilder mit dem Namen „Klausenburg“. Gegen die Entscheidung des Gerichts kann innerhalb von 15 Tagen Berufung eingelegt werden. Rathaussprecherin Oana Buzatu gab an, dass der Bürgermeister das Urteil anfechten wird. Auch Gabriel Horia Nasra, Vorsitzender der PSD Klausenburg, glaubt, dass Emil Boc weiter an seiner „falschen Politik“ festhalten und versuchen, wird zweisprachige Ortsschilder zu verhindern. „Es ist bedauerlich, dass Emil Boc dieses falsche politische Thema aufrecht erhält, während Temeswar/Timişoara, Kronstadt/Braşov, Hermannstadt/Sibiu oder Mediasch das Stadium des kulturellen Kampfes zugunsten eines multikulturellen europäischen Modells aufgegeben haben. Emil Boc und die liberale Mehrheit müssen verstehen, dass populistische Themen keine Priorität mehr auf der Agenda der Klausenburger besitzen.“

Auch die Klausenburger USR unterstützt die Anbringung zweisprachiger Ortsschilder und sieht darin einen Schritt in eine gemeinsame Zukunft. „Wir sind der Meinung, dass das infolge der Aktion der Gruppe Musai-Muszáj ausgesprochene Gerichtsurteil eine symbolische Geste der Versöhnung mit der eigenen Vergangenheit darstellt, in der Hoffnung, dass wir die Fehler der älteren oder jüngeren Vergangenheit nicht mehr wiederholen werden.“ Sie fordert Emil Boc darüber hinaus auf, die Bedeutung des Urteils zu erkennen und gerichtliche Weiterführung des Streits zu unterlassen. Die gesetzliche Regelung, nach der Ortschaften verpflichtet sind zweisprachige Tafeln anzubringen, wenn mindestens 20 Prozent der Bevölkerung einer nationalen Minderheit angehören, greift in Klausenburg nicht. Laut Volkszählung von 2011 leben knapp 50.000 Ungarn in der Stadt, das sind rund 16 Prozent der Gesamtbevölkerung.
Der Streit um die Nutzung der ungarischen Sprache belastet die Klausenburger schon seit vielen Jahren. Insbesondere die Zeit unter dem rumänisch-nationalistischen Bürgermeister Gheorghe Funar hatte das politische und gesellschaftliche Klima vergiftet. Funar hatte schon 2002 eine Eingabe der UDMR auf zweisprachige Ortsschilder abgelehnt.

Kommentare zu diesem Artikel

Hermann Grimm, 24.02 2017, 15:04
Mehrsprachigkeit ist ein Gewinn für ein Land und eine Stadt. Nur hat man das noch nicht überall erkannt.

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