Kleinstadt erlässt Steuerschulden

Solidaritätsmaßnahme vom Stadtrat Sanktanna

Freitag, 27. Februar 2015

Das neue moderne Rathaus der Arader Kleinstadt Sanktanna Foto: Zoltán Pazmány

Sanktanna - Mit einem hierzulande nicht alltäglichen Beschlussentwurf überraschte vor Kurzem der amtierende Bürgermeister Daniel-Sorin Tomuţa seine Mitbürger aus der Arader Kleinstadt Sanktanna/Sântana: Sein Vorschlag für den Stadtrat, der diesen noch nach einer Debatte absegnen muss, betrifft einen Steuererlass für einen Teil der städtischen Steuerschuldner. Das sind insge-samt 247 Bürger der Stadt, deren Steuerschulden gegenüber der Stadt für das Steuerjahr 2014 von einem Leu bis zu 400 Lei ausmachen. Die geplante, großzügige Solidaritätsmaßnahme wird die Sanktannaer Kommunalverwaltung schätzungsweise  nahezu 4000 Lei aus den Haushaltsgeldern kosten, wird diese aber, laut Vertreter der Stadtverwaltung, keineswegs in Schwierigkeiten bringen.

Der Stadtrat von Sanktanna - die Kleinstadt mit ihren 12.936 Einwohnern, mehrheitlich Rumänen, etwa 3,5 Prozent Deutsche (1977 machte die deutsche Bevölkerung mit 6.500 noch die Hälfte aus) , ist heute der zweitgrößte Ort des Kreises Arad nach der Kreishauptstadt Arad - befindet sich seit den letzten Lokalwahlen fest in den Händen der Opposition: 12 Stadträte gehören der neuen Partei der Nationalliberalen, sieben der PNL und fünf der PDL, an, PP-DD hat drei, die Regierungspartei PSD jedoch nur zwei Vertreter im Stadtrat.
Die Ortschaft, 22 Kilometer von Arad entfernt, in der fruchtbaren Arader Ebene am Fuße der Westkarpaten gelegen, lange Zeit mit ihrer zahlenmäßig großen Gemeinschaft von Banater Schwaben als größte deutsche Gemeinde Rumäniens angesehen, wurde 2003 in den Rang einer Stadt erhoben. Sie zählt heute, Jahr für Jahr, nachweisbar zu den bestbewirtschafteten Ortschaften des Landkreises Arad. Bekanntlich fand die deutsche Ansiedlung der Gemeinde 1742 statt, eine erste deutsche Siedlergruppe soll schon 1736 hier angelangt sein. Als Gründer und Kolonisator der Gemeinde gilt der Baron Jakob de Bibich, ein Grundherr der Zarander Gegend. Einige der Söhne der banatschwäbischen Gemeinschaft aus Sanktanna wurden weltberühmt: So der Kapellmeister Lambert Steiner, der Nobelpreisträger Prof. Dr. Stefan W. Hell oder Anton Wekerle, ehemals hoher Justizbeamter im US-amerikanischen Kongress.
Jährlich, Anfang August, veranstaltet die kleine, aber aktive deutsche Gemeinschaft in Zusammenarbeit mit der HOG Sanktanna, tatkräftig unterstützt von der Stadtverwaltung, das wohl größte Kirchweih- und Brauchtumsfest der Westregion. Im Sommer 2014 marschierten hier 20 Kirchweihpaare in der traditionellen banatschwäbischen Tracht von Sanktanna (schwarz und weiß) nach alter Sitte auf, an dem Fest beteiligten sich 400 Personen aus dem In- und Ausland.

Kommentare zu diesem Artikel

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*