Klöster, tiefe Wälder und die letzte Waldbahn der Karpaten

Eindrücke einer Reise aus der Ebene der Republik Moldau bis in die rumänischen Waldkarpaten

Sonntag, 29. Oktober 2017

Blick über die Landschaft des historisch-archäologischen Komplexes Orheiul Vechi mit den Steilhängen am Fluss Răut

Mit der Wassertalbahn tief hinein in die Wälder des Naturparks Maramuresch

Ein „Magazin Mixt“ in der Maramuresch: Dorfladen und Treffpunkt mit Bier vom Fass
Fotos: der Verfasser

Chişinău, Hauptstadt der Republik Moldau – nicht gerade ein typisches Urlaubsziel, aber doch ein idealer Ausgangspunkt für eine Reise durch die faszinierenden Kulturlandschaften der Moldau, der Bukowina und der Maramuresch. Von Berlin ist Chişinău im Direktflug in nur zwei Stunden zu erreichen und bietet gute Hotels, die ansonsten in Moldawien noch eher selten sind. Von Chişinău führte uns ein Tagesausflug zum historisch-archäologischen Komplex Orheiul Vechi ca. 50 Kilometer nordöstlich von Chişinău.

Wir lassen uns mit dem Taxi nach Butuceni fahren, ein kleines Dorf am Fluss Răut nahe der historisch bedeutsamen Stätten. Von Butuceni unternehmen wir eine Tageswanderung entlang der Flussschleifen des Răut, besuchen unterwegs ausgewählte Orte des historisch-archäologischen Komplexes Orheiul Vechi und genießen ansonsten die Ruhe der moldauischen Provinz. Die Landschaft hier ist zauberhaft: Das Federgras weht im Wind und von den Steilhängen des Flusses Răut hat man einen wunderbaren weiten Blick über das Land.


Republik Moldau


Sonnenblumenfelder und Weinreben und eingestreut kleine Dörfer, so präsentiert sich das ländliche Moldawien im Sommer 2017. In den Dörfern fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt: Die Dorfstraße ist eine staubige Sandpiste, hin und wieder ein Brunnen, aus dem die Bewohner ihr Trinkwasser holen, kleine Häuser und große Nutzgärten, die der Eigenversorgung dienen. Nur auf den ersten Blick ein idyllisches Bild, denn diese Situation ist auch Ausdruck der Armut und Strukturschwäche, die ganz Moldawien prägt und nach wie vor viele Menschen bewegt, das Land in Richtung EU zu verlassen. Orheiul Vechi mit seinen archäologisch-historisch bedeutsamen Stätten aus früh- und spätmittelalterlicher Zeit, einem Höhlenkloster und einer wirklich bezaubernden Landschaft ist aber unbedingt einen Ausflug wert. Auf der Rückfahrt in die Hauptstadt Chişinău fallen uns die großen und teilweise schon arg heruntergekommenen Plattenbaukomplexe auf, die noch aus sowjetischer Zeit stammen und markant die Grenze von Stadt und Land anzeigen. Das Stadtzentrum von Chişinău ist geprägt durch repräsentative Regierungsbauten und ausgedehnte Parkanlagen, die sich beidseitig entlang des nach dem Nationalhelden Stefan dem Großen benannten zentralen Boulevards ziehen. Hier im Stadtzentrum finden sich auch einige ansprechende Hotels, die sich als Standort für die touristische Erkundung Moldawiens anbieten.


Bukowina

Die Republik Moldau gehört nicht zur EU und so konnten wir beim Grenzübertritt nach Rumänien erleben, was es bedeutet, eine EU-Außengrenze zu überschreiten. Personen- und Gepäckkontrolle – so wurde auch ein Blick in jeden Koffer geworfen und erst dann konnte es weiter nach Rumänien gehen, ungewohnt, zumindest wenn man sich ansonsten überwiegend im Schengen-Raum bewegt. Unser nächstes Ziel war die kleine Gemeinde Vama in der rumänischen Bukowina, die wir von der ostrumänischen Stadt Jassy/Iaşi mit dem Zug erreichen konnten. Von Vama sind viele der Klöster der Bukowina auch mit dem Mikrobus erreichbar. Die Klöster der Bukowina mit ihren leuchtenden und spektakulären Außenfresken gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe und machen die Bukowina zu einem ganz besonderen Reiseziel. Nach der langen Tour mit Bus und Bahn wollten wir in der Bukowina wandern und hatten von einem alten Verbindungsweg zwischen den Klöstern Suceviţa und Putna gehört. Mit dem Mikrobus erreichten wir unseren Ausgangspunkt, das Kloster Suceviţa. Von dort führte tatsächlich ein überwiegend sehr gut markierter Weg zum nahe der rumänisch-ukrainischen Grenze gelegenen Klosterdorf Putna. Wir haben ca. fünf Stunden für die rund 18 Kilometer gebraucht. Der Weg führte durch Buchen-Tannen-Mischwälder und unterwegs begegneten uns immer wieder Einheimische, die mit Pferd und Wagen Brennholz aus dem Wald holten. Die alten Verbindungswege zwischen den Klöstern und die Hirtenpfade könnten die Basisinfrastruktur für einen Wandertourismus in der Bukowina darstellen und Kultur- und Naturtourismus miteinander verknüpfen. Wir fanden die Idee, von Kloster zu Kloster zu wandern, faszinierend, aber bisher fehlt es noch an Wegmarkierungen und Wanderkarten. Übernachten kann man schon heute in sehr stilvollen Landpensionen mit guter regionaler Küche und eingebettet in die wunderschöne Hügellandschaft der Bukowina.


Maramuresch und Wassertalbahn

Über den Prislop-Pass (1416 Höhenmeter über Normalnull) in den Ostkarpaten führte unser Weg dann in die Maramuresch und nach Oberwischau/Vişeu de Sus. Eine mühsame Tour, da die Passstraße auf einer Länge von fast 80 Kilometern seit vielen Jahren eine Baustelle ist und man zeitweise nur im Schritttempo vorwärts kommt. Oberwischau ist aber ohne Frage ein idealer Standort für die Entdeckung der Waldkarpaten, denn von hier startet die einzige, noch aktive Waldbahn Europas, die Wassertalbahn, in die tiefen Wälder der Maramuresch. Mit der Wassertalbahn wird auch heute noch das Holz aus dem Wald geholt, daneben wird sie aber auch intensiv touristisch genutzt und bringt jedes Jahr Tausende Touristen tief hinein in den Naturpark Maramurescher Gebirge. Die Bahnstrecke verläuft insgesamt über 40 Kilometer entlang des kleinen Flusses Wasser/Vaser, von denen die ersten 20 Kilometer auch von den Touristenzügen mit Dampf- oder Diesellok befahren werden. Eine Fahrt mit der Wassertalbahn ist für Eisenbahn- wie auch Naturfreunde ein echtes Erlebnis und stellt mittlerweile für die Region ein bedeutendes touristisches Potenzial mit erheblicher regionalwirtschaftlicher Bedeutung dar.

In den Monaten Juli und August sind die Fahrten bereits Tage im Voraus ausgebucht, aber die Maramuresch lädt auch zum Wandern ein. Neben den Wäldern sind es die historischen Kulturlandschaften mit ihren Streuobstwiesen, Heuwiesen und kleinen Dörfern, die das Wandern dort erlebenswert machen. Allerdings ist es nicht ganz einfach, den richtigen Weg zu finden und am Ende auch am gewünschten Zielort anzukommen, denn auch in der Maramuresch fehlen noch Wanderkarten in geeignetem Maßstab und Wegmarkierungen. Die Versorgung unterwegs ist dagegen kein Problem. In jedem noch so kleinen Dorf findet sich ein „Magazin Mixt“ (Dorfladen), wo man freundlich empfangen und bedient wird.

Unser Fazit: Die südosteuropäischen Kulturlandschaften Moldau, Bukowina und Maramuresch sind - obwohl, oder vielleicht gerade weil man nicht an allen Orten die perfekte touristische Infrastruktur vorfindet - unbedingt eine Reise wert.  In diesem Sinne „la revedere“– auf Wiedersehen!

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