Koalition will angeblich nicht für Referendum werben

Dăncilă verwechselt Protestanten mit Protestlern

Freitag, 28. September 2018

Bild: pixabay.com

Bukarest (ADZ) - Weder die PSD noch die ALDE wollen angeblich die Werbetrommel für das am 6. und 7. Oktober angesetzte Referendum zur Verankerung des Verbots der gleichgeschlechtlichen Ehe in der Verfassung rühren.

Regierungschefin Vasilica Viorica Dăncilă (PSD), die am Mittwoch in Brüssel bei einem Treffen mit der Fraktion der Progressiven Allianz der Sozialdemokraten (S&D) herbe Kritik wegen des homophoben Referendums einstecken musste, versicherte den S&D-Europaparlamentariern schließlich, dass ihre Partei „nicht für das Referendum werben wird“. De facto tut es die PSD indes schon längst – und zwar auf ausdrückliches Geheiß von Parteichef Liviu Dragnea hin. Bezüglich der Gewalt vom 10. August gegen die mehr als 100.000 Antiregierungsdemonstranten befragt, sagte Dăncilă, dass „brutale Protestanten“ die Gendarmerie tätlich angegriffen hätten.

Seinerseits stellte auch Senatschef Călin Popescu Tăriceanu nach einem Treffen mit Mitgliedern der Fraktion der Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa (ALDE) klar, dass seine Partei sich „in keiner Form“ in die Kampagne für das umstrittene Referendum einbinden werde.

Kommentare zu diesem Artikel

Heinrich, 29.09 2018, 23:39
Nur noch 30 Prozent müssen zur Wahl gehen, = knapp 6 Millionen. Die Mindestbeteiligung wurde mal geändert. Befürchtet wird, dass in der Nacht zwischen den Wahltagen das Quorum erreicht wird...
Alex, 28.09 2018, 19:32
Absolut Manfred. Die Kirche hinkt leider grundsätzlich der gesellschaftlichen Entwicklung hinterher und wirkt oft wie ein Klotz am Bein. Eigene kapitale Fehler schweigt sie tot und in Rumänien pinkelt ihr sowieso keiner ans Bein. Deshalb trauen sie sich so gut wie überall einzumischen. Schon krass, welche prachtvolle Gottesbauten hingestellt werden, gleichzeitig jammern alle, dass es kein Geld für Krankenhäuser gibt. Hinsichtlich der Wahlbeteiligung hoffe ich tatsächlich, dass keine 50% zusammen kommen. Ansonsten fürchte ich schlimmes für die Homosexuellen, die in keiner Weise diskriminiert werden dürfen, weil sie so sind wie sie sind...
Manfred, 28.09 2018, 17:10
Vermutlich gibt es sogar eine deutliche Mehrheit,Alex.Aber bedingt durch die Wahlmüdigkeit und diverser Boykottaufrufe ist es durchaus möglich,das die geforderte 50%-ige Wahlbeteiligung nicht erreicht wird und damit ungültig ist.Der Kirche stände es gut zu Gesicht,sich an diverse pädophile Verbrechen Ihrer Geistlichen zu erinnern....und zu schweigen!
Alex, 28.09 2018, 14:11
Dass die Kirchen gegen die gleichgeschlechtliche Ehe stimmt, ist völlig klar. Die Kirche setzt doch voll auf die Paarung Mann und Frau, deshalb erschuf Gott ja nicht nur Adam, sondern auch Eva. Die Kirche ist auch für Vermehrung (s. Abtreibungswiderstand) und herkömmliche Vermehrung erfordert nun mal die Partnerschaft von Mann und Frau. Fatal ist aber, dass die Kurche auf Grund der z.T. größen Frömmigkeit einen unglaublich starken Einfluss auf die Menschen in Rumänien hat. Das wäre noch ein Indiz dafür, dass die Wahl vermutlich gegen die gleichgeschlechtliche Ehe ausfallen wird. Hoffentlich liege ich mit meiner Analyse falsch...
Eduard, 28.09 2018, 11:29
Auch die Kirchen, die ja im Gottesdienst ihre Gläubigen zur Zustimmung des Referendums aufrufen, begeben sich in dieses ungute Spannungsfeld.
Alex, 28.09 2018, 10:06
Die gleichgeschlechtliche Ehe wird in Rumänien wahrscheinlich auf langer Sicht keine Chance haben. Hier ist aber ausnahmsweise nicht die Regierung schuld. Es ist die Mentalität der Menschen. Genauer gesagt ist es die mangelnde Toleranz gegenüber Andersdenkenden bzw. Andersfühlenden. Neben der Korruption und der mangelnden Freiheit von Meinung und Selbstbestimmung ist das ein zentraler Punkt, in dem sich West- und Osteuropa deutlich unterscheiden. Deshalb sind diese Länder wesentlich anfälliger für Rassismus, Diskriminierung, Nationalismus und anarchische Strukturen. Selbstverständlich gibt es das auch im Westen, allerdings sehen wir es im Osten wesentlich schärfer und kompromissloser. Selbst innerhalb Deutschlands ist ein Ost-West-Gefälle zu beobachten, denn Ostdeutschland wird auch 29 Jahre nach der Wende als deutlich radikaler wahrgenommen.

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