„Können Sie damit was anfangen?“

Spende von 23.300 Büchern zur Ergänzung des Deutsch-Unterrichts

Donnerstag, 23. Februar 2017

Liane Iunesch (l.) zeigt Anitha Komen (r.), Lehrerin am Doamna-Stanca-Nationalkolleg in Fogarasch, welche Bücher sie noch zu verteilen hat.
Foto: Michael Mundt

 Hermannstadt – Ende Januar in Hermannstadt/Sibiu: Ein Lastwagen mit österreichischem Kennzeichen erreicht die Stadt. Geladen hat er 6,3 Tonnen Bücher, das sind 15 Paletten. Liana Regina Iunesch erwartet eine weitere Bücherspende.
Schon im November nahm die Dozentin an der Fakultät für Sozial- und Humanwissenschaften der Lucian-Blaga-Universität eine Spende von 1600 Bücher aus Südtirol entgegen. Ihre Studentinnen haben damals die schweren Kisten entladen. Dieses Mal reichen die fleißigen Hände der angehenden Grundschullehrerinnen allein allerdings nicht aus. Schon der Lastwagen ist viel zu groß, um überhaupt durch die kleine Toreinfahrt in Neppendorf/Turnişor zu gelangen. Schweres Gerät muss her. Helmut Lerner muss her. Es gibt nichts, was der Kulturreferent des Hermannstädter Forums nicht organisieren könnte. Finanziert vom Forum lässt er umgehend einen Gabelstapler anrücken. Begonnen hat die riesige Bücherspende mit einem Telefonanruf. Maria Pichlbauer vom Landesschulrat für Steiermark berichtet von Mangelexemplaren, die der Veritas-Verlag einstampfen lassen will. „Können Sie damit was anfangen?“, fragt sie Liane Iunesch. Diese sagt sofort zu. Von vier Paletten war zu Beginn die Rede, in der Scheune des GreenHouse stehen nun fünfzehn. Alfred Schneller von „Veritas“ hat im Verlag noch nach weiteren Büchern für Hermannstadt gesucht, und gefunden.

Und nicht nur für Hermannstadt. Lehrerinnen aus Agnetheln/Agnita, Großpold/Apoldu de Sus, Heltau/Cisnădie, Kronstadt/Braşov und Reen/Reghin haben sich schon Bücher abgeholt. An einem Freitag im Februar parkt der Wagen von Anitha Komen im Hof des Gästehauses. Kiste um Kiste laden Liane Iunesch und Magdolna Szöcs in den Kofferraum des Kleinwagens. „Das sind Bücher für die siebte Klasse. Wie viele benötigen Sie für die achte Klasse?“ Hunderte Bücher sind es schlussendlich, die die Lehrerin aus Fogarasch/Făgăraş mit an das Doamna-Stanca-Nationalkolleg nimmt. Mehr haben in das kleine Auto nicht hineingepasst. Mehr als 15.000 Bücher für die Vorschulklasse bis zur 12. Klasse, haben Liane Iunesch und Magdolna Szöcs in den letzten Wochen schon verteilt. Magdolna Szöcs ist die treue Seele an der Seite von Liane Iunesch. Sie sowie Anamaria Popa und Anamaria Orian haben alle gespendeten Bücher gezählt: 23.300. Dazu achtzehn Mal Achim. „Achim haben wir ganz zum Ende entdeckt. Wir hatten schon fast alle Bücher gezählt, da stand auf einer der letzten Kisten ‘Bitte nicht belasten’. Achim ist eine Handpuppe, ein Geist. Er hat einen Hut wie eine Fibel auf dem Kopf und aus diesem kommen Buchstaben und Geschichten heraus. Wir haben uns riesig gefreut“, sagt Liane Iunesch begeistert.

Nach dem Zählen haben die vier Frauen eine Liste mit allen Buchtiteln und der entsprechenden Anzahl an Exemplaren an das Zentrum für Lehrerfortbildung in Mediasch geschickt. Von hier ging ein Rundschreiben an alle Deutschlehrer im Land. Sechs Seiten hatte die Liste. Nun lichtet sich langsam der Wald von Büchern. „Für die Schulkommission des Forums werden wir die restlichen Bücher noch einmal zählen und die Schulen informieren. Wer noch Bücher haben möchte, kann diese dann bei der Landesvertreterversammlung im März abholen“, so Liane Iunesch.  Und auch Maria Pichlbauer freut sich. Sie freut sich, dass man sich in Rumänien freut und ist stolz auf die vielen Helfer: auf Alfred Schneller, den Veritas-Vertreter mit großem Herz; den Spediteur mit seinen tüchtigen Mitarbeitern; den Landesschulrat für Steiermark sowie die Schulaufsicht, „weil man hier den Wert der europäischen Zusammenarbeit für die Bildung erkennt und fördert“; die Europäische Union, „die mit dem Austauschprogramm Erasmus+ Lehrer, Studenten, Schüler und Schulbehörden zusammenbringt; und natürlich auf Liane Iunesch. „Es macht auch mich glücklich und stolz, hier dabei sein zu dürfen. Das ist mein Europa. Da bin ich daheim.“

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