KOMMENTAR: Gockel unter Geleitschutz

Mittwoch, 24. August 2016

Zehn Monate sind´s her, seit der Verkehrspolizist Bogdan Gigină (28) am 20. Oktober 2015 als Begleitschützer von Innenminister und Vizepremier Gabriel Oprea bei einem Verkehrsunfall umkam. Gabriel Oprea wurde vier Monate danach (5. 2. 2016) unter Strafverfolgung gestellt: Amtsmissbrauch mit Todesfolgen. Das Strafdossier wanderte wie ein heißes Eisen von der Staatsanwaltschaft des Gerichts Bukarest zu jener des Obersten Justiz- und Kassationshofs und zuletzt zu den Staatsanwälten der Antikorruptionsbehörde DNA. DNA-Chefin Laura Codruţa Kövesi hat im Mai den Abschluss der Strafverfolgung und die Übergabe des Dossiers an die Justiz angekündigt, ebendann erklärte Justizministerin Raluca Prună, dass es Aufgabe des Innenministeriums sei, zum Dossier Opreas noch die Kosten der Begleitschutzfahrten der Verkörperung des Über-Ichs beizusteuern.

Seither Funkstille. Wächst Gras übers Ganze?. Die Eltern des Verkehrspolizisten wurden nun über Facebook aktiv. Ihr in Ausübung der Dienstpflicht umgekommener Sohn wäre durch die absurden Verfügungen seiner Dienstherrn zu Tode gekommen, in erster Linie des Innenministers Oprea, von dem bekannt sei, dass er sich selbst zu Restaurantbesuchen unter Begleitschutz bringen ließ und dass er, um den Besuch einer Restauranttoilette zu vermeiden, sich unter Begleitschutz nach Hause fahren ließ. Und nach getanem Geschäft zurück... Bei einer einzigen Fahrt wurden bis zu 30 Verkehrspolizisten mobilisiert, was angeblich die Verkehrsbrigade der Bukarester Polizei bewogen hatte, eine Sonderabteilung Begleitschutz des Innenministers zusammenzustellen. Auch, weil deren Einsatzdienste bis zu 18 Stunden dauern konnten – behaupten die trauernden Eltern Giginăs.

Gabriel Oprea hat zwischen dem 2. Januar und dem 21. Oktober 2015 mehr Fahrten unter Begleitschutz unternommen (1607) als der damalige Premierminister Ponta (814) und Staatschef Johannis (580) zusammengenommen. U.a. musste der Persönlichkeit des Ministers (dem man inzwischen das Abschreiben seiner Doktorarbeit nachwies) in einem dauerverkehrsverstopften Bukarest eine Reisegeschwindigkeit von 120 km/h gesichert werden, für so wichtige Termine wie Familien- und Restaurantbesuche (Toilettenbesuch in trauten Heim inclusive), Treffen mit Parteigenossen oder mal eine Regierungssitzung.

Der Gockel unter Geleitschutz, der eine der steilsten politischen Karrieren in Rumänien hinlegte (vom einfachen Polizisten zum Personenschützer des straffällig gewordenen Gewerkschaftsführers Miron Cosma, vom Intendanzoffizier zum Vier-Sterne-General, vom Gründer einer Abtrünnigenpartei zum Vizepremier und einem der reichsten Politiker), scheint unter Sonderschutz zu stehen. Keiner traut sich, ihm eines seiner dauergegeelten Härchen zu krümmen.

Das System ist der beste Schutz.

Kommentare zu diesem Artikel

Peter, 24.08 2016, 15:31
Kritiker, stimme Dir zu. Die Eliten sollten nicht mehr unter besonderen Schutz stehen, wie zu Zeiten Ceausescus.
Kritiker, 24.08 2016, 09:52
Herr Kremm - das haben Sie sehr gut beschrieben. Aber so ist es halt in Rumänien und so lange solche Verbrecher geschützt bleiben wird sich nichts ändern!

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