KOMMENTAR: Poltern reicht schon

Mittwoch, 13. Januar 2016

Der Beschützer einer Plejade von Großdieben der Postwendezeit, Ex-Präsident Traian Băsescu, ist zurück. Indem er die Führung der eigens für ihn gegründeten PMP, die er nach einigem Sich-Zieren (wahrscheinlich zwecks Aushandlung von Details der künftigen Parteiführung) als Chef übernahm und diese in den Umfragen fast augenblicklich von nichtigen 1-2 Prozent auf 6-7 Prozent hochschnellte, hat er wieder seine Qualitäten als Zugpferd bei einer bildungs- und kritikfremden Wählerschaft gezeigt.

Die von Băsescu geführte Partei und er als typischer rumänischer Dorfschenkenpolitisierer, bei dem es aufs Poltern, nicht auf Aussagen ankommt, gefährdet bereits die Partei der Wendehälse, die UNPR, des Vier-Sterne-Generals und Doktorarbeiten-Abschreibers Gabriel Oprea. Beobachter der rumänischen Inlandspolitik sprechen schon von einer Zünglein-an-der-Waage-Rolle der Băsescu-Partei PMP, von einem Regierungsmacher und Politikentscheider B²sescu, in einem Kontext, wo die PSD und die PNL 2016 voraussichtlich weder absolute Mehrheiten erzielen, noch Koalitionswillen zeigen können.

„Evenimentul zilei“, eine nicht voll vertrauenswürdige Publikation, hat Băsescu bereits zum „Politiker des Jahres 2015“ gekürt. Vergessen ist, dass unter Băsescus Fittichen Großdiebe des Schlags Dorin Cocoş, Paul Lambrino, Alina Bica, Elena Udrea, Gheorghe Ştefan, die Schmiergeldnehmergruppe des Microsoft-Skandals oder die noch unvollständig enttarnten Raffer des EADS-Skandals Riesenvermögen zusammengestohlen haben (woraus angeblich auch Băsescus Wahlkämpfe mitfinanziert wurden), vergessen ist, dass bis heute keine Klarheit herrscht über das „Verschwinden“ der Handelsflotte Rumäniens unter einen Verkehrs- und Transportminister Băsescu, vergessen ist, dass der selbe Transportminister im Brüssel lauthals versichert hat, Rumänien brauche bis 2025 keine Autobahnen, das könne sich Brüssel als Haushaltsposten ruhig sparen, vergessen ist, dass die Regierungszeit 1997-2000 durch das Larvieren Băsescus die unstabilste der Nachwendezeit in Rumänien war, vergessen ist auch, dass die Regierung Victor Ciorbea gestürzt wurde, als dessen Kontrollkorps nachzuforschen begannen, wieso Băsescu in einer Protokollvilla der Regierung wohnt – wozu er kein Recht hatte...

Der Populist und Demagoge Traian Băsescu, während dessen Mandat als Bukarester Oberbürgermeister viele teure EU-Großprojekte der Hauptstadt versenkt wurden durch seine Arroganz und die Kompetenzlosigkeit derer, mit denen er sich umgeben hat (u.a. Sulfina Barbu und Elena Udrea), der sich als Reformer der Justiz ausgibt, wo er die „Anklagedossiers auf Bestellung“ eingeführt und das haltlose Abhören durch die Geheimdienste legitimiert hat - er sitzt wieder fast täglich in den Talk-Shows der Privatsender, wo er lustvoll seine Gossenweisheiten als ultima ratio der Bukarester Politik vertritt.

Da lob ich mir den schweigenden Aussitzer Klaus Johannis! Wenn der nur ab und an eine Rede an die Nation hielte...

Kommentare zu diesem Artikel

Ottmar, 15.01 2016, 12:33
@Kritiker, der Bericht von Herrn Kremm war sehr ausgewogen. Wenn Rumänien damals als Alternative nur diesen Basescu hatte, ist das schon ein furchtbares Land. Heute kommt schon wieder ein Bericht über den Polizeichef von Sinaia. Herr Kremm kann nichts Gutes schreiben, wo es nichts Gutes gibt und er kritisiert auch Johannis oder hast du den letzten Satz nicht gelesen. .
Kritiker, 14.01 2016, 11:35
Warum wird immer Basescu an den Pranger gestellt? Herr Kremm was hat er Ihnen getan? Ohne Basescu wäre alles noch viel schlimmer gekommen! Ich bin hier der gleichen Meinung wie Tourist.
Tourist, 13.01 2016, 14:13
ja, Basescu ist ein Radaubruder, hat ein loses Mundwerk und ist sicher kein Intellektueller. Seine Amtszeit hatte jedoch auch gute Seiten. Ihm ist es gelungen die Bukarester Schlangengrube halbwegs im Zaum zu halten und unter ihm hat Rumänien eine Zeit der Stabilität und des steten Fortschritts erlebt: der EU-Beitritt, die Westausrichtung der Politik und Wirtschaft, etc. Und vergessen wir nicht, wäre nicht er 2004 Präsident geworden, wäre es Adrian Nastase geworden.
Weluto, 13.01 2016, 10:56
Hallo Herr Kremm, vielen Dank für diesen aufschlußreich recherchierten Kommentar über die politische Situartion der allseits bekannten Großdiebe in Rumänien. Sehr beruhigend wirkte Ihr letzter Satz.......

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