KOMMENTAR: Ponta der Erpresser

Mittwoch, 14. September 2016

Vergangene Woche wurden an dieser Stelle die Hauptexponenten neo-nationalistischer faschistoider Aussagen in Rumänien genannt. Auch Victor Ponta. Etwa zeitgleich gab er zu, Bogdan Diaconu zu beraten, den Führer der PRU (=Partidul România Unită), der oft ultranationalistisch, xenophob und neofaschisch agiert.

Die PRU steht seit Wochen in der Aufmerksamkeit der Bukarester meinungsbildenden Medien und der aalglatte prinzipienfreie Ponta setzt darauf, wenn er hofft, bald vom Exekutivkommittee seiner PSD neuerlich für die Parlamentswahl vom 12. Dezember aufgestellt zu werden. Die halbmündig-volle Unterstützung seines Parteivorsitzenden Liviu Dragnea soll er dazu haben.

Ponta spielt wieder mal das nationale Unschuldslamm: er habe keineswegs im Sinn, die Frührung der PRU zu übernehmen. Das klingt wie eine Drohung, ruft man sich in Erinnerung, wie er im Komunalwahlkampf durch die Lande zog und vor einer herdenhaft reagierenden Sympathisantenmasse den großen PSD-Macher gab – und das in seiner aktuellen Eigenschaft als einfaches PSD-Mitglied.

Jetzt spielt Ponta den rechten Polit-Strategen: „für die PSD und für Rumänien wäre es günstig, eine nationale, eine nationalistische Partei zu haben“, deklarierte er auf dem Propagandasender B1TV. Und setzte noch eins drauf: er glaube an die Gunst und Lebensfähigkeit einer Regierungsallianz aus PSD, PRU und ALDE (letztere des sich zunehmend radikalisierenden Senatschefs Călin Popescu-Tăriceanu, der sich zum Hauptattackenführer gegen Präsident Johannis aufzuschwingen bemüht). Das sagte das einfache PSD-Mitglied Ponta, obwohl sein Parteichef Liviu Dragnea knapp zuvor gerade eine solche Regierungsallianz ausgeschlossen hatte, weil die PRU, ähnlich wie eine gleich orientierte Partei aus Polen (Zmiana, „deren Leader“, Mateusz Piskorski, „verhaftet wurde“ wegen „Spionage zugunsten Russlands“) „aus dem Osten finanziert“ werde. PRU-Chef Bogdan Diaconu erfreut sich seit 2012 höchster Wertschätzung der „Stimme Russlands“ und von „Sputnik“, deren Rumänischsendungen in Süd- und Ostrumänien sowie in Moldawien eine stabile Hörergemeinde haben. Allerdings liegt dieser Diskurs auch dem Senatschef quer im Magen, der immerhin eine liberale Erziehung genoss.

Die Beziehungen zwischen Ponta und Diaconu sind nicht neu. 2012 kandidierte Diaconu auf den PSD-Listen der USL, auf ausdrücklichen Wunsch und Empfehlung von Victor Ponta, damals Parteichef und bald darauf Regierungschef. Diaconu steht dem Polen Piskorski nahe, der im „Sputnik“ Beiträge gegen EU und Nato veröffentlicht. Die PRU hat durch ihren USA-Vizepräsidenten Ovidiu Hurduzeu einen, der immer wieder Rumäniens EU- und Nato-Austritt fordert. Ganz im Sinne Russlands.

Ponta als Erpresser Dragneas oder als Chef in spe der Neo-Nationalisten Rumäniens?

Oder beides?

Kommentare zu diesem Artikel

Peter, 20.09 2016, 09:26
@Tourist – Ihr Kommentar erinnert mich stark an die Verhältnisse in Bayern zu Zeiten von Franz Josef Strauß. Er konnte auch machen und sagen was er wollte. Besonders in ländlichen Regionen war ihm die absolute Mehrheit immer sicher. Jetzt wird mir einiges klar und ich verstehe die Rumänen ein klein wenig besser.
Danke für diesen Beitrag!
Tourist, 19.09 2016, 22:19
derzeit sehe ich keine Gefahr von ganz rechts in Rumänien. Die echten Nationalen, die unter der männlichen urbanen studentischen Jugend nicht wenige Anhänger haben, würden einer Witzfigur wie Ponta nie folgen. Die ländlichen Dorfbewohner in der Walachei und Moldau wählen sowieso die PSD, egal was die sagen. Eine charismatische Figur wie Corneliu Vadim Tudor gibt es derzeit nicht.
Peter, 19.09 2016, 11:53
@Tourist - Beachte bitte den ersten Satz meines Kommentars: „Interessante These!“ Das wichtigste für die Demagogen ist, das die Menschen Angst haben, es ihnen so richtig schlecht geht und sie glauben das Andere daran schuld sind. Schon oft habe ich den Satz, aus rumänischen Mund gehört: Früher hatten wir wenigstens Arbeit! Es braucht nur die Richtige Hetze und das Volk wird sich neu orientieren. Zu Iliescu, während und direkt nach der Revolution war niemand anderes da. Eine Opposition wurde schließlich über Jahrzehnte verhindert, auch Ceausescu wurde vom Westen hofiert, das ist also ohne Bedeutung. Wie sich auch Iliescu jetzt verhält, war er damals ein Freund der Sowjetunion und seine Art des Regierens erinnert sehr stark an die, in den Zeiten des Kommunismus – Regieren mit Seilschaften, den Resten der Securitate und versuchen eine Opposition zu verhindern, ich sage nur: Bergarbeiter aus den Schiltal.
Ich finde dieses Szenario nicht so abwegig ist.
Kritiker, 18.09 2016, 10:37
@Tourist - für die Unterstützung der Amis hat sich Iliescu dann als Präsident bedankt indem er ohne Information des Volkes bzw. Zustimmung des Parlaments amerikanische Geheimgefängnisse in Rumänien genehmigt hat. Auch dafür gehört dieser Gauner zur Verantwortung gezogen.
Kritiker, 18.09 2016, 10:00
@Tourist - auch die Amis können irren (wie schon so oft passiert)! In der Ausgabe 5/1990 des Spiegels wird Iliescu wie folgt zitiert: "Das Mehrparteiensystem ist ein überholtes Modell der Demokratie und sagt uns nicht zu". So spricht nur ein Kommunist!
Tourist, 17.09 2016, 21:31
@Peter: so ein Blödsinn. Die Einstellung zu Russland korreliert in Rumänien nicht mit links oder rechts. Es gibt glühende rechte Russenhasser, die Russland die ganze Schuld am Kommunismus geben. Daneben gibt es gut vernetzte transatlantische links-liberale Politiker, die gegen Russland reden, einfach weil sie NATO-hörig sind und in entsprechenden Think-Tanks und Privatuniversitäten gebrieft wurden. Dann gibt es die religiösen, orthodoxen Patrioten, die wegen der gemeinsamen Religion und Geschichte Sympathien mit Russland haben. Dann gibt es überzeugte Linke, die der Sowjetunion nachtrauern und deshalb nach wie vor mehr nach Osten wie nach Westen schauen. Und zu Iliesco noch was: der war die Wahl der USA. Radio Romania Libera (ein CIA-Radiosender) hat ihn damals zur führenden Figur hochstilisiert und so an die Macht gebracht.
Peter, 15.09 2016, 12:12
Interessante These! Moskaus Marionetten an der Spitze der osteuropäischen Staaten? Daher könnten die ganzen Sprüche gegen die EU und NATO kommen. Förderung des Nationalismus, die Folge ist der Austritt aus EU und NATO, anschließend kommt die Abhängigkeit von Moskau. Hätte nie gedacht das sich die Geschichte wiederholt, nur hat das Kind diesmal einen anderen Namen, anstelle Kommunismus jetzt Nationalismus. War doch Iliescu als zu moskaufreundlich, bei Ceausescu, in Ungnade gefallen und Ponta ist sein politischer Ziehsohn.
Manfred, 14.09 2016, 13:15
Da hat er recht,der gute Herr Kremm...Ponta ist charakterlos und so glatt,dagegen ist der Aal ein Pelztier !
Tourist, 14.09 2016, 10:43
B1TV ist doch kein Propagandasender, sondern eher sogar noch einer der seriösesten Privatsender im Lande. Es kommen halt alle Seite dort zu Wort.

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