KOMMENTAR: Wurzeln des Katz-und-Maus-Spiels

Mittwoch, 15. Juni 2016

Dacian Cioloş, der von der PNL zwecks Aushängeschild zur Parlamentswahl im Herbst umgarnte Premier Rumäniens, ist die Gestalt eines Mittlers rumänischer Facon. Zwischen einer Politikerkaste („-klasse“ setzt – nicht vorhandenes - Bewusstsein voraus), die die Hebel der Gesetzgebung zum Eigennutz und –schutz einsetzt, und zwischen einer Wählermasse („Bürger“ sind es noch nicht), die zunehmend Politikekel spürt. Zwischendrin Cioloş.

In der Ed. Enciclopedică erschien 2015 „Constantin Mavrodordat. Reformatorul“ von Florin Constantiniu. Beim Lesen fällt die Parallele zwischen Cioloş und den Phanarioten (1711-1821) auf, Griechen aus dem Istanbuler Stadtviertel Phanar, die, vom Sultan mit einem Wojwodenkaftan ausgestattet, in die Walachei und die Moldau geschickt wurden, um zu herrschen: für die Türken aus der Rajah den jährlichen Tribut einzutreiben. Die in der Schulgeschichte vielbeschimpften Phanarioten waren Mittler zwischen den tributpflichtigen christlichen Rajahs Walachei und Moldau und der Hohen Pforte – die Ähnlichkeit mit Cioloş als Eurokrat ist offensichtlich.

Die Kastenpolitiker versuchen, aus seiner Regierung auszuquetschen, was ihnen populistische Punkte für den Parlmentswahlkampf bringt, ohne eine Verpflichtung einzugehen und an der Kandare gehalten zu sein. Sie wälzen alle Antipathieen des Wählervolks auf die „Technokraten“ der Cioloş-Regierung ab und tunken Präsident Johannis bei jeder Gelegenheit gleich mit ein. So praktisch ist der Mittler Ciolo{ für die Nachfolger der Bojaren.

„Byzanz nach Byzanz“ nannte Nicolae Iorga die Phanariotenzeit – das enthält auch das Positive, denn durch´s Überleben von Byzanz wurde griechische Antike konserviert – die auch reformatorisch auf die Donaufürstentümer wirkte. Solche Aspekte bemüht sich der Historiker Florin Constantin anhand des Constantin Mavrocordat herauszuarbeiten, der als 20jähriger auf den Fürstenthron der Walachei gelangte, mal in der Moldau, mal in der Walachei zum Fürsten ernannt, rund 30 Jahre herrschte und vorsichtig Reformen initiierte – vor allem in der Verwaltung, jeweils, indem er ungeschriebene Gestze übernahm und vorsichtig zurechtbog. „Logik des Treibsands“ (Constantiniu).

Fürsten aus dem Phanar waren Mittler, die in der Mangel saßen. Kunst des Seiltanzes war gefragt. Die Bojaren mussten bei der Stange gehalten werden, weil sie Unbeliebte in Istanbul anschwärzten oder einfach stürzten. Die Hohe Pforte musste stillgehalten werden, indem ihr Geldhunger befriedigt wurde. Die freien Bauern mussten so geführt werden, dass ihre ausgeklügelte Taktik des Drückens vor Abgabenzahlungen ausgehebelt wurde. Daraus entstand ein nationales Katz-und-Maus-Spiel – wie wir es heute noch erleben, mit Verfeinerungen, die nun DNA, ANAF, SRI, Parlament usw. heißen.


 

Kommentare zu diesem Artikel

Peter, 18.06 2016, 15:43
Seit der Osmanenherrschaft (Türkenherrschaft) hat sich nichts geändert! Die Exkommunisten machen nahtlos weiter. Sie versprechen das Blaue vom Himmel und wissen, das sie diese nicht einhalten werden. Alles was schlecht ist, dass haben die Anderen veranlasst. Die Regierung versucht, in kleinen Schritten das Leben erträglicher und gerechter zu gestalten. Das Erschreckende ist, das der Ru­mä­ne ihnen alles glaubt und die bestimmt wieder wählt.
Fred, 16.06 2016, 07:21
Sehr geehrter Herr Kremm
Mit Ihrem Kommentar haben Sie uns gezeigt, dass Sie überdurchschnittlich gebildet sind. Können Sie uns einfacheren Menschen in drei Sätzen auch noch zusammenfassen, was Sie uns eigentlich sagen wollten? Besten Dank.

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*