Konnten die ausgebrochenen Minke überleben?

Widersprüchliche Meinungen über freilebende amerikanische Nerze im Burzenland

Freitag, 31. März 2017

Der amerikanische Nerz sieht niedlich aus, bringt aber auch Probleme mit sich.

Bei Dumbrăviţa könnten sich amerikanische Nerze auf Kosten anderer Tierarten ausbreiten.
Foto: KR

Ein kleiner Verkehrsunfall mit andauernden Folgen: Im September 2015 ereignete sich bei einer Farm in Marienburg/Feldioara, wo amerikanische Nerze gezüchtet werden, ein Zwischenfall, der zunächst eher als Merkwürdigkeit eingestuft wurde. Bei der Einfahrt ins Farmgelände rammte ein Lkw das Tor und den Zaun, sodass mehrere Nerze oder Minke, wie sie noch genannt werden, entschlüpfen konnten. Sie retteten buchstäblich ihr Fell, denn die Holländer, die diese Firma (SC AG Roneco Farm) betreiben, verdienen nicht schlecht durch den Verkauf der Pelze. Rund 50 Euro pro Fell sei der Umsatz, laut einer RTL-Dokumentation. Für einen langen Mantel aus Nerzfell sollen im Durchschnitt 55 Nerze notwendig sein.

Dass sich solche Luxusartikel, trotz Protesten von Tierschützern, weiterhin gut verkaufen, ist offensichtlich. Ansonsten wären diese Zuchtfarmen geschlossen. In Westeuropa und somit auch in den Niederlanden wird aber die Pelztierzucht immer mehr eingeschränkt, sodass es Sinn macht, die Zuchtfarmen in andere, osteuropäische EU-Staaten zu übersiedeln, wo man mehr Bewegungsfreiheit genießt und dieselben schönen Gewinne erhofft. 2014 gründete Roneco eine erste Farm in Schirkanyen/Şercaia. Kurze Zeit später folgte eine zweite Niederlassung – jene bei Marienburg. Die Gesamtinvestition für die Farm, die ein Gelände zwischen 8 und 10 Hektar einnimmt, sollen sich auf stolze 15 Millionen Euro belaufen. Einige Dutzend Arbeitsplätze sind entstanden. Nun kam es aber zur Flucht der Nerze. Zwischen sieben und zwölf sollen es gewesen. Damit begannen auch die Schwierigkeiten für Roneco – eine Firma, die eigentlich in Ruhe ihrer Nerz-Zucht nachgehen wollte und überhaupt nicht an irgendwelchen Schlagzeilen in den Lokalmedien interessiert ist.

„Mutig“ für die einen – „ängstlich“ für die anderen

Es stellte sich heraus, dass es zu jenem Zeitpunkt zwar eine Genehmigung seitens des Kronstädter Amtes für Umweltschutz gab. Diese galt aber nur als Baugenehmigung („acord de mediu“), der die eigentliche Betriebsbewilligung („aviz de mediu“) folgen sollte. Dieser widersetzte sich die Verwaltung des nahen Schutzgebietes um den See von Dumbrăviţa. Als nun die amerikanischen Nerze entwischt waren, sahen sich die Verwalter des Schutzgebietes in ihren ärgsten Befürchtungen bestätigt. Der amerikanische Nerz (Neovison vison) sei eine invasive Spezies, die sich leicht im Burzenland anpassen könnte, und das auf Kosten seines nicht so robusten europäischen Verwandten – der europäische Nerz (Mustela lutreola). Der Mink sei „mutig“, anpassungsfähig und angriffslustig.

Als Raubtier aus der Marderfamilie ernährt er sich von Mäusen, Ratten, Schnecken, Fröschen und Fischen. Selbst an Wasservögel und anderes Geflügel wagt er sich heran. All dies steht dem Mink als Wassertier in der Umgebung von Marienburg reichlich zur Verfügung. Bis zum Altufer sind es 600 m von der Farm. Über die Nebenflüsse des Altes könnte er leicht zum Dumbrăviţa-See kommen und dort Schaden anrichten, sich vermehren auf Kosten anderer Tierarten. Auch dieses sei eine Form von Umweltverschmutzung, diesmal nicht von Schadstoffen hervorgerufen, sondern von einer Tierart, die das natürliche Gleichgewicht gefährdet, sagt der Verwalter des Schutzgebietes „Dumbrăviţa – Rotbav – Vadu Roşu“, Dan Ionescu. Außerdem könne sie leicht zum Verbreiter einer gefährlichen Tollwutart werden.

Nach dem Prinzip „Der Verschmutzer zahlt“ müsse nun die holländische Firma für den Schaden aufkommen und alle amerikanische Nerze einfangen, und das professionell mit Fallen und all den damit verbundenen Prozeduren. Es gebe Spuren und Aufnahmen von Nerzen, gleich an mehreren Stellen von Biengärten/Stupini bis Rothbach/Rotbav. Es mehren sich auch die Klagen der Landwirte über Verluste von Hühnern. War da nur der Fuchs oder der Iltis am Werk? In der Regel seien die Nerze in Bewegung zu sehen – ein Zeichen, dass es ihnen gut gehe und dass eine Vermehrung nicht auszuschließen sei. Bei „Ronaco“ spielte man die Gefahr herunter. Alle Nerz-Flüchtlinge seien eingefangen worden. Nach dem 9000-Lei-Strafgeld, das der Farm von der Kreisdirektion für Tierschutz und Lebensmittelsicherheit Kronstadt (DSVSA) aufgebrummt wurde, sind dort zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen getroffen und die Belegschaft dementsprechend geschult worden. Der amerikanische Nerz sei übrigens, erfährt man aus der Korrespondenz, die die Farm mit den zuständigen Behörden führte, ein „ängstliches“ Tier, von dem keine Gefahr ausgehe und das hierzulande in Freiheit gar nicht überleben könne.

Dem wird widersprochen, sowohl seitens der Verwaltung des genannten „Natura 2000“-Schutzgebietes als auch seitens der Rumänischen Ornithologischen Gesellschaft (SOR), wo aufgrund der Fachliteratur nachgewiesen wird, wie gefährlich eigentlich der Mink sein könnte. Diese Tierart soll übrigens von der EU-Fachbehörde bald offiziell auf die Liste der invasiven Tierarten gesetzt werden. In den letzten acht Monaten seien bei den Dumbrăviţa-Seen keine Nerze gesichtet worden, heißt es. Davon ist Dan Ionescu nicht überzeugt und warnt vor ihrer möglichen schlagartigen Vermehrung. Nachdem vor Monaten die Biber für Aufregung gesorgt hatten, weil sie sich auf dem Gelände des zukünftigen Kronstädter Flughafens bei Weidenbach eingenistet hätten, könnte nun der amerikanische Nerz der Störenfried für das Burzenland werden. Dann wäre die anscheinend harmlose Fluchtepisode vor eineinhalb Jahren nicht lediglich als „Kuriosität“ abzutun.

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