Konsumrausch auf Borg

Donnerstag, 03. Mai 2018

Symbolfoto: pixabay.com

Inflation taxiert Arme und bereichert Reiche. Ist das Vulgärmarxismus oder die populärwissenschaftliche Erklärung des Wirtschaftsphänomens, unter dem wir leiden? Der primitive wirtschaftspolitische Populismus der Regierung unter Führung einer überraschend bestellten, naiven, provokativ-frechen Hausfrau (es geht um die schnöde Abfuhr, die sie Präsident Johannis erteilt hat) muss gestoppt werden. Der von regierungshörig arbeitenden, simplen Medien propagierte Konflikt zwischen Regierungsparteien und Nationalbank BNR – gern mit dem gescheiterten präsidialen Vermittler dazwischen – ist Ausdruck der Dichotomie im Wirtschaftswurschteln der Regierenden.

Der Zynismus von Senatspräsident Popescu-Tăriceanu ist unübertrefflich: „An Inflation ist noch keiner gestorben!“ Das gilt für jeden, der im Inland Geld macht und es sofort in harter Währung in der Schweiz in Sicherheit bringt. Ruhe und Ausgeglichenheit sei laut Senatspräsident Popescu-Tăriceanu das beste Mittel gegen Inflation. Gäbe Gott, er hätte recht!

Inflation ist keine simple Preissteigerung (wie uns von Regierungsschleckern weisgemacht wird), vor allem durch ausländische Firmen oder gierige Handelsunternehmen, wie das die glorreiche Doktorin im Arbeitsministerium herum-flötet. Inflation ist ein Ungleichgewicht des Marktes, zwischen Einkommen/Kauffähigkeit und Warenangebot/Produktionskapazität. Der Grund: Das nötige, fein austarierte Gleichgewicht zwischen dem Symbolgeld/Papiergeld und dessen Bezug zur Realwirtschaft/Waren und Dienstleistungen wird gestört. Letztere müssten vom Wert des Papiergelds aufgewogen werden. Inflation heißt: mehr Geld als nötig (=Nachfrageinflation); alternativ: Kontraktion der Wirtschaft (=Angebotsinflation). Inflation ist kein monetäres Phänomen, sondern ein gesamtwirtschaftliches: die labile Asymmetrie zwischen Geldmenge und Warenmenge.

Das Bruttoinlandsprodukt Rumäniens – das „Angebot“ - war zuletzt in betontem Aufwärtstrend, nach dem Wirtschaftsschock von 2008. Problematisch die „Nachfrage“. Die jetzige Inflation Rumäniens gilt als „klassische Inflation“, hervorgerufen durch „Nachfrage“: Auf dem Markt gibt es mehr Geld, als das „Angebot“ aufsaugen kann. Dran schuld können BNR oder die Regierung sein.

Die von der Nationalbank 2017 in Umlauf gesetzte Geldmasse stieg um 11,6 Prozent gegenüber 2016, das BIP um 7 Prozent – wir befanden uns im Idealspielraum um „die 4 Prozent“, den Wirtschaftsnobelpreisträger Milton Friedman definiert hat. Das heißt: entspannte, aufmerksame, wirtschaftsfreundliche Geldpolitik, mit leichten Expansivtendenzen. Bravo BNR-Finanzpolitik!
Und die Regierung, ihre Strippenzieher im Hintergrund? 2017 leiht sie sechs Milliarden Euro (über 25 Milliarden Lei). Sie erhöht die öffentliche Verschuldung, um Versprechen einzulösen. Sie pumpt fast alles in den Konsum. Daher das Überangebot an „Nachfrage“, der Preisdruck. Nochmals Klartext: Rumäniens Inflation ist regierungsgeköchelt. Es ist eine Inflation durch Nachfrage. Die Nachfrage wird durch öffentliche Schulden genährt, wortwörtlich forciert. Hinzu kommt das hochschnellende Handelsdefizit, überhandnehmende Importe.

Fazit: Staatspolitik Rumäniens ist Schüren der Inflation, Überschuldung zwecks Wahrung eines „Lebensstandards“, den die Wahlsieger demagogisch versprochen haben. Man arbeitet kräftig am Reichwerden einiger Auserwählter. Wirtschaftsanalysten sprechen vom „ökonomischen Albtraum Rumänien“, dank einer absurden Wirtschaftspolitik, die als wohltuend fürs Land gepriesen wird. Politisch wird die Illusion des Wohlstands aufgebaut, in einem Land, das mit der sturen Konsequenz einiger Amateurökonomen in den wirtschaftlichen Ruin getrieben wird.

Jede klassische Rettungsmaßnahme der BNR ist unter solchen Umständen obsolet. Die Wurzel der Inflation, der Konsumrausch auf Borg, muss gestoppt werden.

Wer wagt es?

Kommentare zu diesem Artikel

Peter, 03.05 2018, 19:42
Herr Kremm, erklären sie diese Grundlage der Wirtschaftslehre den Rumänen. Schätzungsweise verstehen 90 % nicht was sie meinen, die glauben lieber den einfacheren Lösungen, die auch verstanden werden. Der Schritt von der Plan– zur Marktwirtschaft war doch zu groß.
"Der Zug der Lemminge: Heute stehen wir am Abgrund, morgen sind wir einen großen Schritt weiter", was in diesem Buch beschrieben wird, trifft auch auf RO zu.

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