Kontrolliere was du fühlst

Schauspielmethode in Wolfsberg vorgestellt

Montag, 07. September 2015

Können Gefühle wie Angst, Ekel, Freude, Liebe, Trauer, Neugier oder Wut auf Knopfdruck beherrscht werden? Die Meinungen unter Psychologen sind gespalten. Während viele daran zweifeln, dass Emotionen wirklich gesteuert werden können, halten andere es für durchaus möglich. Durch Training sei es möglich, emotionale Verhaltensmuster zu verändern. Jedoch nicht komplett. Weil es oft genetisch bedingt ist, können Menschen ihr Temperament nicht gänzlich ablegen. Es wird viel auf diesem Gebiet geforscht. Interesse daran haben nicht nur Psychologen sondern auch Theatermacher. Schließlich arbeitet ein Schauspieler mit nichts anderem als Emotionen. Seine eigenen Gefühle steuern können, ist für den Darsteller auf der Bühne oder vor der Kamera eine Eigenschaft, womit seine Arbeit steht und fällt.

In Wolfsberg/Gărâna haben sich auch die Schauspieler vom Deutschen Staatstheater Temeswar sowie die Studenten von der Schauspielhochschule mit ihren eigenen Gefühlen und Mitteln, diese zu steuern, auseinandergesetzt. Dafür wurden Stephan Perdekamp und Sarah Victoria vom P.E.M.-Zentrum aus Hamburg eingeladen. Perdekamp, selber Schauspieler und Regisseur, hat sich zehn Jahre lang mit der Erforschung der Zusammenhänge energetischer Organarbeit und den emotional-körperlichen Auswirkungen befasst. Er hat seine Erkenntnisse verwendet, um die nach ihm benannte Perdekamp’sche Emotions-Methode (P.E.M.) zu entwickeln. „Das Spannende ist, dass die Emotionen bei allen Menschen gleich sind“, erklärt Perdekamp. „Die Stile, mit denen sie ausgedrückt und auch gesucht werden, sind unterschiedlich. In Deutschland wird es sehr über den Kopf versucht und das hat zur Folge, dass die Körper der Menschen nicht immer mitgehen. Die Texte klingen vielleicht emotional, aber körperlich ist es eben nicht dieser Einsatz.“

Eine Woche lang arbeiteten die Schauspieler und Studenten mit Perdekamp und Victoria zusammen. „Es gibt bestimmte Gesichtsbewegungen, die zu jeder Emotion dazu gehören und die auch universell sind“, so Perdekamp. „Wir haben diese trainiert, da musste man manchmal die Gesichtsmuskulatur lockern, weil die Kulturen das unterschiedlich zulassen, dann koppelt man das mit dem Atem und dann gibt es im Körper Auslösepunkte, die man energetisch spüren kann. Wir haben Übungen, wo man immer deutlicher spürt, dass, wenn man diese ansteuert, etwas im Gesicht und Körper tatsächlich passiert. Wenn man das trainiert hat, kommen die größeren körperlichen Bewegungen, die dann dazu da sind, dass diese Bewegungsmuster, die Emotion eigentlich sind, dass die im gesamten Körper passieren dürfen und auch Blockaden aufgelöst werden. Das sind dann manchmal sehr heftige Übungen, da haben sich die Schauspieler reingeschmissen.“ Acht Stunden arbeiteten Perdekamp und Victoria mit den Schauspielern sowie Studenten zusammen. Am Vormittag wurden die Übungen zur eigenen Erkundung der Auslösepunkte gemacht, nachmittags folgten Kommunikations- und Improvisationsübungen sowie Ensemble-bildende Arbeit.

P.E.M International

Sarah Victoria ist Schauspielcoach. Sie wurde in konventionellen Schauspielmethoden ausgebildet. Als Schauspielerin auf der Bühne spürte sie allerdings immer, dass ihr etwas fehlt. „Dann habe ich Stefan Perdekamp getroffen und bin auf die P.E.M. gestoßen“, sagt sie. „ Das war für mich so ‚The Missing Link’“. Die Schauspielerin hatte nach einer Methode gesucht, um verlässlich Emotionen auf der Bühne zu erzeugen und zu steuern. „Ich leite das P.E.M. International Office. Ich reise international und bringe Schauspielern bei, einen verlässlichen, emotionalen, physischen Zugang zu Emotionen zu entwickeln.“ Trotz des intensiven Trainings hätten die Teilnehmer durchgehalten und wären offen für alle Ansätze gewesen, die ihnen die beiden Experten vorschlugen. „Rumänische Schauspieler sind die Mutigsten“, so Perdekamp. „ Das habe ich mir auch in Amerika sagen lassen. Bei zweimaliger gleicher Einschätzung muss etwas dran sein.“

„Es ist sehr spannend“, meint Victoria. „ Wir haben dieselben Übungen, die wir jedem beibringen, die Schauspieler reagieren je nach Land und Kultur unterschiedlich darauf. In Amerika sind sie an sich sehr offen, weil die Methode sehr verlässlich ist. Du kannst ganz schnell ein- und aussteigen, was für den Film sehr praktisch ist. Die Südafrikaner setzen dann total auf Emotionsfluss wie auch die Rumänen. Sie lieben den Emotionsfluss.“ Die von ihm entwickelte Methode findet heute in vielen Länder in verschiedenen Stadien Verbreitung. In Deutschland und Österreich gibt es laut der Homepage PEM-Homepage Schauspielschulen, die sowohl Kurse als auch komplette Berufsausbildung nach der P.E.M. anbieten. In Ländern wie den USA, Großbritannien, Niederlande, Südafrika, Rumänien und Griechenland bietet Stefan Perdekamp unterschiedliche Werkstätten und Kurse an.

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