Kontrovers: Part-time wird Luxus-Job

Mittwoch, 17. Januar 2018

Eine Reinigungskraft mit einer Halbtagsstelle zu finden, einen Haushaltshilfe oder Babysitterin für den Vormittag ist nach derzeitiger rumänischer Rechtslage so gut wie unmöglich, wenn die infrage kommende Person nicht bereits einen Vollzeitjob hat. Mütter mit Halbtagsstellen, Personen mit geringer Berufsausbildung, oder solche, die sich gesundheitlich angeschlagen keinen Vollzeitjob leisten können, sind dadurch derzeit in der Bredouille. Der Arbeitgeber muss nämlich für einen Teilzeitjob soviel an die Sozialversicherung bezahlen, wie für einen Mindestlohn einer Ganztagstelle erforderlich ist. Die meisten Arbeitgeber können sich einen solchen Luxus nicht leisten und deshalb ist Schwarzarbeit vorprogrammiert, auch wenn die Regierung gerade diese mit dieser Regelung vereiteln wollte.

Viele Arbeitnehmer würden ihr Personal acht Stunden lang beschäftigen, aber in Teilzeit bezahlen, so hatte die Regierung argumentiert, als sie Firmen zu höheren Abgaben verdonnerte, wenn sie Teilzeitjobs an nicht anderweitig Beschäftigte vergeben. Dass dieses Gesetz so seine Mängel hat, das gaben bei in Kraft treten im vergangenen Spätsommer selbst Spitzen des Arbeitsamtes zu. Dabei sollte die Regelung nur bis Ende des Jahres 2017 gültig sein, doch nun währt sie über die Jahreswende hinaus. Schnelles Geld scheffeln, scheint die Divise. Dass dabei viele Angestellte mit Teilzeit ihren Job verloren haben, und gar nichts mehr in die Staatskasse zahlen, scheint noch niemand durchgerechnet haben. An die betroffenen Personen, die leer ausgehen und für die niemand mehr etwas in die Rentenkasse zahlt, die keine Krankenversicherung haben, daran denkt niemand. Dabei sind gerade anfällige Bevölkerungsgruppen betroffen, über die gerade eine Sozialdemokratische Regierung ihre Hand halten müsste. Aber politische Doktrin ist den einheimischen Politikern ganz fremd. Und für vielen wohl auch komplett unwichtig: gäbe es eine solche Doktrin, müsste man ja Gewissensbisse haben. Ohne Doktrin ist man jedoch jedwelcher Verantwortung enthoben.

Kommentare zu diesem Artikel

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*