Kontrovers

Präzedenzfall nicht ausgeschlossen

Donnerstag, 13. September 2018

Rumäniens Regierung hat mal wieder so richtig den Vogel abgeschossen und über eine Dringlichkeitsverordnung am Parlament und Staatspräsident vorbei ein Gesetz nach eigenen Vorstellungen verabschiedet – mit Fachleuten hat sich wohl niemand beraten. An den Grundschulen in den Sprachen der Nationalen Minderheiten in Rumänien werden ab diesem Jahr die Schüler im Fach Rumänisch von einem Fachlehrer unterrichtet und nicht wie bisher von der jeweiligen Grundschullehrerin.

Dabei wird keine Rücksicht getragen, dass den jeweiligen Grundschullehrern/Innen ihre Fachausbildung an der Hochschule zugute gehalten wurde und sie allerlei Prüfungen Rumänisch bestehen mussten. Dazu haben Grundschullehrer - zum Unterschied von Fachlehrern die Pädagogik für Grundschullehrer studiert. Nun werden Grundschullehrer durch Rumänisch-Fachlehrer ersetzt, die bisher keinen festen Posten besetzen konnten. Entweder weil keine Stellen frei waren, oder aber, weil sie eine Benotung erhielten, die nicht ausreichte, um den jeweiligen Posten zu besetzen.

Mag sein, dass diese Maßnahme gedacht ist, in Regionen mit vielen Ungarn die rumänische Sprache zu fördern, aber deshalb sollte man nicht flächendeckend und mit einem Dringlichkeitserlass auf Feuerwehrmanns Art versuchen, das Problem zu lösen. Die guten Noten – auch in Rumänisch - beim Abitur der Schüler deutscher Abteilungen spricht Bände über die Sinnlosigkeit dieser Regelung. Und nicht zuletzt ist es ein Kostenfaktor, denn auch die zusätzlichen Rumänisch-Lehrer müssen bezahlt werden, während viele Schulen ohne eine Reihe an Funktionsgenehmigungen ins neuen Schuljahr gegangen sind, die Ausstattung nach wie vor mangelhaft ist, und die Lehrbücher oft schlecht, bzw. meist gar nicht vorhanden sind.

Nicht zuletzt ist mit diesem möglichen Präzedenzfall der gesamte Beruf des Grundschullehrers gefährdet. Denn irgendwann fällt einem Politiker oder hohen Funktionär ein, dass auch Naturwissenschaften, Geographie und Geschichte von Fachpersonal vorgetragen werden muss. Und sollte es eine ausgleichende Gerechtigkeit geben, dann wären auch die Schulen mit rumänischer Unterrichtssprache von solchen Maßnahmen nicht befreit.

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