Kontrovers

Bestechungs-Wechselgeld

Dienstag, 08. August 2017

In seinem ärmellosen Trikot und salopper Hose sah der Schaffner auf der vom Privatbetreiber Regiotrans befahrenen Strecke Temeswar – Großsanktnikolaus am Donnerstag Abend (den 3. August) so gar nicht aus, wie man sich einen Fahrkartenkontrolleur und eigentlich „Chef eines Personenzuges“ nun wirklich vorstellt. Wenn er nun eh von Eleganz weit entfernt war, wollte er zumindest galant auftreten. Der Fahrgast, der nur bis zur nächsten Gemeinde, also nach Neubeschenowa reiste, reichte dem Schaffner einen Fünf-Lei-Schein, möglicherweise nicht wissend, was denn ein solches Ticket kostet. Da jedoch diese fünf Lei den halben Preis bis nach Großsanktnikolaus ausmachen, ließ der Schaffner prompt seine menschenfreundliche Ader erkennen und gab seinem Gegenüber zwei Lei zurück. Mag sein, dass der Fahrgast sowohl mit Wechselgeld, als auch mit einem Fahrschein rechnete – letzteren bekam er jedoch nicht.

Nichts hat Eisenbahnschaffner von ihrer Marschroute der Bestechungsgelder abhalten können: Weder Über- und Überkontrollen, Gefängnisstrafen für einige ihrer korrupter Kollegen, noch der sich anbahnende Verlust des Arbeitsplatzes. Wohl wird nie jemand erfassen können, wie viele Strecken als sogenannt „unrentabel“ eingestuft wurden, weil nur ab und an jemand eine Fahrkarte löste und bloß Schmiergeld dem Schaffner in die Hand drückte. Im Nachhinein beschuldigten eben die Schwarzfahrer den Betreiber, die Strecke unverantwortlicherweise geschlossen zu haben, die Schaffner ihrerseits wollen nie etwas anders, als ehrlich ihren Dienst versehen haben.

Symptomatisch für alle Eisenbahnergebaren und für den maroden Zustand an Moral der Angestellten, Aspekt der Züge und Bahnhöfe ist wohl auch der 1. August gewesen, als um 18.50 Uhr in Neubeschenowa der Zug in Richtung Temeswar zur Abfahrt freigewunken wurde, von einem Bahnbeamten ohne jede Spur an Uniform, mit umgeschlagenen Hemdsärmeln. Anschließend fand der Mann nur mit Mühe die Tür des Bahnhofsgebäudes – unter Alkoholeinfluss ist ein solches Rechteck auch nicht leicht passierbar.

Kommentare zu diesem Artikel

konrad, 08.08 2017, 17:09
...und wenn wir einmal beim Thema sind; Da sind auch noch ( als Beispiel unter vielen moeglichen ) die Automechaniker, die mal schnell 100 lei in die Tasche bugsieren, weil der Inhaber der Werkstatt gerade nicht da ist. Oder auch der Kellner in der Dorfkaschemme, der die "nota de plata" fuer das warme Bier und den ungeniessbaren Frass auf einen Schmierzettel schreibt; das merkt der Patron sowieso nicht....und ausserdem, mit dem Salaer, das er zahlt, kann man sich sowieso nicht satt essen. Redet man ueber dieses Thema, erntet man nur Kopfschuetteln und die Aussage, man sei schliesslich in Rumaenien und hier war das immer schon so, also vollkommen normal.

Was denn, der Patron ist pleite ? Na sowas ! Der lebt doch privat auf grossem Fuss - das kann gar nicht sein, der hat doch genug beiseite geschafft, und ausserdem: es schadet ihm gar nicht, weil er ein Sklaventreiber ist. Noch Fragen ?

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