Kontrovers

Nahverkehr – fern aller Erwartungen

Dienstag, 05. September 2017

Der öffentliche Nahverkehrsbetrieb in Temeswar RATT ist seit Kurzem auf Geheiß des Kommunalrates in eine Handelsgesellschaft umgewandelt worden. Offiziell war dies notwendig, um EU-Fonds akquirieren zu können. Die  Gegenwart und die Perspektiven sind jedoch scheinbar nicht die besten und jeder Nutzer dieser Verkehrsmittel, der sich derzeit Sorgen macht, tut dies nicht zu unrecht.

Bürgermeister Nicolae Robu hatte vor etwa fünf Jahren sogar versprochen, den öffentlichen Nahverkehr in Temeswar komplett aus dem Stadthaushalt tragen zu wollen. Mittlerweile scheint er es sich längst anders überlegt zu haben – nicht tragbar schien dieses Vorhaben von Anfang an ohnehin. Was jetzt geschieht, sieht nämlich danach aus, als wolle die Stadt alle Verantwortung von sich schieben. Denn fraglich ist, ob nicht bald die Nationale Antikorruptionsbehörde anklopft, wenn die Stadt künftig eine Handelsgesellschaft subventioniert.

Ohne Subventionen kann eine wirtschaftlich geführte und auf Reingewinn angewiesene Gesellschaft einen öffentlichen Nahverkehr nicht tragen. Und die Gelder des Nahverkehrsbetriebs kommen derzeit zu Zweidrittel aus dem Stadthaushalt. Um Reingewinn zu erwirtschaften müssten die Preise bei Dauerfahrkarten und Tickets gewaltig steigen. Damit wäre Konkurrenz auf dem Markt gefragt. Doch die in solchen Situationen gerne genutzte Floskel „Konkurrenz belebt den Markt“ wäre hier eher der Weg zum Fiasko statt zur Gesundung des öffentlichen Nahverkehrs. Keine einheitlichen Abos, alles zerstückelte Einrichtungen, keine einheitlichen Anbindungen, möglicherweise noch Mieten für die stadteigenen Haltestellen.

Dabei hätte es die Stadt mit einer kundenorientieren RATT doch nicht so schwer. Etwas besser bezahlte aber umso verantwortungsbewusstere Busfahrer, die nicht dem Fahrgast die Tür vor der Nase zuklappen, wenn dieser im letzten Moment angerannt kommt, wären schon ein erster Schritt. Die Erklärung, man sei an einen genauen Fahrplan gebunden ist ohnehin Stuss. Busse fallen nämlich reihenweise aus oder verspäten um viele Minuten. Allein der Expressbus Nummer 2 in Richtung Stadt aus der Lippaer Straße ist zuletzt nach 7.15 Uhr morgens mehrmals ausgefallen. Wenn das im Urlaubsmonat August der Fall war, kann man sich auch ohne blühende Phantasie ganz gut vorstellen, was ab September geschieht, wenn Schicht und Schule die Haltestellen füllen und die Straßen erneut auf Stau programmiert sind.

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