Kontrovers

Fahrgast: geprellt und schuld

Dienstag, 12. September 2017

Was der Direktor der neuen Temeswarer städtischen Transportgesellschaft (ehemalige RATT), Ioan Goia, nun macht, ist eigentlich etwas, das aus dem Fußballsport kommt: Angriff ist die beste Verteidigung. Weil er nämlich sein Unternehmen überhaupt nicht mehr unter Kontrolle zu haben scheint, drückt er jetzt auf die Tube und macht den einzigen Leidtragenden auch dafür schuldig, dass sich der städtische Nahverkehrsbetrieb in Temeswar derzeit so schlecht abwickelt, wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Laut Goia sind es nämlich die Fahrgäste, die ihre Tickets nicht entwerten und nach der Entwerter- bzw. Nachfrage-Statistik setzt angeblich Goia Bahnen und Busse auf den verschiedenen Trassen ein. Mit diesen Daten scheint er Bürgermeister Nicolae Robu überzeugen zu wollen, dass er momentan am richtigen Ende spart und mit dem Geld der Stadt verantwortungsvoll umgeht. Weil das Thema so komplex und auch genauso bürgernahe ist, kommen wir auch in dieser Woche auf diese leidlichen Aspekte zurück.

Busse fallen aus, Bahnen werden komplett suspendiert und durch Kleinbusse ersetzt, ein totales Chaos entsteht, denn kaum jemand weiß, wann was wohin fährt. Nicht zuletzt ist die moderne und in den letzten Jahren auch relativ gut funktionierende elektronische Anzeige zur Ankunft der Verkehrsmittel Hohn und Spott in Sachen Hightech des 21. Jahrhunderts. Wie ist es anders zu erklären, dass mal eine Wartezeit von drei Minuten aufleuchtet und kurz darauf eine von 25 Minuten angezeigt wird. So geschehen am frühen Abend des 31. August an der orthodoxen Kathedrale, in der Haltestelle des Busses der Linie 33. Ähnlich geht es mit den Expressbussen, deren Fahrtzeiten ausgeschildert sind, aber dann Busse ganz einfach ausfallen. Möge doch Goia und sein Team so viel Anstand haben und wenigstens den ausgeschilderten Fahrplan ändern. Kundenservice ist das derzeit sicher nicht.

Goia beklagt sich, dass viele Fahrgäste ihre Tickets nicht entwerten, doch das kann doch kein Kriterium sein, das man dem ehrlichen Fahrgast als Argument für die Misswirtschaft vor Augen hält. Verantwortungsbewusstere Kontrolleure und bessere Möglichkeiten auch am Wochenende Tickets zu kaufen, käme allen entgegen. Allein die Ausreden würden so dem überforderten Direktor des Nahverkehrsbetriebs ausgehen.

Kommentare zu diesem Artikel

Peter, 12.09 2017, 19:59
Nicht mal auf lokaler Ebene bekommen die rumänischen Politiker etwas auf die Reihe.

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