Kontrovers

Facharbeiter gefragt Von Siegfried Thiel

Dienstag, 02. Mai 2017

Internationale Konzerne haben zuletzt Interesse am Wirtschaftsstandort Reschitza bekundet. Der sich seit etwa einem Jahr im Amt befindliche Bürgermeister Ioan Popa hatte von Anfang an Ausschau nach Investoren gehalten und im gleichen Atemzug eine investorenfreundliche Stadtverwaltung versprochen.

Seine Hauptargumente sind derzeit die Infrastruktur und seine guten Absichten, das Investitionsklima so positiv wie möglich zu gestalten. In Sachen Infrastruktur pocht das Stadtoberhaupt vor allem auf die leistungsstarke Stromversorgung, die einst für strategische Werke wie das Maschinenbau- bzw. das Hüttenwerk angelegt worden war und nach Aussagen des Stadtvaters auch heute noch den Anforderungen gerecht werden kann.

Trotz einer Arbeitslosenrate, die sich im Verwaltungskreis Karasch-Severin meist um die 4-5 Prozent bewegt, geht es bei der Suche nach Arbeitskräften für Investoren nicht ohne Sorgenfalten ab. Vor allem Facharbeiter sind in Reschitza genauso gefragt, wie auch in anderen Landesteilen. Einbruch und Verzicht auf Berufsschulen haben neben der Abwanderung der Arbeitskräfte eine Kluft hinterlassen.

Zwar plädiert Bürgermeister Popa für den dualen Ausbildungsweg nach deutschem Muster und möchte sich da von den Initiativen dieser Art in Temeswar etwas abgucken, doch das Ganze hat einen Haken. Auch wenn es in Reschitza konkrete Initiativen auf diesem Gebiet bereits im Herbst d.J. geben würde, wären die ersten Facharbeiter frühestens im Sommer 2020 verfügbar. Es ist also ein Teufelskreis, in dem sich Bürgermeister Ioan Popa bewegt: Kommen nun die Investoren schnell ins Banater Bergland und bauen dementsprechend rasch ihre Werke auf, wird es eng auf dem Arbeitsmarkt. Denn die guten Facharbeiter – und das hatte der Bürgermeister bereits vor einem Jahr gesagt – sind entweder im Rentenalter, oder im Ausland auf Arbeit.

„Heimbringen“ will Popa zumindest mittelfristig seine Landsleute, doch dafür braucht man wahrhaftig schlagende Argumente. Genauso wie auch verfügbare Arbeitskräfte aus den Nachbarkreisen wohl nur mit konkret Messbarem zu ködern sind. Wer aus dem Ausland kommt, muss schon deutlich besser verdienen, als dies derzeit der Fall ist, wo doch die Industrie in Reschitza zumindest im Verhältnis mit westrumänischen Nachbarkreisen sehr schlecht bezahlt und Interessenten aus anderen Landesteilen sind wohl auch nur mit Dienstwohnungen oder erheblich mehr Geld anzuheuern.

Nicht zuletzt bedarf es auch viel Überzeugungsarbeit bei Eltern und Schülern, um letztere für die Berufsschulen zu gewinnen. Überall war dies bei den neuen Projekten zu Beginn der Fall; ganz einerlei, ob in Temeswar, Arad, oder Hunedoara – um nur einige zu nennen - denn derzeit wollen Eltern ihre Kinder meist im Studium statt an der Werkbank sehen. Das ist wohl selbst in der Arbeiterstadt Reschitza nicht anders.

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