Korrekturen. Absolut nötige.

Mittwoch, 16. Juli 2014

So Unterrichtsminister Remus Pricopie – eine Marionette der erzkonservativen ewig-Unterrichtsministerin Ecaterina Andronescu, die „aus parteiinternem Bedürfnis“ auf ihr Mandat als EU-Parlmentarierin verzichtete – über die „Novellierung“ des Unterrichtsgesetzes, das einer seiner Vorgänger, Daniel Funeriu, initiiert und durchgesetzt hatte. Kenner sagten damals, es wäre das „erste und bislang einzige“ unter den vielen Unterrichtsgesetzen seit 1989, welches das rumänische Unterrichtswesen „erneuern könnte“.

Das Gesetz ist Teil einer Restauration, betrieben von der Staatspartei PSD, die – so der Wille ihrer Führungsebene – „die Ruhe der Vor-Basescu-Ära“ wiederherzustellen beabsichtigt. Verwunderlich ist, dass, und in welchem Maß, gewisse Strukturen der geistigen Elite solche Bestrebungen zur Aushebelung von Errungenschaften in Richtung demokratischer Rechtsordnung unterstützen.

Etwa die Rektorenkonferenz, die sich in einem Kommuniqué gegen „die ungerechtfertigten Kritiken am Dringlichkeitsbeschluss der Regierung OUG 49/2014“ wendet, und solche Kritiken „Aspekte“ nennt, die „schwerwiegende Folgen für das internationale Prestige des rumänischen Hochschul-Unterrichtswesens“ gerieren könnten, „mit Folgen auf die Anerkennung von Diplomen“. Man erkennt darin grobschlächtigen Populismus („liebste Studenten, sehr ihr, was man euch antun will?!!“) und durch kritikfreies Krötenschlucken manifestiertes Artschleckertum, das Intellektuelle herabwürdigt. Sofern sie tatsächlich Intellektuelle sind. Während Kritiker der vom Unterrichtsministerium durch die Andronescu-Zöglinge Pricopie und Hochschul-Staatssekretär Mihnea Costoiu  verfassten Vorlage für den Regierungsbeschluss als „Köpfung des rumänischen Hochschulunterrichts“ brandmarkten, beschwichtigt der Minister: „Es handelt sich um keine Veränderungen, die das System in Unordnung bringen, sondern um absolut nötige Korrekturen.“

Also: die Zahl der Mandate eines Rektors kann unter Umständen unbegrenzt sein (statt zwei), die „Diplomfabriken“ werden ermutigt (gegen die faktischen Geldfabriken des privaten Hochschulunterrichts hat sich auch Funeriu nicht durchsetzen können) und aufs Mittelschulwesen ausgedehnt (wie anders kann man die dritte Reifeprüfungssession deuten, wenn nicht als Forcierung des „Lyzeumsdiploms für alle“?),  politische Inkompatibilitäten werden ausgeschlossen, Hochschulstudium ohne Reifeprüfungszeugniis wird legalisiert – alldas läuft, mit Unterschrift des Regierungschefs, des Doktorarbeitsabschreibers V.V.Ponta, unter: „eine moderne Angehensweise der Problematik, die eine graduelle Weiterentwicklung des Erziehungssystems ermöglichen wird“.

Als die große Erschütterung mit den hohen Durchfallquoten bei der Reifeprüfung begann, sagte mir ein Ex-Lyzeumskollege, heute Oberstudienrat im südlichen Bayern: „Die Lösung ist: senkt die Ansprüche!“ Der Mitschnitt des Telefongesprächs war wohl Remus Pricopie vorgespielt worden.


Kommentare zu diesem Artikel

Linares, 16.07 2014, 23:48
Das ueberrascht mich ja nun doch, Herr Kremm, dass ich von Ihnen einmal einen Beitrag lesen darf, der (zwischen den Zeilen) konzediert, dass es nun doch vor Ponta die eine oder andere positive Entwicklung gegeben hat. Und es ist auch absolut richtig, dass diese Person die Aushebelung der demokratischen Rechtsordnung mit furchterregender Intensitaet betreibt; Sind wir nicht gerade eben an dem unsaeglichen Amnestiegesetz und der Modifizierung des Strafgesetzbuches haarscharf vorbeigekommen ? Aber zurueck zu Ihrem letzten Absatz: Die Aenderung der bundesdeutschen Rechtschreibung war eine Anpassung an die haeufigsten Rechtschreibfehler, die Schueler und Studenten gemacht hatten und die sich auf ihren Notendurchschnitt auswirkten. Anstatt diesen Personenkreis kraeftig ins Gesaess zu treten und dafuer zu sorgen, dass die bis dahin geltenden Regeln der deutschen Rechtschreibung respektiert werden, hat man "die Ansprueche gesenkt" und diese Sprache verhunzt. Ich sehe mit gestraeubtem Haar, dass die Ansprueche an den Fortschritt der demokratischen Entwicklung in Rumaenien von einem grossen Anteil unserer Landsleute ebenfalls reduziert werden.

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