Kreuz des Glaubens

Sonntag, 24. März 2019

Es gibt unzählige Weisen, auf die Menschen sich von Gott fernhalten und ein Leben nach eigenem Ermessen führen können, aber es gibt nur zwei, auf die sie mit Gott in Beziehung treten und seine Gnade erfahren können. Die erste Weise der Begnadung ist, dass Gott an dem einen oder anderen Interesse findet, und dann tut er sich ihm kund: unmissverständlich, eindringlich und unwiderstehlich. Dann wird aus diesem Menschen – ganz gleich, was er vorher war – ein Knecht Gottes, der keinen eigenen Willen mehr kennt, nur noch Glauben, und dessen höchstes Glück es ist, Gottes Willen zu tun. Die zweite Art der Begnadung ist, dass ein Mensch eines Tages nicht mehr ohne Gott leben will und beginnt, Gott zu suchen. Der himmlische Vater kommt früher oder später dem Suchenden entgegen. Dann hört und liest dieser die Texte der Heiligen Schrift als Gottes Wort und Evangelium und hat fürderhin keine Zweifel und keinen eigenen Willen mehr, nur noch Glauben und den Wunsch, Gottes Willen zu tun.

Auf diese zwei Weisen geraten Menschen in den inneren Raum des Glaubens, der eine völlig andere Perspektive auf das gesamte Dasein bietet: Was draußen Gewinn war: Gelehrsamkeit, Ruhm und Reichtum, erkennt man von innen als Schaden. Was draußen Schmerz und Verzicht war: Anfeindung, Spott und Ausgrenzung, wird nun zu Freude und Reichtum. Was draußen Einschränkung war: Du sollst!, Du sollst nicht!, wird im Glauben zur Befreiung, denn da heißt es: Du brauchst keine anderen Götter mehr. Du brauchst nicht mehr zu töten. Du brauchst nicht mehr die Ehe zu brechen. Du musst nicht mehr stehlen. Du musst nicht mehr lügen, nicht mehr begehren, denn Christus ist da, die Fülle der Gottheit, die Erfüllung aller menschlichen Sehnsucht. Es ist ein erhabener Zustand, in den der Mensch durch den Glauben versetzt wird: nichts begehren, nichts befürchten, nichts bereuen und dazu die Gotteserkenntnis im Heiligen Geist. Das ist das Reich Gottes mitten in uns, und wenn dazu noch Gemeinschaft mit Gleichen kommt, ist es das Reich Gottes mitten unter uns – ein Vorgeschmack der himmlischen Seligkeit.

Dieses Leben mit Gott ist nach außen hin schwer vermittelbar, weil dem natürlichen Menschen, der Zweifel und Misstrauen hegt, die göttliche Weisheit verborgen bleibt und seine Gedanken und Werke dem Willen Gottes entgegenstehen. Der gläubige Mensch erntet Hohn und Spott, wenn er die Wirklichkeit an der Wahrheit misst und seinen Mund auftut, denn er kann nur rufen: „Frevel und Gewalt!“ Doch auch schweigen kann er nicht, denn das Wort Gottes, das im Mund eine scharfe Waffe gegen die Ungerechtigkeit ist, wird, wenn es im Herzen verschlossen bleibt, zu einem unerträglichen brennenden Feuer, das die Gebeine des Trägers verzehrt. So wird der Fromme bei jeder Gelegenheit verlacht und belauert, ob er sich nicht eine Blöße gebe oder einen Grund zur Anklage biete. Nicht nur Feinde und Gegner tun das, auch Freunde und Kollegen trachten danach, ihn zu überlisten und zu Fall zu bringen, denn die Empörung über die Zurechtweisung des Herrn richtet sich gegen den, der sie ausspricht.

Aber der Herr lässt die Verfolger seiner Zeugen nicht siegen und am Ende werden sie alle zuschanden. Das zeigen die vielen Jahrhunderte der Herrschaft des gekreuzigten und auferstandenen Christus ganz deutlich: noch nie hat sich eine Bewegung oder ein System, das gegen das Christentum war, auf Dauer durchsetzen können; alle sind sie nach anfänglichen Erfolgen in den haarsträubendsten Irrtümern und Verbrechen kläglich gescheitert. Und so wird es auch in Zukunft sein, bis ans Ende der Zeit. Darum gebührt dem Herrn allein Lob und Preis, auch wenn die Seinen jetzt reichlich Trübsal und Traurigkeit haben. „Geduld der Heiligen“ ist eine übernatürliche Tugend, die der begrenzte Mensch im Umgang mit dem unbegrenzten Gott sich unter Schmerzen aneignen kann und muss, denn nur so wird er sehen, dass Gott seine Sache zum guten Ende führt und denen reichlich vergilt, die sich gegen ihn erheben.

 

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