Krieg dem Plastikmüll

EU-Strategie schafft Hoffnung

Mittwoch, 31. Januar 2018

Keine Augenweide: Plastikmüll auf einer Grünfläche in Temeswar. Foto: Zoltán Pázmány

Der vorletzte Besuch in Herkulesbad war im einem Winter, liegt über zehn Jahre zurück und verlief so enttäuschend, dass der nächste Besuch darum um einige Jahre verschoben wurde. Die entblätterte Natur gab etwas preis, das man sich in diesen Ausmaßen nicht vorstellt, wenn es im Sommer vom Grün überwuchert ist: Das Bett der Cerna war eine einmalige Müllhalde. Vor allem Plastikbeutel und Plastikflaschen waren hier in Glanz und Gloria ausgestellt. Fazit: der nächste Besuch war dann im Sommer und ein paar Jahre später.

Das Problem ist nicht auf das Cerna-Tal beschränkt und soll niemanden davon abschrecken, nach Herkulesbad zu fahren. Es ist nur ein Beispiel für den schlechten Umgang mit der Natur einerseits und mit dem Müll andererseits.

Vor der Wende gab es wenig bis gar nicht Plastik in der Verpackungsindustrie hierzulande. Fleisch, wenn es welches gab, wurde in Papier verpackt, Wasser und die wenigen Säfte gab es in Glasflaschen, eine bunte Plastiktüte, die man ab und zu aus dem Westen bekam, war so etwas wie ein Statussymbol, zu gut, um weggeworfen zu werden, und wurde somit mehrmals spazieren geführt, bis sie alterte.

Nach der Wende kam der Plastik. Er kam schnell und bunt und leicht und kam ohne die Gebrauchsanweisung, was die Entsorgung betrifft, ohne eine Bildung der Menschen, was den Umgang mit dem Plastikmüll betrifft. So kam es, dass man heute noch schwer das ABC erlernt.

So kommt es, dass man Schlagzeilen über Jugendliche liest, die von nichtstaatlichen Organisationen ins Grüne gebracht werden und Ordnung schaffen, wo andere die Natur beschmutzt haben. Das sind begrüßenswerte Einzelinitiativen, so etwas wie einen Sinn für die sachgemäße Entsorgung gibt es jedoch nur in geringem Maße.

Trotzdem sind einige Fortschritte gemacht worden, wenn man sich ansieht, dass die RETIM etwa außer dem Müll auch das Recycelbare annimmt, darunter auch den Plastik. Es ist ein Fortschritt, wenn man sieht, dass in einigen Supermärkten auch Metalldosen angenommen werden und vor dem Apparat etwa ein Rentner steht, der seine Bierdosen aufgehoben hat, um ein paar Bani zu bekommen. Das aber zeigt nur eines: Um ein bisschen Ordnung zu schaffen, muss es Gesetze geben, aber auch die Chancen gegeben werden (wenn keine Müllkörbe auf der Straße steht, landet das Papier auf den Boden) und einen kleine Belohnung für die Menschen, die es richtig tun. Das hat nicht unbedingt mit Geld etwas zu tun, sondern auch kann auch als Ermutigung verstanden werden. Man fühlt sich gut, wenn man als Naturfreund das Richtige macht und anerkannt wird. So dankt zum Beispiel bei einem Bankautomaten ein Vöglein, wenn man keinen Ausdruck verlangt – man hat eben den Wald gerettet, heißt es auf der Benutzeroberfläche.

Dass die Alarmglocken läuten und dass auf jeden Fall mehr dahinter steckt als nur eine trendy Umweltmode, darüber sprechen die Zahlen. Um nur auf den Plastikmüll zu sprechen zu kommen, muss man wissen, dass in der EU jährlich zirka 26 Millionen Tonnen an Plastikmüll entstehen. Die Zahl stammt von der EU-Kommission. Davon werden nur etwa 30 Prozent recycelt, die Mehrheit von 70 Prozent kommt auf Müllhalden, in Verbrennungsanlagen oder – erschreckend, aber wahr – in die Umwelt.

Das sind die EU-weiten Zahlen, wie viel Prozent des in Rumänien produzierten Plastikmülls wiederverwertet werden, liegt uns nicht vor. Die Menge aber an Plastikmüll, den man auf Grünflächen und auch auf dem Asphalt antrifft, ist nicht zu übersehen.

Hoffnung kommt auf, wenn man auf die Regelungen schaut, die die EU Anfang des Jahres bekannt gegeben hat. Die EU-Kommission hat ihre Strategie gegen Plastikmüll vorgestellt. Konkret geht es darum, den Plastikmüll zu reduzieren, der in die Umwelt gelangt. Das Stichwort dabei ist Recycling. Und bis 2030 sollen alle benutzten Kunststoffe recycelbar sein. Das bedeutet für die Forschung, neue Stoffe zu entwickeln oder die alten weiterentwickeln, für die Industrie bedeutet es, umzusatteln und für den Verbraucher könnte es auch heißen, dass sogar eine Plastiksteuer eingeführt wird. Die steht noch nicht fest, sollte aber den Effekt haben, dass die Verbraucher sich vom Plastik abwenden. Übrigens: Geholfen hat eine ähnliche Maßnahme, als die EU-Richtlinie gegen Einmalplastiktüten eingeführt wurde. Seitdem man/frau für die Plastiktüte zahlt, ist auch der Verbrauch stark gesunken.

Einen weiteren positiven Effekt wird man wohl in der Gesundheit sehen: Viele Kosmetika enthalten Mikroplastikpartikeln, deren Beimengen soll unterbunden werden. Überhaupt soll vermieden werden, dass Plastik in dem heutigen Umfang weiterhin in die Umwelt, ins Wasser und in die Nahrungskette, damit auch in unsere Körper gelangt.

In diesem Zusammenhang nannte der EU-Kommissionsvizepräsident Zahlen, die nachdenklich stimmen: „24 Stunden am Tag enden in jeder Sekunde rund 700 Kilogramm Plastik in der Meeresumwelt. Es dauert fünf Sekunden, das zu produzieren, fünf Minuten, es zu nutzen und etwa 500 Jahre, es wieder abzubauen.“

Kommentare zu diesem Artikel

Olli, 06.02 2018, 12:23
@Linares: Der Nachteil des Pfandsystems ist, dass pfandfreie Gebinde dann sehr oft im Müll anstatt im Recycling landen...
Allerdings überwiegen die Vorteile: Sauberere Strassen und ein "Einkommen" für obdachlose "Dosensammler"
Linares, 01.02 2018, 09:36
Nachahmenswert waere zum Beispiel die Pfandregelung in Deutschland; Dort bezahlt man 0,25 Euro Pfand fuer eine Plastikflasche. Die Rueckgabe der leeren Flaschen kann z.B. ueber Automaten in Supermaerkten erfolgen. Das gleiche gilt fuer Getraenkedosen aus Metall. Auch wenn das System alles andere als perfekt ist, in den Strassengraeben findet man nur noch selten diese Emballagen.

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*