„Krieg der Garagen” in Reschitza

Bürgermeister will statt „Garagen voll eingesäuertem Gemüse“ lieber Parkplätze

Donnerstag, 07. Juni 2018

Auf der Reschitzaer Aleea Romaniței sollen zehn Garagen abgerissen werden. Die Absicht des Rathauses, dort Parkplätze und eine Alternativstraße zur Entlastung der Hauptverkehrsader der Neustadt einzurichten, stieß auf den heftigen, egoistisch motivierten und wortreichen Widerstand der Garagenbesitzer, die Vertreter zur Stadtratssitzung delegierten, um eine diesbezügliche Beschlussfassung des Stadtrats zu verhindern. Bürgermeister Ioan Popa versuchte es erst mal mit geduldiger Erklärung, die ans Verständnis fürs Allgemeinwohl appellierte: „Statt der zehn Garagen richten wir 23 Parkplätze ein. Ihr Bürgersinn und Ihr Altruismus müsste einer solchen Absicht entgegenkommen. Denken Sie doch auch mal ans Wohl der Gemeinschaft!“

Die Antwort der Garagenbesitzer: „Wir geben keine einzige Garage kampflos auf! Schlimmstenfalls gehen wir vors Gericht, um unser Recht durchzusetzen!“ Das Rathaus Reschitza ließ eine Machbarkeitsstudie und das dazugehörige technische Projekt ausarbeiten. Daraus geht hervor, dass die Garagengruppen auf der Aleea Romaniței im Mikrorayon I der Neustadt abzureißen sind, wobei dieser Raum bloß beispielgebend für zahlreiche andere Gegenden der Stadt angeführt wird. Schließlich soll eine künftige Entlastungsstraße für die Hauptverkehrsader Republicii-Boulevard des Neustadtviertels entstehen, wo 60 Prozent der 75.000 Einwohner von Reschitza leben und immer mehr Fahrzeuge verkehren.

Letztendlich regte sich der als Choleriker bekannte Bürgermeister doch noch auf: „Die Garagen werden als Lager für eingesäuertes Gemüse, alte Fahrräder und sonstigen Kram, den niemand mehr in seinem Haus haben will, verwendet und tragen bei zu der vom Verkehr verursachten Erstickung der Stadt. Die Autos werden deshalb auf den Grünflächen geparkt. Ist das normal?!“ Und einmal mehr führte er das Beispiel des Bürgermeisters von Großwardein/Oradea, Ilie Bolojan, an, der 367 Garagen abreißen ließ und an deren Stelle 700 Parkplätze schuf. Auch Temeswar nannte er als Beispiel: „Die haben in den vergangenen vier Jahren 1000 Garagengruppen abgerissen und Park- und Spielplätze eingerichtet. Wir wollen nicht nur Parkplätze, sondern auch eine Alternativroute für den Verkehr schaffen. Da stehen eben die Garagen im Weg. Ich sage es schon seit Längerem und wiederhole es: Früher oder später schmeißen wir die alle übern Haufen und machen die Stadt damit wohnlicher! Auch gegen Ihren Willen.“

Die anwesenden betroffenen Garagenbesitzer warfen die Flinte nicht so ohne Weiteres ins Korn. Ihre Sprecherin, die mehrere Wohngemeinschaften betreut, wo auch Garagenbesitzer leben, stopfte Bürgermeister Popa aus ihrer Sicht das Maul: „Kommen Sie doch mal zu Fuß in die Neustadt und zeigen Sie der Bevölkerung, wo Sie ihre Alternativstraße bauen wollen! Noch sind wir Besitzer unserer Garagen und Grundstückseigentümer ist der rumänische Staat. So leicht geben wir wegen ein paar verrückten Ideen nicht auf! Die zudem nicht lebensfähig sind. Und in unseren Garagen bewahren wir kein eingesäuertes Gemüse auf, sondern Pkws. Gehen Sie doch mal ruhig davon aus, dass wir nicht nachgeben, so lange wir Besitzer der Garagen sind! Ihr Vorhaben kann unmöglich mit unserer Zustimmung umgesetzt werden.“

Popa, etwas gedämpft, entgegnete: „Wir müssten in uns allen viel öfter mal den Samen des Altruismus zum Leben erwecken. Unter dem Druck der EU-Regelungen von 2007, und weil wir in der Talstadt Reschitza eben kaum Alternativen haben (Grünflächen – nicht einmal ein Quadratmeter! – dürfen nicht in Parkplätze verwandelt werden, sagt die EU), bleibt mir praktisch nichts übrig, als angesichts der Alternative Garagen oder Parkplätze für die Parkplätze zu sein. Überall, wo ich Garagen vorfinde, die ich in Parkplätze verwandeln kann, werde ich das auch tun – davon dürfen Sie ausgehen. Also reißen wir ab! Punktum! Und sollten Sie mit dieser meiner Haltung ein Problem haben: 2020 sind Kommunalwahlen, das ist dann Ihre Chance, mich heimzuschicken!”

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