Krieg der Kommuniqués

PNL und PSD nun auch im Bergland grimmig auf Pfaden des Showkriegs

Donnerstag, 17. April 2014

Reschitza - Es begann nach der Tagung des Kreisrats Karasch-Severin, auf der sich der Kreisratsvorsitzende Sorin Frunzăverde (PNL) und Kreisratsmitglied Ion Spânu (PSD) ein Meinungsduell geliefert hatten, aus dem, nach allgemeinen Befinden, Frunzăverde ziemlich zerknautscht hervorging. Er hatte sich zwar mit seiner Beschlussvorlage zur Schenkung einer großen Geldsumme an den Handballclub mit Hilfe von PNL und PDL gegen Spânu und die PSD-Clique durchgesetzt, aber im Grunde stand er als Verlierer da, weil seine Argumente vom akribischen Buchhalter Spânu gründlich zerfleddert wurden.

Am darauf folgenden Nachmittag trudelte in die Redaktionen der Medien ein ziemlich wüstes Beschimpfungs-„Kommuniqué“ des „Pressebüros“ der PNL ein, abgeschickt von einer privaten E-Mail-Adresse und unterzeichnet mit „Das Pressebüro der PNL Karasch-Severin“. Angriffsziele waren Ion Mocioalcă, Abgeordneter und Vorsitzender der PSD-Kreisfiliale und einer der vielen PSD-Vizepräsidenten auf Landesebene, und Ion Spânu, der mit Vorteilen aus den jüngsten Disputen mit Frunzăverde hervorgegangen war.

Eine Hinterfragung beim PNL-Kreischef Ion Marcel Vela ergab: „Ich habe keinerlei Kenntnis von so einem Kommuniqué. Auf keinen Fall ist das ein Kommuniqué der Nationalliberalen Partei, schon allein deshalb nicht, weil es niemand namentlich unterzeichnet. Wir nutzen ausschließlich transparente und offizielle Kommunikationswege. Nach dem Tonfall und der Sprachwahl dieses Kommuniqués und unabhängig davon, wer und auf welchen Wegen dieser es verteilt hat, grenze ich mich kategorisch ab von solchen Vorgehensweisen.“

Tags darauf taucht in der Gerüchteküche im Zusammenhang mit dem ominösen Kommuniqué ein Autor auf: Ilie Iova, PNL, der aus Karansebesch stammende zweite Stellvertreter von Frunzăverde an der Kreisratsspitze. Iova verneint. Er habe keinerlei Bezug zu diesem Kommuniqué.

Montag dieser Woche kommt von Ion Spânu eine Rundmail als Replik auf die Provokation. In wohlgesetzten Worten und wie immer grammatikalisch bis auf die Zeichensetzung korrekt wirft er die Bemerkung in den Krieg der Kommuniqués, das liberale Auslöserkommuniqué stamme von Frunzăverde, den er, in rumänienüblicher Manier, den „Herrn Minister“ (nach dem Prinzip: „einmal Minister, immer Minister“) nennt, der einmal mehr „seine tolerante europäische Haltung unter Beweis“ stelle. Dies, weil „der Herr Minister“ es „nicht gewohnt“ sei, dass man ihm unbequeme Fragen stelle, wenn er sich auf eine Meinung festgelegt hat. Und also den „Befehl zum PNL-Kommuniqué“ erteilt habe.

Daraufhin und nur wenige Stunden später trat der andere Vizepräsident des Kreisrats Karasch-Severin auf den Plan, Ionesie Ghiorghioni, der schon beschmunzelt wird, bevor er auf öffentlichen Veranstaltungen auch nur den Mund auftut, weil jeder weiß, dass er zuerst sagen wird, der „Herr Präsident des Kreisrats, Herr Sorin Frunzăverde“ sei leider verhindert, an jener Veranstaltung teilzunehmen, aber der „Herr Präsident des Kreisrats, Herr Sorin Frunzăverde“ habe ihn beauftragt usw. usf., und dann noch mindestens zehnmal binnen drei Minuten seine Devotionsformel wiederholt.

Nicht anders in seinem Kommuniqué zum Krieg der Kommuniqués im Banater Bergland, in dem er schreibt, dass „die Wählerstimmen, die Herr Sorin Frunzăverde in sehr hoher Zahl bei diversen Wahlgängen in Karasch-Severin und auf Landesebene auf sich vereinigt hat, Stimmen sind, mit denen Herr Sorin Frunzăverde jedesmal vermichtend die PSDisten geschlagen hat. Diese Stimmen für Herrn Sorin Frunzăverde widerspiegeln die Realität, die Wahrheit, nicht die Meinungen des einen oder des anderen.“ Im Weiteren wird Ghiorghioni zum Erzbanater: „Eigentlich sind das alles bloß die Lügen eines Olteniers, Spânu, Mitglied einer Partei, der PSD Karasch-Severin, die ebenfalls von einem Oltenier, Ion Mocioalcă, geführt wird. Ihre Partei hat nichts Gutes getan für unseren Verwaltungskreis. Und, damit die Wahrheit vollständig ist, werden wir Details über die Aktivitäten des Spânu als Vizepräsident des Kreisrats in der Woche nach Ostern publik machen!“ Nur: wer diese „wir“ sind, bleibt offen.

Befremdlich und irritierend an diesem komischen Krieg der Kommuniqués im Banater Bergland ist die Tatsache, dass die beiden Vorsitzenden der Parteien, deren Mitglieder sich da bekriegen, die Karansebescher Vela und Mocioalcă, sich in der Öffentlichkeit komplett heraushalten und nur immer wieder beteuern, sie hätten mit solcherlei Kommuniqués und deren tendenziöser Sprache und Haltung nichts zu tun.

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