Krieg und Frieden in Marvels Mutanten-Universum

X-Men: Zukunft ist Vergangenheit

Montag, 09. Juni 2014

Wenn sich Science-Fiction-Filme, noch dazu Comicverfilmungen die Zukunft ausmalen, dann reicht die Palette stets von düster bis unsäglich trist. Die Großstädte liegen in Trümmern, es liegt eine ewige Nacht über den Planeten begleitet von Stürmen und Frost, die Menschheit ist entweder ausgelöscht oder versklavt. Es dürfte also auf jeden Fall ein Déjà vu-Gefühl aufkommen, gleich nach den ersten fünf Minuten des neuen X-Men-Films.

Die Bilder könnten genauso gut aus James Camerons “Terminator”-Filmen oder aus der Matrix-Trilogie der Wachowski-Geschwister stammen. Die Menschheit hat wieder einmal den Kürzeren gezogen. Die Zukunft wird von organischen Maschinen kontrolliert namens Sentinels, die ursprünglich gebaut wurden, um die Mutanten auszulöschen, sich aber irgendwann auch gegen ihre Schöpfer gerichtet und alles Leben auf der Erde zerstören. Die X-Men um Professor Charles Xavier sowie die Bruderschaft der Mutanten um Magneto kämpfen einen aussichtslosen Kampf.

Denn die Sentinels können sich den Kräften der Mutanten anpassen und sind inzwischen unbezwingbar. Alles was der kleinen Gruppe an Überlebenden bleibt, ist die Flucht. Schließlich erreichen die Mutanten einen alten Tempel in China, wo sie dann den verzweifelten Versuch starten, mittels den Fähigkeiten der Mutantin Kitty Pride, den Fan-Favoriten Wolverine (Hugh Jackman) in die Vergangenheit zu schicken, um überhaupt die Entstehung der Sentinels aufzuhalten und so die Zukunft zu verändern.

Es ist durchaus der ambitionierteste X-Men-Film. Nachdem Bryan Singer als Produzent einen Neustart der Filmserie versuchte mit X-Men: Erste Entscheidung, bringt er nun als Regisseur sowohl die alten Schauspieler aus der ersten X-Men-Trilogie und die neuen zusammen, um so – wie es viele Fans andeuten -– die Fehler des Films X-Men: Der letzte Widerstand zu beheben.

Singer, der die ersten zwei X-Men-Filme gedreht hatte, übergab den dritten Film in die Hände eines anderen Regisseurs, um für Warner Brothers einen Superman-Film zu drehen. Weder „Superman kehrt zurück“ noch der dritte X-Men-Film wurden ein Erfolg. Schlimmer noch: Die Entscheidungen des Filmemachers Brett Rattner für X-Men: Der letzte Widerstand zerstörte die Serie und führte zu dem Neustart, für den jüngere Schauspieler in die Rollen der bekannten Figuren schlüpften.

Mit “Zukunft ist Vergangenheit” hat 20th Century Fox versucht, die inzwischen sechs Filme (man rechne die zwei Wolverine-Filme dazu) unter einen Hut und gleichzeitig eines der erfolgreichsten Geschichten aus den Comics auf die große Leinwand zu bringen. Es ist ganz klar Fanservice. Bedient werden dabei sowohl die Comicleser als auch die Zuschauer, die nur mit den Filmen vertraut sind.
Anders als in der ursprünglichen Geschichte, reist nicht Kitty Pride (Ellen Page) durch die Vergangenheit, um die Mutanten vor der drohenden Apokalypse zu warnen, sondern Wolverine.

Dieser landet in den 1970er Jahren: Richard Nixon ist Präsident, der Vietnam-Krieg geht zu Ende und der Unternehmer Bolivar Trusk (Peter Dinklage), richtet sein Augenmerk auf die nächste große Gefahr, nämlich die Mutanten. Trusk ist der Schöpfer der Sentinel-Killermaschinen. Der Schlüssel zur Rettung der Welt ist allerdings die Mutantin Mystique (Jennifer Lawrence). X-Men: Zukunft ist Vergangenheit handelt besonders von ihrem Kampf mit den eigenen Dämonen. Es ist ein Film über Rache und Erlösung und über zwei Männer, die um die Seele der jungen Mutanten kämpfen. Auf der einen Seite ein junger Charles Xavier (James McAvoy) auf der anderen Erik Lehnsherr, besser bekannt als Magneto (Michael Fassbender). Während der eine sich um eine Schlichtung bemüht und Frieden zwischen Mutanten und Menschen, ist Magneto ein Radikaler, der einen Krieg für Unausweichlich hält.

X-Men: Zukunft ist Vergangenheit läuft seit zwei Wochen in den Kinos. Es hat bereits Rekorde gebrochen, ist der bisher erfolgreichste X-Men-Film. Auch eine Fortsetzung ist bereits geplant, die wieder auf das Ende der Welt hindeutet, mit dem nicht so subtilen Titel: Apokalypse.

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