Krise im Theater geht weiter (II)

Der Konflikt inmitten des Ensembles scheint kein Ende zu finden

Freitag, 30. Dezember 2016

Bei einer Protestaktion Mitte Dezember reisten Theaterleute aus mehreren Städten nach Kronstadt, um ihre Solidarität mit ihren Kollegen zu zeigen.

Protestaktion Ende Oktober. Die Schauspieler erklären den Passanten ihre Situation.
Fotos: Facebook „Vocea Curajului“

November 2016: Drei Angestellte des Theaters werden disziplinär entlassen. Zwei von ihnen hatten sich geweigert,  bei der Vorstellung „Dancer in the dark“ vom 28. Oktober auf die Bühne zu treten, obwohl man für die Aufführung Karten verkauft hatte und das Publikum im Foyer wartete. Später erklärten sie, dass die Aufführung gar nicht hätte stattfinden können. Ein Schauspieler, der eine wichtige Rolle im Stück hatte, hatte gerade gekündigt.
In einem offenen Brief an den Bürgermeister George Scripcaru, der von über 500 Theaterleuten aus ganz Rumänien unterschrieben wurde, fordert man, dass so schnell wie möglich ein transparenter Wettbewerb für den Intendantenposten organisiert wird, um weitere Konflikte zu vermeiden. Der Brief blieb bis heute ohne Antwort. Auch der Rumänische Theaterverband UNITER will sich implizieren und lädt die Kronstädter Lokalverwaltung zu einem Dialog ein. Auch deren Initiative wird ignoriert.

3.Dezember: Die 27. Auflage des Festivals für Zeitgenössische Dramatik startet beim Dramentheater. Am gleichen Tag wird das 70.Jubiläum der Kronstädter Kulturinstitution gefeiert. Daran nehmen nur wenige Angestellte teil. Alle Ensembles, die beim Festival auf die Bühne treten werden, müssen einen Vertrag mit dem Theater unterschreiben. Eine Klausel des Vetrages verbietet ihnen, während der Aufführung in irgendeiner Form zu protestieren
8. Dezember: die Schauspieler des Theaters aus Sanktgeorgen beschließen, während ihres Gastspieles weisse Armbänder als Zeichen der Solidarität mit ihren Kronstädter Kollegen zu tragen. Kurz vor der Vorstellung erhält die Intendantin des Theaters aus Sanktgeorgen einen Anruf vom Bürgermeister George Scripcaru. Dieser droht ihr, dass „die guten Beziehungen zwischen den beiden Städten zerstört werden“ falls die Schauspieler protestieren werden und damit dem Image des Theaters schaden. Die Schauspieler aus Sanktgeorgen beschließen, keine Armbänder mehr zu tragen. In der Vorstellung spielt auch Bogdan Nechifor, der beim Kronstädter Dramentheater angestellt ist. Am Ende der Aufführung wendet er sich ans Publikum und klagt über die Situation im Theater. Vom Bürgermeisteramt folgt weiterhin keine Reaktion.

17.Dezember: Über 60 Theaterleute aus Kronstadt, Bukarest, Neumarkt und Sanktgeorgen protestieren vor dem „Sic² Alexandrescu“ Dramentheater. Die Künstler, die dem Aufruf von zwei Schauspielern des Theaters Andrei Muresanu aus Sankt Georgen gefolgt sind, werfen der interimistischen Leitung des Theaters vor, drei Angestellte des Theaters ungerechtfertigt entlassen zu haben. Auch anderen Angestellten droht in den nächsten Tagen eine disziplinarische Entlassung. Auch gegen den Bürgermeister George Scripcaru wurde protestiert. Am Protest nimmt auch Cristian Macedonschi, Lokalrat seitens des Deutschen Forums, teil. „Jos Scripcaru de pe acoperişul teatrului/Runter mit Scripcaru vom Dach des Theaters” (eine Anspielung auf den Titel des Musicals  Der Fiedler auf dem Dach/ Scripcarul pe acoperiş) stand auf seinem Plakat. Am Ende der zweistündigen Protestaktion kleben die Protestierenden weisse Plakate an die Tür des Theaters. Auf ihnen stehen Texte wie „Wir wollen unsere Schauspieler zurück“ oder „Stoppt die illegalen Entlassungen“.

19. Dezember: Anscheinend hat es die Protestaktion nur dazu gebracht, den Konflikt zu vertiefen. In einer Pressemitteilung fordert unter anderen die interimistische Leitung 191.500 Lei von den protestierenden Schauspielern. Soviel Geld wäre verloren gegangen, weil mehrere Veranstaltungen wegen des Protestes abgesagt mussten.
21. Dezember: Das Corona-Kulturkonsortium organisiert eine öffentliche Debatte. Es werden mehrere Lösungen für die Situation im Dramentheater vorgeschlagen. Keine davon scheint jedoch umsetzbar zu sein. Eins ist sicher: wenn die Situation so weitergeht, muss das Theater aufgelöst werden.
22. Dezember: Ein neuer Protest findet vor dem Kronstädter Rathaus statt. Es gibt keine Reaktion darauf.

Das sind die Fakten, die zu der Krise im Theater führten. Inzwischen haben sich in der Öffentlichkeit mehrere Meinungen dazu gebildet. Manche geben den Protestierenden recht, andere sind auf der Seite der aktuellen Leitung. Obwohl es einen einzigen Schuldigen gibt: das Bürgermeisteramt, das jahrelang seinen eigenen Interessen gefolgt ist.Das Kulturleben der Stadt scheint immer an letzter Stelle zu sein, was die Prioritäten der Stadtverwaltung betrifft . Nicht nur das Theater funktioniert seit mehreren Jahren mit interimistischer Leitung, sondern auch Oper und Philharmonie. Bis ein neuer Wettbewerb für den Intendantenposten organisiert wird, bleiben einige Fragen offen. Warum veröffentlicht das Bürgermeisteramt das Management-Projekt von Dan Marius Zarafescu nicht? Die Presse und die Bürger von Kronstadt sollten es sich anschauen und sich selber eine Meinung bilden. Nur nachdem man das Projekt liest kann man wissen ob die Protestaktion gerechtfertigt war. Warum stand in der Kronstädter Presse keine Meinung über Zarafescus Interview? Laut Informationen der Theaterangestellten waren drei Journalisten beim Interview mit der Wettbewerbskommission anwesend. Keiner von ihnen hat jedoch darüber berichtet. In den Zeitungen wurden nur verschiedene Pressemitteilungen der zwei „Parteien“ Wort für Wort übernommen. Eins ist sicher: bevor nicht der Konflikt im Theater gelöst wird, kann keine Qualität existieren. Und als Theater  ist man verpflichtet, dem Zuschauer diese Qualität zu liefern. Sonst verliert man ihn. Und ohne den Zuschauer gäbe es kein Theater.

Sicherlich werden in der nächsten Zeitspanne keine Wunder geschehen. Der neue Intendant, falls es einen bis Ende der Spielsaison geben wird, hat die schwierige Aufgabe, den Konflikt im Inneren des Ensembles zu löschen und gleichzeitig eine gute Beziehung zu den Lokalbehörden aufrechtzuerhalten. Das ist nicht leicht, weil die Kultur in Kronstadt ein unterfinanzierter Bereich ist. Man sollte aber nicht nur auf das Geld vom Bürgermeisteramt warten, sondern auch versuchen, durch Fundraising Fördermittel zu erhalten. Viele Großunternehmen unterstützen bekanntlich Kultureinrichtungen aus rumänischen Städten. Das könnte auch der Fall Kronstadts sein. Oder man kann Projekte bei der Verwaltung des Nationalen Kulturfonds (AFCN) einreichen, die auch staatliche Kultureinrichtungen finanziell unterstützt. Dasselbe tut das Kronstädter Mure{enilor-Museum seit mehreren Jahren erfolgreich.

Kommentare zu diesem Artikel

LarAburbbum, 21.10 2017, 01:48
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