Krisen bewältigen und lindern

Heim „Neue Familie“ bietet Unterstützung für Familien in Not

Freitag, 11. April 2014

Im Speranţa-Krisenheim werden Kinder mit besonderen Bedürfnissen zeitweilig untergebracht – so lange, bis sich die Krise in der Familie gelegt hat. Foto: die Verfasserin

Seit 1990 besteht in Temeswar/Timişoara die Gesellschaft „Societatea Română Speranţa“, die sich für Kinder mit geistigen Behinderungen und deren Familien einsetzt. Zu den Projekten, die die Organisation betreut, gehört auch das sogenannte Krisenheim „Neue Familie“, das 2001 in Temeswar ins Leben gerufen wurde. Das Krisenheim selbst ist ein offenes, freundliches Haus mit einem schönen Garten und bietet Spielmöglichkeiten für die Kinder.

Doch wozu genau wird dieses Krisenheim genutzt? „Es geht hierbei um die Familie“, betont Cornelia Cojanu, die Leiterin der Hilfsorganisation „Speranţa“. „Wenn die Familie in einer Krise ist, nehmen wir das geistig behinderte Kind vorübergehend auf, um ihm die notwendige Pflege zu gewährleisten, die es in dieser Krise möglicherweise nicht bekommen würde.“ Ein Kind kann dabei bis zu neun Tagen im Krisenheim bleiben. Während dieser Zeit, in der das Kind rund um die Uhr dort ist, wird ebenso mit der Familie gearbeitet, um die Krise zu bewältigen oder wenigstens zu lindern. „Das Problem ist in so einer Situation nicht das Kind, sondern die Familie. Statt die Kinder in Waisenheime abzuschieben, ist es wichtig, die Probleme direkt in der Familie anzugehen und so schwerwiegende Konsequenzen zu verhindern.” Für die Familie gibt es Elternabende, Sozialanalysen und ebenfalls materielle Unterstützung „Diese Familien haben meist sehr wenig”, bemerkt Cojanu. „Bei späteren Besuchen entdeckt man oft Sachen wieder, zum Beispiel eine Decke oder Kleidung. Es ist schön zu sehen, dass die Hilfe angenommen wird und etwas bewirkt”, sagt sie.

Die Kinder mit besonderen Bedürfnissen aus dem Heim „Neue Familie“ erhalten eine fachkundige Betreuung. „Es müssen immer zwei Betreuer anwesend sein. Bei Kindern mit schweren Behinderungen wäre ein einziger Betreuer zu riskant. Wenn ein Unfall passiert, könnte ein Betreuer allein nicht schnell genug handeln“. Bei einem Gang durch den Garten sieht man die Begeisterung der Kinder, im Grünen sein zu können, doch von den angrenzenden Nachbarn gab es nicht immer gute Reaktionen „Zuerst haben uns manche entsetzt gefragt, was wir für Monster hergebracht haben“, erzählt Cojanu betrübt. Doch mittlerweile scheint man sich aneinander gewöhnt zu haben.

Auf die Frage, ob das Krisenheim bereits Erfolge zeigt, kommt eine positive Reaktion: „Absolut!“ sagt Cornelia Cojanu, „Die Kinder machen oft deutliche Fortschritte.“ Im Heim selbst werden sie dazu animiert, selbstständiger zu werden, was sich oft darin äußert, dass sie unter anderem lernen, ohne fremde Hilfe zu essen. „Die Eltern sind so sehr darauf bedacht, ihr Kind zu beschützen, wodurch sie selbst nicht merken, dass sie ihrem Kind so nicht helfen und es stattdessen noch mehr behindern, da es nicht gefordert wird, etwas Neues zu versuchen.“

Für die Eltern ist der Aufenthalt des Kindes im Krisenheim kostenlos. Die Einrichtung finanziert sich rein durch Spenden. „Die Familien haben ja selbst nichts, manche Eltern bringen ein paar Rollen Klopapier mit, jeder hilft, wo er kann.“ Und dank Cornelia Cojanu und ihrem nicht gewinnorientierten Verein kann vielen Familien und Kindern mit geistigen Behinderungen in Notsituationen geholfen werden.

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